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 Vorschau auf kommende Veranstaltungen

und andere Mitteilungen


Plakat 21.Mai 17


Unsere Veranstaltungen 2017


 Eröffnung der neu gestalteten Dauerausstellung zur Heimatgeschichte der Gemeinde Lohsa

am Dienstag, dem 11. April 2017 um 16.30 Uhr

Schwerpunkte der Ausstellung: 100 Jahre Bergbau in Lohsa

                                              Die abgebaggerten Orte und Ortsteile um Lohsa

                                              Schlösser und Gutswirtschten in und um Lohsa

                                              ArchäologischeAusgrabungen bei Weißkollm

                                              Heimische Bodenschätze

11.4. aDer Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. eröffnete am 11. April die überarbeitete Ausstellung zur Heimatgeschichte. Vorsitzender Reinhardt Schneider erläuterte die Inhalte. Die sorgfältige detaillierte Überarbeitung gelang dank Unterstützung durch die Sächsische Landesstelle für Museumswesen, des Museums der Westlausitz Kamenz und von Geschichtsinteressierten, Heimatfreunden, Einrichtungen  und Handwerkern. Ihnen allen gilt herzlicher Dank.

11.4. dEine dreiteilige Fahne versetzte in Erstaunen. Sie erinnerte an den Radfahrerverein „Frohe Fahrt“ für Lohsa und Umgebung. Eine Wid-mung vom 27. April 1924 nannte den Ehrenvorsitzenden Georg Scholze, Mühlenbesitzer in Litschen. Der Mittelteil der Fahne zeigte das Ver-einswappen. In den sorbischen Farben blau-rot-weiß gehalten war der dritte Teil. Er vermerkte eine Widmung durch den ebenfalls in Lohsa aktiven Sorbischen Verein „Handrij Zejler“. „Die Fahne hat eine lange Geschichte“, sagte Peter Leinert, der mit seiner Mutter Elisabeth Leinert die Fahne aufwendig auf eigene Kosten restaurieren ließ. Als Dauerleihgabe überlässt er sie jetzt dem Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V.. Dienstag gehörte er zu den ersten Besuchern der neu eröffneten, sorgfältig überarbeiteten Ausstellung zur Lohsaer Heimatgeschichte. Auch Bürgermeister Thomas Leberecht und einige interessierte Gemeinderäte waren gekommen.

11.4. c„Diese Fahne von 1924 zeigt, dass das sorbische Leben in Lohsa sehr intensiv war“, erläuterte Vorsitzender Reinhardt Schneider. „Der Verein Handrij Zejler war bei Gründung der Domowina 1912 in Hoyerswerda der größte Mitgliederverein.“

Immensen Aufwand hatte die Überarbeitung der Heimatausstellung verlangt. Zuvor bot sie eine Vielfalt ohne Ordnung. Es mussten immer wieder neue Exponate eingegliedert werden, deshalb wurde eine Straffung und neue Übersichtlichkeit notwendig. Der Förderverein erstellte ein neues Ausstellungskonzept. Finanzielle Unterstützung für das Projekt kam von der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen. Es wurde eine Fördersumme von 3000 Euro mit 20 Prozent Eigenanteil bewilligt. Davon wurden eine Wandvitrine, eine Fahnenvitrine, drei Podeste, neues Trägermaterial, Layout und Druck der Ausstellungstafeln an den Wänden sowie der Druck eines Flyers finanziert. Alle weiteren Leistungen erbrachten die Vereinsmitglieder.

11.4. bDank Olaf Zinke vom Museum der Westlausitz Kamenz gelang die Neugestaltung der Tafeln. Zumindest die Überschriften der Inhalte darauf sind in Deutsch und in Sorbisch vermerkt.

Reinhardt Schneider wandte sich auch an die Gemeinderäte. Er verwies auf die nötige Sanierung der Fassade des Zejler-Smoler-Hauses. Der Vorsitzende hofft auf Unterstützung bei der Lösung der Probleme. „Außerdem wollen wir notwendige Maßnahmen zur Werbung und Modernisierung im Haus vornehmen“, unterstrich er im Rechenschaftsbericht. „Dazu wollen wir eine Förderung des Kulturraumes Oberlausitz-Niederschlesien beantragen.“ Auch hier hofft der Verein auf Unterstützung. Der Vorsitzende bat zudem die Einwohner, auch künftig tatkräftig und vielfältig mit Exponaten, Bildern und Dokumenten für die einzelnen Ausstellungen im Haus zu unterstützen. „Unser Zejler-Smoler-Haus lebt durch die Initiative der Bürger und der Gemeinde“, bekräftigte der Vorsitzende.

In der darauf folgenden Jahreshauptversammlung blickte der Verein auf ein intensives Jahr 2016 zurück. Die Veranstaltungen und Ausstellungen waren in der Mehrzahl sehr gut angenommen worden. Der Besuch reichte vom Kindergarten Lohsa über Mitglieder des Vereins Sorbischer Kulturtourismus, über einige Sorbenbeauftragte aus Kommunen, Teilnehmer des Internationalen Sorbisch-Kurses des Sorbischen Instituts in Bautzen bis zur Visite durch die Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Dr. Eva-Maria Stange, des Landrats Michael Harig und des Kulturraum-Sekretärs Joachim Mühle.

Die Diskussion zum Rechenschaftsbericht zeigte: Nach wie vor ist die Nachwuchs-Suche dringendste Aufgabe für den Verein. Verstärken will er zudem die Außenwerbung am Haus. Hier kamen erste originelle Vorschläge und Anregungen. Gedanken sollen sich die Mitglieder und Freunde über künftige Themen der Weihnachtsausstellung machen. „Schön ist, wenn sich die Lohsaer weiter mit ihren Beiträgen bei den Ausstellungen einbringen“, regte Vorstandsmitglied Edith Kraus an. „Das gibt es nicht überall. Das sollten wir uns für die Zukunft bewahren.“

Höhepunkte 2017 des Vereins in diesem Jahr werden sein:

am 21. Mai um 15 Uhr Gedenk-Konzert in der Lohsaer Evangelischen Kirche zum 20. Todestag des Komponisten Jan Paul Nagel (1934-1997);

am 25. Oktober um 18 Uhr im Zejler-Smoler-Haus Lesung mit Superintendent Jan Malink zum Buch „Fünf Jahrhunderte. Die Sorben und die Reformation“;

am 3. Dezember Eröffnung der Weihnachtsausstellung im Zejler-Smoler-Haus zum Thema „Teddybären“.

 Andreas Kirschke

 

Kleine Künstler stellen aus:

Schülergalerie

Sie haben die Möglichkeit, Arbeiten, die im Kunstunterricht und in den Arbeitsgemeinschaften entstanden sind, im Zejler-Smoler-Haus zu bestaunen.

Eröffnung: Dienstag, 28.03.2017 um 17 Uhr

Es laden herzlich ein:
Förderverein Zejler-Smoler-Haus Lohsa e.V. und Grundschule "Am Knappensee" Groß Särchen

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Kleine Kunstwerke voller Farbenfreude

Die Galerie „Kleine Künstler stellen aus“ wurde am 28. März im Zejler-Smoler-Haus eröffnet. Die Grundschule Groß Särchen stellt darin Schülerarbeiten aus den Fächern Kunst, Deutsch und Werken sowie aus dem Ganztagsangebot „Kreatives Gestalten“ aus. „Alle Werke entstanden seit Schuljahresbeginn im Laufe der vergangenen Monate – orientiert am Lehrplan, an den Jahreszeiten und an den Höhepunkten in unserer Schule“, erklärt Karola Callies. Sie unterrichtet in diesem Schuljahr Kunsterziehung in den 2. und 4. Klassen, Kollegin Kerstin Töppel derzeit in den 1. und 3. Klassen. Gemeinsam regten sie die Ausstellung an.

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Ausst.Kinder 3„Viele unserer Kinder malen, zeichnen und gestalten mit Leidenschaft. Dank der Ausstellung können sie ihre Stärken und Talente einer breiten Öffentlichkeit zeigen“, sagt Karola Callies. „Sie haben Erfolgserlebnisse, erfahren Bestätigung. So ein Gestaltungsprozess kann unglaublich spannend sein. Denn eigentlich wachsen erst während der Arbeitsphase die entscheidenden Ideen und Details.“ Der Lehrplan gibt die Arbeitsbereiche vor, wie zum Beispiel „Flächiges Gestalten“ oder „Körperhaft-räumliches Gestalten“. Er empfiehlt Techniken oder Materialien. Der Lehrer leitet ein entsprechendes Thema und die Ziele ab. Die  Umsetzung lässt den Schülern viel Raum für eigene Kreativität. Sie erwerben Eigenschaften wie Ausdauer, Fleiß, Zielstrebigkeit und Sozialkompetenz, sie trainieren die Zeiteinteilung und agieren dabei zunehmend selbstständiger.

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Fotos: Kirschke

 


 

 Sorbisch-Schüler aus Wittichenau zu Gast

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Sorbisch-Schüler der 6. bis 9. Klassen der Korla-Awgust-Kocor-Oberschule Wittichenau besuchten Lohsa Anfang Februar. In zwei kleinen Gruppen kamen sie am 1. und 2. Februar. In Lohsa besichtigten sie das Handrij-Zejler-Denkmal, das Handrij-Zejler-Grab und die Kirche. Danach lernten sie das Zejler-Smoler-Haus näher kennen.

 

 

 

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Sie besichtigten die Dauerausstellungen über bedeutende Lohsaer Persönlichkeiten, über Handrij Zejler, Jan Arnost Smoler und Korla Awgust Kocor sowie die Dauerausstellung zur Lohsaer Heimatgeschichte und Bergbaugeschichte. Sie verweilten ebenso in unserer Weihnachtsausstellung zum Thema Pulsnitzer Pfefferkuchen. Viel Wissenswertes konnten sie bei ihrem Besuch lernen. Zustande kam er durch Schulleiterin und Sorbisch-Lehrerin Ines Lesche.

Andreas Kirschke.

 

Auf der Walz bis nach Paraguay unterwegs

Franz Zschornack aus Crostwitz war drei Jahre lang Wandergeselle

 Gesellen aus insgesamt 34 Berufen ziehen heute auf die Walz. Franz Zschornacks Wanderschaft dauerte von November 2009 bis November 2012.  "Du gehst auf Reisen, um zu arbeiten. Du gehst arbeiten, um zu reisen. Arbeiten sollst du möglichst in deinem Beruf oder das, was dir Spaß macht“, sagte Franz Zschornack beim zehnten Sorbischen Abend des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. am 10. Februar 2017. Weit über 40 Zuhörer waren gekommen.

Franz zeigt Bilder von seiner Walz. Foto: Schneider

Franz mit Bild, Schneider

Schwarze geputzte Stiefel, graue Hose, weißes Hemd mit schwarzer Krawatte, Weste, schwarzes Jackett und Zylinder - das trägt der Wandergeselle. Franz mit Gepäck,, Sven Bläsche

Im Bündel verstaut sind Arbeitskluft, Unterwäsche und Schlafsack. Hinzu kommt der Wanderstock – der Stenz. Unter 30 Jahre jung müssen Wandergesellen sein, ledig und ohne Kinder, schuldenfrei und vorstrafenfrei. Die Walz dauert mindestens drei Jahre und einen Tag. Nur zu Fuß oder per Anhalter darf der Wandergeselle reisen. An eigenes Handy, Motorrad und Auto ist nicht zu denken. Keinen Feiertag und keinen Geburtstag darf der Wandergeselle zu Hause verbringen. Der Heimat darf er sich höchstens auf 50 Kilometer nähern.

Franz zeigt den schweren Gepäcksack, der alles Nötige enthält. Foto: Bläsche

„Wir verhalten uns ehrbar und rechtschaffen. Wir verhalten uns so, dass jeder Wandergeselle, der nach uns kommt, willkommen ist.“

Eigentlich wollte er Schmied werden, liegt doch diese Berufstradition in der Familie. Seit 1936 führte Großvater Paul Knopp die Crostwitzer Schmiede. Später übernahm sie Franz Zschornacks Vater Benno. Frühzeitig lernte Franz, mit Metall zu arbeiten. Eingangs- und Hoftore entstanden damals. 1994, beim Umbau des Elternhauses, bauten Vater und Sohn eine Haustreppe aus Metall. Franz Zschornack lernte nach der Schule Konstruktionsmechaniker für Metall- und Schiffbau. Drei Jahre arbeitete er danach in der Praxis bei der Metallbau-Firma Ziegler nahe Piskowitz.

2009 reifte sein Entschluss für die Walz. Er nahm Kontakt zur „Gesellschaft der rechtschaffen fremden und einheimischen Maurer und Steinhauergesellen“ auf. Es ist die deutschlandweit älteste Gesellschaft für Wandergesellen. Berufe wie Maurer, Steinmetze, Bauschlosser und Schmiede vereint sie. Über ein soziales Projekt des Kinderzirkus Ubuntu fand Franz Zschornack Kontakt. In einer Sommerbaustelle 2009 in Itzehoe (Schleswig-Holstein) entstand eine Manege mit Holzpavillon. Hier arbeitete er mit.

Auf Empfehlung dieser Gesellschaft startete er seine Walz im November 2009 in Erfurt. Das erste Jahr führte sie ihn quer durch Deutschland, Dänemark, Schweiz und Österreich. Danach ging es durch Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Türkei, Niederlande und sogar nach Brasilien, Paraguay und Argentinien.

Manchen Rückschlag musste er verkraften. So versäumte ein Schweizer Arbeitgeber Franz Zschornacks Anmeldung. „Ich bekam Post von der Zollbehörde. Nun hatte ich zwei Jahre Strafe auf Bewährung am Hals…“. Zwei Mal ging ihm sein Wanderstock unverhofft verloren. Nach einem Fahrradsturz musste er wegen angebrochener Schulter ins Krankenhaus in der Schweiz. Unterwegs erlebte er auch eine schwere Erkältung, zudem anstrengende Arbeit bei Gluthitze im Sommer und bei Eiseskälte im Winter. „Manchmal fragte ich tagelang vergeblich nach Arbeit in Betrieben“. Trotzdem dachte er nie ans Aufgeben.Franz mit Publikum

In Paraguay begleiteten ihn die beiden Wandergesellen Tischler Fabian und Zimmerer Eric. In Villa Rica, rund drei Stunden südlich der Hauptstand Asunción, erneuerten sie im Hotel „Sport-Camping“ die Dächer. Sie reparierten die Baderutsche. Und mit nur wenig Werkzeug und Material bauten sie sogar einen Brunnen. „Solche Kontakte ermöglicht das Handwerk. Es ist immer ein Geben und Nehmen“, schilderte Franz Zschornack anschaulich, spaßig und mit vielen Fotos. Noch nicht oft wurde bei einem Vortrag im Zejler-Smoler-Haus so viel gelacht wie an diesem Freitagabend.

Franz demonstriert seine Walz. Foto: Kirschke

In der Schweiz war Zschornack  mehrere Wochen im Dorf Ursada. Es liegt in über 1500 Meter Höhe. „Atemberaubend. Nur Berge“, erzählte er begeistert. In der kleinen Dorfschmiede mit Rundgewölbe ging er dem Schmied zur Hand. Dort konnte er viel lernen. Dort konnte er auch selbst Erlerntes weitergeben. In Rumänien schuf er in Sibiu (früher Hermannstadt) in Siebenbürgen mit anderen Gesellen eine elfstufige Barocktreppe für das Gemeindehaus der Evangelischen Kirche. Für eine Gaststätte schmiedete er eine Reklametafel. Bei all dem hielt er stets Verbindung zur Familie. Freudentränen flossen in Crostwitz bei seiner Rückkehr 2012. „Ich habe gelernt, mein Handwerk zu schätzen“, fasste Franz Zschornack zusammen. „Viele haben unterwegs auf mich aufgepasst. Und ich habe auf andere aufgepasst.“ Inzwischen hat er die Meisterprüfung als Metallbauer bestanden und geheiratet. Eines Tages will er die Schmiede seines Vaters weiterführen. 

Wanderjahre

 Einzelheiten seiner Zeit als Wandergeselle sind im Buch „Franz im Glück“ näher beschrieben. „Ich habe es mit Begeisterung gelesen“, meinte Besucher Alois Retschke aus Laußnitz, selbst Sorbe und aufgewachsen in Camina bei Radibor. „Es gehört viel Mut dazu, drei Jahre loszuziehen und alles zurückzulassen. Es ist gut, dass Franz Zschornack seine Erfahrungen weitergibt.“

"Herzerfrischend" fand Bärbel Kriens aus Hoyerswerda den Vortrag. Vor allem Franz Zschornacks Bodenständigkeit und Familienliebe gefallen ihr. Mit ihrem Mann Richard hat sie das Buch „Franz im Glück“ schon in Auszügen gelesen. Jetzt wollen sie es vollständig lesen.Richard Kriens Urgroßvater Gottlieb Kriens zog 1840 auf die Walz. Er war gelernter Wasser-Müller und später Wind-Müller im Barnim bei Berlin. Seinen Wanderpass gibt es noch. Er gab das Dokument Franz Zschornack. Der will es jetzt an kompetenter Stelle zum Aufbewahren und Entschlüsseln der Inhalte weiterreichen.

Buchtipp: Franz Zschornack mit Rainer Schäfer: „Franz im Glück. Meine Wanderjahre auf der Walz“.
Lübbe-Verlag Köln 2015. ISBN-Nummer:978-3-7857-2533-7. Preis: 14,99 Euro.

Franz mit Krain

 
 
Richard Kriens übergibt Franz Zschornack das Wanderbuch seines Urgroßvaters. Foto: Kirscke

 

 

 

 

 

Andreas Kirschke

 


Unsere Veranstaltungen 2016


Pulsnitzer Pfefferkuchen - Eröffnung der Weihnachtsausstellung

am 27. November 2016 im Zejler-Smoler-Haus Lohsa

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Ein Pfefferkuchenhaus erfreut den Besucher. Davor wartet Gretel auf Hänsel. Liebevoll ist das Haus dekoriert mit Fichtenzweigen, Bildern und Pfefferkuchen. Aus Styroporplatten, Holzlatten und Zubehör bestehen Wände und Dach. „Hänsel und Gretel gehören dazu“, meinen Veronika Sauer, Angelika Hammerschmidt, Edith Krautz und Gabriele Knothe vom Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V.. Seit ihrer Kindheit verbinden sie Pfefferkuchen mit diesem Märchen. Liebevoll haben sie das Häuschen aufgebaut und dekoriert. Es gehört zur diesjährigen Weihnachtsausstellung „Pulsnitzer Pfefferkuchen“ im Zejler-Smoler-Haus. Dank zahlreicher Leihgaben der "Kultur- und Tourismus Pulsnitz GmbH" mit Museum und Pfefferkuchen-Schauwerkstatt wurde sie möglich. Am 27. November um 14.30 Uhr wurde sie eröffnet, ca. 30 Besucher nahmen teil, bei weihnachtlicher Musik, Kaffee, Stollen und Pfefferkuchen und einem kleinen weihnachtlichen Programm - Geschichten und Gedichte über Pfefferkuchen.

Und mit der "Hexe aus Riegel"!  Hexe2

„Die Ausstellung ist ein Gemeinschaftswerk“, verdeutlichen die Frauen. Sabine und Siegmar Schubert vom Pulsnitzer Museum hatten für die vielfältige Auswahl der Materialien gesorgt, Jürgen Knothe und Hildebrand Sauer beim Transport geholfen. Reinhardt Schneider und Dietmar Styschke holten mit der serbischen Fichte den passenden Weihnachtsbaum in die Ausstellung. „Pfefferkuchen und Pulsnitz – das gehört zusammen“, meint Angelika Hammerschmidt. Gern erinnert sie sich an früher. Oft buk sie mit den Eltern zur Weihnachtszeit Pfefferkuchen-Plätzchen. Die jetzige Weihnachtsausstellung soll zum Backen und zum Schmecken einladen, an die Originalrezepte für Pfefferkuchen erinnern, für die Originalzubereitung sensibilisieren. Und es gibt ja nicht nur den berühmten Nürnberger Pfefferkuchen! Noch neun Pfefferküchler-Betriebe pflegen die Tradition bis heute in Pulsnitz.

Bilder Pulsnitz

Die Ausstellung zeigt historische Fotos von ihrem Alltag. Ein Gesellenbrief für Pfefferküchler Wilhelm Werner aus Wölfelsgrund Kreis Habelschwert (Niederschlesien) stammt von 1913. Gedruckte und von Hand geschriebene originale historische Back- und Kochbücher zeigen einige Pfefferkuchen-Rezepte. In der Holzschrage (dem Backregal) duften Pfefferkuchen.

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„Seinen Ursprung hat der Pfefferkuchen im Honigkuchen, einem der ältesten Süßgebäcke der Menschheit“, vermerkt die Ausstellung. „Archäologen entdeckten in ägyptischen Grabkammern aus der Zeit  um 2220-2157 vor Christus runde Kupferschalen, die Honigkuchen enthielten. Das waren feine lockere Honigfladen, gewürzt mit Sesam und Datteln. In Europa sind Leb-, Honig- oder Pfefferkuchen seit dem 13. Jahr-hundert in aller Munde.“ Im schlesischen Schweidnitz (heute Šwidnica in Polen) bestand schon 1293 eine Pfefferküchlerei. In den Küchen der dortigen Klöster fügten die Mönche den lange gelagerten Honigteigen feinste exotische Gewürze – im Mittelalter kurz „Pfeffer“ genannt – hinzu. Vermutlich geht darauf die Tradition der Pulsnitzer Pfefferkuchen zurück. Nachweislich besteht sie seit 1558. Damals erlaubte Schlossherr von Schlieben den Pulsnitzer Bäckern erstmals, außer Brot auch Pfefferkuchen zu backen.

Die Lohsaer Weihnachtsausstellung verdeutlicht die aufwendige Zubereitung. Grundteig wird zunächst mit Zuckerrübensirup versetzt. Charakteristisch für Pulsnitzer Pfefferkuchen ist die wochenlange Lagerung in dunklen, kühlen, trockenen Räumen. Erst dann erreicht der Grundteig die notwendige Reife zur Weiterverarbeitung. Nach dem Lagern entsteht der Backteig in der sogenannten Teigbreche. „Dabei kommt es vor allem auf die Gewürzmischung und die Triebzugabe an“, vermerkt die Aus-stellung. Zu den gebräuchlichsten Gewürzen gehören Zimt, Koriander, Kardamom, Nelken, Muskat, Muskatblüte, Ingwer und mitunter Fenchel. Hirschhornsalz und Pottasche kommen erst kurz vor Aufarbeitung des Teigs hinzu. „Wichtig ist es, die Triebmittel getrennt zuzusetzen“, erläutert die Ausstellung. Sie zeigt eine Teigbreche von 1918. Diese Maschine, auch Misch- und Knetmaschine genannt, ist Herzstück jeder Pfefferküchlerei. Sie dient zur Herstellung von Grund-, Lager- und Back-Teig. Die Teigmaschine soll die Muskelkraft ersetzen. Denn Sirup- und Honigteige sind schwere und zähe Teige. Die Pulsnitzer Pfefferküchler verwenden noch heute ähnliche Maschinen.

Dosen

Die Ausstellung zeigt historische Dosen und Verpackungen, Ausstechformen, Holzkübel, Holzmodel und weitere Exponate. „Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung aus Pulsnitz“, unterstreicht Veronika Sauer.

 „Die Weihnachtsausstellung ist  erfahrungsgemäß unsere am meisten besuchte Ausstellung im Haus. Gerade sie erreicht ein vielfältiges Publikum“, sagt Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V.. „Zugleich ist die Weihnachtsausstellung der Abschluss unserer monatlichen Veranstaltungen.“

 

Die Weihnachtsausstellung „Pulsnitzer Pfefferkuchen“ ist bis Ende Februar im Zejler-Smoler-Haus zu sehen. Öffnungszeiten montags und donnerstags 10-12 Uhr und 13-17 Uhr sowie zum Lohsaer Weihnachtsmarkt am 10. Dezember 13-18 Uhr und nach Voranmeldung unter 03 57 24/5 02 56. Nachfragen für Projekte im Januar und Februar sind noch möglich. Kontakt: Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., Am Markt 7, 02999 Lohsa, e-mail: zejlersmoler.haus@web.de, Telefon: 03 57 24/5 02 56

Andreas Kirschke

 


 

           Herzlichen Glückwunsch!

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Mit einem Festakt ehrte die Domowina am 14. 10. 2016 im Saal des Hauses der Sorben in Bautzen verdienstvolle Domowina- Mitglieder.


Aus den Händen des Bundesvorsitzenden David Statnik erhielt unser Vereinsmitglied Andreas Kirschke für seine besonderen Leistungen zur Pflege der sorbischen Sprache und Kultur das Ehrenzeichen der Domowina überreicht.
Die Mitglieder des Fördervereins gratulieren ganz herzlich zu dieser Auszeichnung.


            Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Vereins

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 Multi-Media-Show 2016 in Namibia -

 „5000 km Safari durch Süd-West-Afrika“

Reiseimpressionen von und mit Herrn Wilfrid Sauer

Namibia 1aus Lohsa  erlebte ein zahlreich erschienenes Publikum am 03. November 2016 im Zejler-Smoler-Haus in Lohsa.

 

 

Anhand von Lichtbildern, Ausstellungsstücken, Büchern und Fotoalben konnten die ca. 30 Besucher dem humorvoll gestalteten Vortrag Herrn Sauers gespannt und oft erheitert folgen.

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Da gab es Bilder aus Namibias reichhaltiger Tier- und Pflanzenwelt zu sehen, Aufnahmen von Gebäuden und Denkmälern aus der deutschen Kolonialzeit, Bilder von Ureinwohnern.

 

 

 

 

 

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Interessiert betrachteten die Besucher nach dem Vortrag die ausgestellten Gegenstände.

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Brezan

 

Buchlesung im Zejler-Smoler-Haus am 7.Oktober 2016

 Professor Dietrich Scholze stellte die Biographie

 Jurij Brězans vor.

Jurij Brězan (1916-2006) gehörte zu den produktivsten Schriftstellern in der DDR. Er war der einflussreichste sorbische Literat in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein erstes deutschsprachiges Buch 1951, „Auf dem Rain wächst Korn“, legte den Grundstein zur Zweisprachigkeit heutiger moderner sorbischer Literatur. Mit der Vorstellung des Buches „Jurij Brězan. Leben und Werk“ erinnerten Freitag der Domowina-Verlag und der Förderverein "Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus" an den Schriftsteller. Es ist die erste Biographie über ihn.

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Brězan pflegte einen festen Arbeitsrhythmus. Vier Stunden vormittags und drei Stunden nachmittags schrieb er. Und das stets mit Kugelschreiber auf liniertem DIN-A4-Block. „Sonntagmorgenarbeit gibt es häufig. Nachtschichten nie. Während der Arbeitszeit besteht absolutes Alkoholverbot, Rauchen ist so lange erlaubt, wie ich mich selbst noch sehen kann“, zitierte Professor Dietrich Scholze  den Autor.  In der DDR erreichte Jurij Brězan eine Auflage von rund drei Millionen Büchern. „Im Sorbischen mögen es einige -zigtausend gewesen sein“, sagte Dietrich Scholze.

Bis ins hohe Alter war er hochproduktiv. Gern hätte er seine Erzählung ´Der alte Mann und das enge Weite´ noch selbst vorgestellt. Doch er starb 2006 in Kamenz. Sein bewegtes Leben führte ihn auch in unsere Gegend. In Uhyst war er für einige Monate 1941 Verwalter und Inspektor auf dem Rittergut Kluge. Trotz Aufenthaltsverbotes besuchte er 1941 seine Familie in Räckelwitz in der Lausitz. Dann musste er als Soldat an die Ostfront. Am 8. Januar 1946 kehrte Jurij Brězan in die Lausitz zurück. Für kurze Zeit war er Einwohner von Lohsa. „Ich bin oft heimgekehrt, vorher und nachher, keine Heimkehr war wie diese, die in ihrer Wirklichkeit nicht ausdenkbar war…“, schrieb er später über das erste Frühjahr nach dem Krieg. Er hatte sich gezielt für seine sorbische Heimat entschieden. In der Biographie beschreibt Dietrich Scholze intensiv und detailliert Abschnitt für Abschnitt in Jurij Brězans Leben. Die Zeit in Lohsa sieht er als eine von etlichen noch zu schließenden Forschungslücken. Vier Jahre sorgfältige Recherchen liegen hinter ihm. Sie führten bis nach Marbach ins Deutsche Literaturarchiv. Dort liegt heute Jurij Brězans Nachlass, größtenteils handschriftlich. Dort findet der Forscher den Sorben in direkter Nachbarschaft mit anderen bekannten Schriftstellern wie Bertolt Brecht und Willi Bredel. „Sehr unterstützte mich bei den Nachforschungen Professor Dr. Lucia Heine, Literaturhistorikerin und Schwägerin des Schriftstellers“, erläuterte Dietrich Scholze. „Wichtigen Quellen waren auch immer wieder Jurij  Brězans eigene Schilderungen, unter anderem in seinen Büchern ´Ohne Pass und Zoll´ und ´Mein Stück Zeit´.“

DSCN7685 So entstand die erste deutschsprachige Biographie über Jurij Brězan. Sie umfasst 300 Seiten. Der Domowina-Verlag gibt sie mit 700 Exemplaren Auflage heraus. „Jurij Brězan hatte eine sehr poetische, bildlhafte Sprache. Er war ein Meister der sprachlichen Figuren, Bilder und Beschreibungen. Darin liegt unglaubliche Tiefe. Er ist im besten Sinne ein Klassiker der sorbischen Literatur. Sein Buch ´Stary nan´ (Bild des Vaters) ist für sorbische Klassen Schulstoff“, unterstrich Peter Thiemann, Lektor im Domowina-Verlag.

Manch Gespräch ergab sich noch nach der Lesung. „Jurij Brězan hat nicht nur über politische Themen geschrieben. Ich kenne auch wunderbare Naturschilderungen von ihm. Das ist tiefe, schöne und schlichte Sprache“, meinte Dr. Elke Wierick aus Weißkollm. Lesen will sie jetzt Jurij Brězans Erzählung „Der alte Mann und das enge Weite“. Zu Hause hat sie das Buch „Bild des Vaters“ und viele kleine Geschichten des Schriftstellers. Mag sein, dass sie auch darin bald wieder liest.

 

Literaturtipp: Dietrich Scholze: „Jurij Brězan. Leben und Werk.“ Domowina-Verlag Bautzen 2016. Preis: 19,90 Euro. ISBN-Nummer: 978-3-7420-2371-1

Andreas Kirschke

    


 

„Mit dem Kochlöffel durch's ganze Jahr“

Kalendertitel

 Die neue Sonderausstellung „Mit dem Kochlöffel durch's ganze Jahr“ im Zejler-Smoler-Haus widmet sich den Scherenschnitten der Künstlerin, Lyrikerin und Komponistin Erika Schirmer (90) aus Nordhausen. Die Eröffnung am 1. Oktober im Zejler-Smoler-Haus fand regen Zuspruch. Circa 30 Interessierte waren gekommen.

Erika SchirnerLaudator Friedhelm Schulz, seit vielen Jahren befreundet mit der Künstlerin, sprach über ihr Leben, ihre Gedichte und Lieder, und er agierte als Koch mit großem Löffel und hohem Hut und äußerst lustigem Exkurs über Kochlöffel.

Friehelm SchulzKalender Schirner JanuarSchirner Oktober_1

 Quarknapfkuchen

  Die  Ausstellung zeigt u. a. Kalenderblätter: Monatsmotive, passend zur jeweiligen Zeit im Jahr, unter denen Gedichte Erika Schirmers und je ein Rezept stehen.

Erika Schirmer zeigte bereits über 130 Ausstellungen in Deutschland und in Polen. Jahrelang leitete die Lehrerin und Kunsterzieherin früher eine Einrichtung für körperlich und geistig Behinderte. Erst später widmete sie sich der uralten Kunst des Scherenschnitts. Aus ihrer Feder stammt das Lied „Kleine weiße Friedenstaube“.

Noch heute wird das tiefsinnige Lied mit dem Wunsch nach Frieden für alle Kinder gesungen -  in Deutschland, in Polen, in Österreich und in Finnland, ja sogar an den Niagarafällen in Nordamerika, sagte Friedhelm Schulz. Es ist, so betonte er, hochaktuell. Erika Schirmer verdient für dieses Lied besondere, öffentlich und amtlich verbriefte Anerkennung. Demnächst wird sie für ihr künstlerisches Gesamtschaffen das Bundesverdienstkreuz erhalten.

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Der zweite Teil des Nachmittags gehörte dem Regisseur Dr. Jörg Herrmann aus Kreischa. Er ist bundesweit der letzte professionelle Produzent von Silhouettenfilmen. Ausschnitte zeigte er aus „Der siebente Rabe“, „Aus dem Leben eines Rumgehers“, „Klatsch- und Tratschgeschichten aus Bad Lauchstädt“ sowie „Der Lichterbogen. Geschichten und Sagen um den Schwibbogen“; dieser enthält überlieferte Geschichten aus dem Weihnachtsland Erzgebirge. Jörg Herrmann warb leidenschaftlich für die Bewahrung des von Hand produzierten Trickfilms. Er erläuterte die Bedeutung der Animation als künstlerischen Denkstil und als das Erzählen mit Gegenständen.

Herrmann

 2011 erschien in Obersorbisch, in Niedersorbisch und in Deutsch sein 72-minütiger Film „Der siebente Rabe“. Er schildert die Krabat-Sage. 108.000 Einzelbilder waren für die Produktion nötig. 2014 erschien in Deutsch und in Niedersorbisch der 32-minütige Silhouetten-Film „Aus dem Leben eines Rumgehers". 35.000 Bilder stellte Jörg Herrmann dafür auf der Trickbank – seinem Arbeitstisch – zusammen. „In Zukunft würde ich gern in Niedersorbisch und in Deutsch Sagen aus dem Spreewald verfilmen. Dazu gehören ´Der Wassermann´, ´Die Nixen´, ´Der Drache´ und ´Pumphut an der Ölmühle´“, sagte er. „Für einen solchen Silhouettenfilm bräuchte es jedoch langfristig erneut Förderung.“

 

 

 

 

 

 

 

Die Ausstellung der Scherenschnitte von Erika Schirmer „Mit dem Kochlöffel durch's ganze Jahr“ ist bis 11. November zu sehen.

Öffnungszeiten im Zejler-Smoler-Haus: montags, donnerstags von 10-12 Uhr und 13-17 Uhr oder nach Vereinbarung 03 57 24/5 02 56.

Andreas Kirschke


 Begegnungen bereichern fürs Leben

Ein Projekt führt tschechische und deutsche Senioren zusammen

  „Das sind unvergessliche Eindrücke. Das geht uns sehr nah“, meinte der Vorsitzende des Seniorenclubs Kamenický Šenov (Tschechien), Alois Bélota (70)  am 20. September im Dorfgemeinschaftshaus Koblenz. Mit 15 Senioren war er hierher gekommen. Die Tschechen trafen mit Koblenzer Senioren zusammen. Ihr Ausflug in die Gemeinde Lohsa gehörte zum grenzübergreifenden Projekt „Senioren im Netz“ von April bis September 2016 – gefördert durch die Euroregion Neiße. Als Partner kooperieren dabei das Christlich-Soziale Bildungswerk (CSB) auf deutscher Seite und der Venkovský prostov Liberec (der Ländliche Raum von Liberec) auf tschechischer Seite. „Im Projekt sollen die Senioren nicht nur den Umgang mit den Neuen Medien wie Internet, Facebook und Skypen kennen lernen. Wichtig ist uns die Begegnung und das gegenseitige Kennenlernen der Heimat“, sagte Jan Tandler, Geschäftsführer des Venkovský prostov Liberec.

Im Dorfgemeinschaftshaus Koblenz stellte er Ziele und Inhalte des Projektes näher vor. Danach besichtigten die Senioren die Jakubzburg in Mortka.

 Tschechen im ZSH

Am Nachmittag lernten sie das Zejler-Smoler-Haus Lohsa und den dortigen Förderverein und seine kulturelle Arbeit kennen. Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., stellte Inhalte und Ziele der Arbeit des Vereins vor.

Sie erfuhren auch vom fünfsprachigen Lehrpfad „Handrij Zejlers Lebensstationen in Lohsa“. In Deutsch, Sorbisch, Polnisch, Tschechisch und Englisch hatte ihn 2009 der Förderverein mit Tafeln angelegt. Diese hängen heute am Pfarrhaus Lohsa, am Handrij-Zejler-Denkmal, am Zejler-Smoler-Haus, an der Kirche und am Handrij-Zejler-Grab.

Im Dorfgemeinschaftshaus Koblenz klang das Treffen aus. Dort sorgten Dorothea Richter, Marion Kremser und Roswitha Rogin herzlich für die Bewirtung. Monika Pakoßnick stellte die Initiativen der Koblenzer Seniorengruppe und der Koblenzer Frauengruppe näher vor. Monatlich treffen sich diese zu Veranstaltungen. „Unsere Arbeit wird gerade durch solche Begegnungen wie heute gewürdigt“, freute sie sich über das ganztägige Treffen mit den Tschechen. „Solche Begegnungen bereichern einfach fürs Leben. Viele unserer Älteren im Ort leben allein. Solche Treffen ziehen sie heraus aus ihrer Einsamkeit und Isolation. Gerade das Gespräch mit anderen Senioren ist ganz wichtig.“

Das Projekt „Senioren im Netz“ läuft noch bis Ende September. Zum Ende des Projekts wird ein 25-30seitiges Handbuch mit dem Titel "Senioren im Netz" entstehen. Es enthält ganz praktische Tipps für den Alltag mit den Neuen Medien“, unterstrich Jan Tandler. „Bis Ende September soll es fertig sein. Auf deutscher Seite ist es dann beim Christlich-Sozialen Bildungswerk mit erhältlich.

Andreas Kirschke

 


 

Vielfalt in Gärten und auf Äckern bewahren - Saatgut ist Kulturgut der Menschheit

 Um seltene Obst-, Gemüse- und Ackerpflanzen ging es am 2. September beim Vortrag des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt im Lohsaer Zejler-Smoler-Haus. Birgit Fleischer stellte den Verein, seine Geschichte und Initiativen näher vor.

Referentin

"Er wächst mächtig und blüht dennoch zart. Er verholzt nicht  und enthält sehr schmackhaftes Aroma. Früher konnte er lange eine große Familie ernähren", erläuterte Birgit Fleischer die Kohlrabi-Sorte „Böhmischer Strunk“. Die Referentin der Regionalgruppe Lausitz / Ost-sachsen des bundesweit aktiven und seit 1986 bestehenden Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e. V. (VEN) schilderte am Freitag in ihrem Vortrag „Erhalten durch Aufessen. Saatgut ist Kulturgut“ im Zejler-Smoler-Haus Lohsa viele Beispiele. Es ging um selten gewordene Obst-, Gemüse und Ackerpflanzen. Der „Böhmische Strunk“ gehört dazu.

„Zur Saatgut-Gewinnung ist ein ganzer Strunk einzukellern“, unterstrich Birgit Fleischer. „Man muss die kompaktesten, dicksten Früchte dafür verwenden.“ Hochgespannt hörten die Gäste zu. Öfter fragten sie nach. Birgit Fleischer ging tief ins Detail. Die „Bautzener Kastengurke“ zum Beispiel ist im Handel nicht mehr erhältlich. Sie ist eine typische Einlege-Gurke. „Wir bauen sie an und versuchen, sie sortenrein zu vermehren“, sagte die Referentin. Über 70 Prozent der alten historischen Sorten gingen im 20. Jahrhundert verloren. Der Rest soll erhalten bleiben. Dafür setzt sich der Verein konsequent ein. Nischkes Riesengebirgs-Wintererbse, der Slowakische Bratkürbis „Pečarka“, die Salatsorte „Bautzener Dauerkopf“, die Birnensorte „Grüne Hoyerswerdaer“ und weitere selten gewordene Sorten sollen erhalten bleiben.

Tomatensorten aus dem Bestand der Lohsaerin Ines Maletzky:

Tomaten 1  Tomaten 2

Birgit Fleischer, 2001-2004 im Bereich Umweltbildung im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft tätig, fand durch ihre damalige Arbeit tiefer ins Thema. Damals war sie angestellt beim Förderverein für die Natur der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. In der Naturschutzstation Friedersdorf leitete sie die AG „Gärtnern“ mit fünf bis acht Schülern. Diese Kindergruppe war sehr aktiv. Die Schüler bereiteten selbständig Beete vor. 30 Bohnen-Sorten und zehn Kartoffel-Sorten haben wir angebaut. Ziel war, selbst zu stecken, zu ernten und zu verarbeiten. Die Kinder sollten die Früchte ihrer Arbeit selbst in den Händen halten. Immer ging es um die Freude an der Artenvielfalt. Die Ernte schmeckte den Kindern stets. „Jedes Jahr kam auch Biologe Dr. Thomas Gladis zu einem Vortrag für die Erwachsenen in die Station“, erinnerte sich Birgit Fleischer. „Er ging auf den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt und seine Aktivitäten ein. So wurde ich neugierig.“ Im Februar 2012 in Bautzen entstand die Regionalgruppe Lausitz / Ostsachsen des VEN. Aktuell gehören ihr heute vier feste Mitglieder an. Intensiven Austausch pflegen fünf bis acht Personen. Der Verteiler der Regionalgruppe umfasst inzwischen 55 Adressen.

Vielfältig setzt der Verein auf Bildungsarbeit. Er organisiert Seminare und veröffentlicht Schriften. Der Verein nimmt teil an Saatgut-Tauschbörsen und an Pflanzen-Tauschbörsen. Er stellt sich vor beim Markt der Möglichkeiten in Hoyerswerda, beim Naturmarkt des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft in Wartha und beim Erntedankfest im Mehrgenerationenhaus in Bautzen. „So versuchen wir, unsere Gartenschätze zu zeigen. Wir wollen uns auf regionale Sorten fokussieren“, verdeutlichte Birgit Fleischer. Außer für die Vielfalt in Gärten setzt sich der Verein auch für die Vielfalt auf Feldern ein. Ackerwild-Kräuter wie zum Beispiel der selten gewordene Lämmersalat, der Acker-Hohlzahn und der Acker-Zahntrost stehen in Sachsen auf der Roten Liste Kategorie 2 gefährdeter Arten. Andere Arten wie Acker-Krummhals und Mäuseschwänzchen stehen auf der Vorwarnliste. Der Verein VEN kämpft um den Erhalt dieser seltenen Pflanzen. Gehören sie doch zum Kulturgut der Menschheit. „Diese Vielfalt ist allgemeines Kulturgut. Sie darf nicht verloren gehen“, meinte Besucherin Denise Köckritz aus Hoyerswerda. Schon mehrfach war sie bei Saatgut-Tauschbörsen wie in Bautzen und in Kreba-Neudorf. Der Vortrag in Lohsa gab ihr neue Anregungen. Vor allem die Samen-Gewinnung aus Pflanzen interessiert sie noch tiefer. „Der Vortrag hat uns gezeigt: Wir müssen mit den alten, historischen Gewächsen sorgfältig umgehen – damit sie uns erhalten bleiben, damit sie der Gesundheit dienen“, meinte Besucher Horst Zenzius, der mit seiner Frau Marlene extra aus Senftenberg gekommen war. Zu Hause hegen und pflegen sie einen großen Garten. Rund 300 Quadrat-meter umfasst er und liegt inmitten der Gartengemeinschaft „Am Feldrain“. Kartoffeln, Möhren, Bohnen, Erbsen, Tomaten, Gurken, Radieschen, Kohlrabi, Rettich und vieles mehr wächst und gedeiht dort. Vielfalt ist den beiden Gartenfreunden wichtig. „Das im Supermarkt gekaufte Obst und Gemüse hat oft nicht mehr den Gehalt an Vitaminen und Zusatzstoffen wie die Pflanzen in unserem Garten“, meinte Horst Zenzius. Er will die eigene Ernte nicht missen.

Aufruf

Birgit Fleischer regte zur Vernetzung und zum fachlichen Austausch an. Erwachsene könnten Interessengruppen bilden. „Meine Hoffnung ist, dass sich eines Tages eine Erwachsenen-Gruppe findet, die tatkräftig die Bewirtschaftung des Ackers in der Naturschutzstation Friedersdorf unterstützt“, regte sie an. Kontakt- und Ansprechpartner dafür ist Ines Maletzky in Lohsa unter der Rufnummer 03 57 24/5 54 26. Weitere Informationen zum Verein stehen unter www.nutzpflanzenvielfalt.de.

 

Andreas Kirschke


Essbare Blüten - ein Vortrag mit Selbstfertigung und Probieren 

  Um „Essbare Blüten“ ging es am Freitag, dem 19. August, im Zejler-Smoler-Haus Lohsa. Ursula Altmann, die hier bereits mit zwei Vorträgen erfreute, schilderte vielfältige Beispiele. Dann durften die Teilnehmer selbst fertigen und probieren: Rosenhonig, Ringelblumenbutter und Blütenbrot. Zuvor durften sie den von Ursula Altmann gebackenen Ringelblumen-Kuchen kosten.

Sonnenblume

  Blüten 2 Zart zitronig duften die Rosenblätter. Ursula Altmann reicht die Schale damit geduldig herum. Zwei Hand voll Rosenblätter gelangen in den flüssigen Blütenhonig. Einen Deckel drauflegen. Das Honigglas nicht verschließen. Atmen lassen. Drei Wochen in der Sonne stehen lassen. Beim späteren Verkosten der Baguette-Scheibchen mit Rosenhonig freuen sich viele Gaumen. 28 Frauen, drei Männer und drei Kinder sind zum Vortrag auf Einladung des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. gekommen.

Auf frische Brotscheiben tragen die Frauen phantasievoll Griebenschmalz, Quark, Apfel- und Zwiebelwürfel sowie Blüten von Malven, Taglilien, Gänseblümchen, Kresse, Ringelblumen, Dahlien und Sonnenblumen auf.

 

Blüten 3

Blüten 4     Blüten 5

Blüten 1

Erstaunlich ist die Vielfalt essbarer Blüten. Die Ringelblumen-Blüte zum Beispiel lässt sich verwenden für Kartoffelsalat, für Honig und für Butter. Die Löwenzahn-Blüte eignet sich für Honig, Gelee, Sirup und Brotaufstrich. Die Giersch-Blüte kann man zum Aromatisieren von Essig nutzen. Grundsätzlich kann man von allen Kräutern auch die Blüten essen Oft schmecken Blüte, Stengel, Blätter und Wurzel grundverschieden. Und doch hat alles seinen besonderen Wert – schon durch die unterschiedliche Einlagerung von Mineralien und Nährstoffen in der Pflanze.

Andreas Kirschke


Jahreshauptversammlung

des Fördervereins Zejler-Smoler-Haus Lohsa e.V.

am 30. Juni 2016 war gut besucht. Wer von den Mitgliedern verhindert  war, hatte die Möglichkeit einer Briefwahl genutzt.

Schneider, RBReinhardt Schneider, der Vorsitzende des Vereins, verlas zunächst den Rechenschaftsbericht des Vorstandes für die Jahre 2014 und 2015, benannte die wichtigsten Veranstaltungen dieser Jahre und sprach die Probleme und nötigen Aufgaben der nächsten Zeit an.

 Im Zejler-Smoler-Haus Lohsa sollte künftig wieder eine ständige Arbeitskraft vor Ort sein. Sie sollte die Öffnungszeiten absichern und die Besucher betreuen. „Seitdem die Bürgerarbeit vor anderthalb Jahren ausgelaufen ist, haben wir keine öffentlich geförderte Stelle mehr zur Verfügung“, unterstrich Reinhardt Schneider. Gemeinsam mit dem Jobcenter will der Verein eine Lösung finden. Angestrebt wird jetzt eine Ein-Euro-Stelle. Die langfristigere Variante wäre eine Stelle, gefördert durch die Maßnahme „Soziale Teilhabe“. Auch diese Lösung behält der Verein im Blick.

"Es müssen mehr Vereinsmitglieder aktiv in die Vereinsarbeit einbezogen werden, um von personeller Unterstützung unabhängiger zu werden“, sagte der Vorsitzende. Als weiteres dringendes Problem nannte er die Mitglieder-Werbung. Derzeit gehören 43 Mitglieder zum Verein. Er sucht und braucht dringend junge engagierte Mitstreiter. Vor allem handwerklich begabte Männer sind willkommen. ebenso geschichts,- heimat- und kulturinteressierte Mitstreiter. Gerade bei der Mitglieder-Werbung, so Reinhardt Schneider, kann jeder Einzelne im Verein aktiv sein. 

Verbessern will der Verein die Zusammenarbeit mit den Schulen. Je nach Thema bot er den Einrichtungen Projekte an. Sie wurden unterschiedlich angenommen. Die Zusammenarbeit mit den Grundschulen ist eng, mit der Oberschule Lohsa leider nicht so erfolgreich. Mag sein, es liegt daran, dass hier kaum noch Lehrer direkt aus Lohsa kommen und so der Heimatbezug nicht so stark ausgeprägt ist. In jedem Fall sucht der Verein weiter die Zusammenarbeit mit der Oberschule. Gleiches gilt für die Gemeinde Lohsa und den Krabat Dorfclub & Heimatverein Groß Särchen. „Warum sollte eine in Groß Särchen erfolgreich gelaufene Ausstellung nicht anschließend in Lohsa gezeigt werden? Damit würden wir alle zusammen Kräfte sparen. Wir könnten uns gegenseitig unterstützen“, meinte Reinhardt Schneider und betonte: „Wir sollten gemeinsam wieder stärker werden.“

Intensiver werden soll die Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Mitglied Heinz-Dieter Tempel regte an, dass der Verein im Gemeinderat sich und seine Inhalte vorstellt. Immerhin ist Lohsa offiziell sprachenfreundliche Kommune. Zur Zweisprachigkeit bekennt sich die Gemeinde. Vorstellbar ist auch, den Gemeinderat ins Zejler-Smoler-Haus einzuladen, ihm die Vielfalt an Ausstellungen zu zeigen, ebenso draußen den fünfsprachigen Lehrpfad „Handrij Zejlers Lebensstationen. Mitglied Werner Sroka regte an, ähnlich wie in Hoyerswerda auch im kommunalen Haushalt in Lohsa ein Budget für sorbische Angelegenheiten einzurichten.

Es ging auch um künftige Schwerpunkte der Vereinsarbeit. Verbessern und inhaltlich vertiefen will der Verein im Haus die Ständigen Ausstellungen. So bemüht er sich um die Beschaffung einer Kopie der ersten ursprünglichen Büste des Handrij-Zejler-Denkmals am Markt. Dringend anregen will er die Renovierung der Fassade des Zejler-Smoler-Hauses zur Kirchstraße hin. Korrosion und Straßenwasser zogen sie zuletzt stark in Mitleidenschaft. Auch das Blockbauteil im Außenbereich muss dringend repariert werden Die Tischvitrinen in der Dauerausstellung zum Leben und Wirken Handrij Zejlers und Jan Arnošt Smolers will der Verein künftig räumlich effektiver nutzen. Die alten Standvitrinen im Raum der Sonderausstellungen müssen durch neue Vitrinen ersetzt oder modernisiert werden.

Schneider, Statnik

Für 2017 orientiert sich der Verein vor allem auf zwei Höhepunkte. Zum 20. Todestag des sorbischen Komponisten Jan Paul Nagel (1934-1997) aus Litschen soll es am 21. Mai 2017 eine Feierstunde in der Evangelischen Kirche Lohsa und am Grab des Komponisten  geben. Für die Vorbereitungen engagiert sich derzeit Liana Bertók in enger Zusammenarbeit mit dem Lohsaer Verein und der Evangelischen Kirche Lohsa. Anlässlich des 20. Todestages des Komponisten soll auch eine CD erscheinen. Ehren will der Verein 2017 auch die sorbische Volksdichterin Hańža Budarjowa/ Budarka (1869-1937) aus Mortka. Am 1. Dezember 2017 liegt ihr Todestag 80 Jahre zurück.

   Der Vereinsvorsitzende des Vereins im Gespräch mit dem Vorsitzenden der Domowina

 Vorstand ZSH 16

Der Vorstand des Vereins wurde wiedergewählt. Zu ihm gehören Reinhardt Schneider (Vorsitzender), Gabriele Knothe (stellvertretende Vorsitzende), Grit Pelzer (Kassenwartin), Elke Nagel (Konzerte, Internetseite betreuen), Edith Krauß (Kinder- und Jugendarbeit), Veronika Sauer (Sonderausstellungen) und Andreas Kirschke (Pressearbeit). „Besonderer Dank gilt Gabriele Trentzsch und Beate Mahler für ihren Einsatz bei der Pflege der Denkmäler, der Aktualisierung der Vereinschronik und der Besucherbetreuung“, unterstrich Reinhardt Schneider.

„Der Verein bedankt sich bei der Gemeinde Lohsa dafür, dass er die Räume im Obergeschoss kostenlos nutzen darf. Im Gegenzug sorgt der Verein für eine lebendige Kulturarbeit im Zejler-Smoler-Haus mit Ausstrahlungskraft  über den Ort Lohsa hinaus.“

Andreas Kirschke


 

Sorbischlernende aus aller Welt

besuchten Lohsa

 Pfarrer und Dichter Handrij Zejler (1804-1872) wäre sicher erfreut gewesen:

Sein sorbisches Volkslied „Hanka, budź wjesoła“ (Hanka, sei frohgemut) erklang am Sonntag  (10.06.16) erstmals mit Orgelbegleitung (durch Charlott Hörenz) in der Lohsaer Kirche. Und das zu einem besonderen Anlass: 17 Teilnehmer des zweiwöchigen Internationalen Ferienkurses „Obersorbisch“ – organisiert vom Sorbischen Institut Bautzen – sangen es zusammen mit Mitgliedern des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V..

Lohsa war letzte Station ihrer Exkursion am Sonntag.

Zuvor war es in Malschwitz um Handrij Zejlers Volkslied „Lubka lilija“ (Liebste Lilie) gegangen, dessen Geschichte Franz Schön, langjähriger Mitarbeiter des Sorbischen Instituts, erläuterte. In Schleife besichtigten siw das Sorbische Kulturzentrum. In Rohne gewannen sie Einblicke in den Njepila-Hof.

Sorabistiker 3

Nun lernten sie bei uns in Lohsa das Zejler-Smoler-Haus, die Kirche sowie das Handrij-Zejler-Denkmal und das Handrij-Zejler-Grab kennen. Mit Brot und Salz hieß sie der Förderverein herzlich willkommen.

 

 

 

 

 

 

 

Andreas Miersch (mit Waldhorn) sowie Monika Aust und Rosemarie Kloß (in Lohsaer sorbischer Tracht) erfreuten die Besucher mit sorbischen Volksliedern.

Sorabistiker 1

Vor allem die Begegnungen bereichern die Kursteilnehmer. Hier treffen sie immer wieder sorbische Muttersprachler. „Wir versuchen, im Kurs selbst viel miteinander sorbisch zu reden“, meinte  Magdalena Vigent. Die 44jährige gebürtige Pragerin spricht außer ihrer Muttersprache Tschechisch noch Deutsch, Russisch, Portugiesisch, Französisch und Englisch. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Paris. Dort lehrt sie an der Inalco-Universität Tschechisch für Ausländer. Sorbisch empfindet sie als tiefe innere persönliche Bereicherung. Sorbisch lernt sie durch ihre Liebe zu Sprachen. Bereits in den 1970er Jahren besuchte sie mit den Eltern den Spreewald. Im jetzigen Ferienkurs erfreut sie vor allem das Singen. Zudem begeistern sie die Begegnungen. „Ich will auch erfahren, wie die Sprache bewahrt wird“, bekräftigte sie.

Sorabistiker 2

Sorabistiker 4

 

Diese Frage bewegt genauso Charles Wukasch (75) aus Austin in Texas (USA). Dort lehrte er früher als Professor an der University of Texas Slawistische Linguistik. „Meine Hauptfächer waren slawische Sprachen wie Russisch, Tschechisch, Serbokroatisch und Kirchenslawisch“, schilderte er. Seine Urgroßeltern väterlicherseits gehörten 1854 mit Pfarrer Jan Kilian (1811-1884) zu den sorbischen Auswanderern aus der Lausitz ins texanische Serbin. Mit ihrer Geschichte und ihren Nachfahren fühlt sich Charles Wukasch tief verbunden. 1965 besuchte er seinen ersten Sorbisch-Kurs an der Universität Leipzig. Seitdem lernt er die Sprache weiter. „Ich bin sorbischer Patriot. Bedingt durch meine Vorfahren“, meinte er Sonntag in Lohsa. „Minderheitensprachen interessieren mich seit langem. Ich will, dass sie lebendig erhalten bleiben.“ Jede erworbene Sprache, so betonte er, bereichert uns Menschen. Jede Sprache bereichert das Mensch-SEIN.

 

 

 

Andreas Kirschke

 


 Neschwitz Schloss

 

 

 

Heimatmuseum, Park und Schloss in Neschwitz waren Ziel unserer diesjährigen Vereinsfahrt am 11. Juni nach Neschwitz.

 

 

 

 

 

  Arndt Lehmann vom Verein der Kultur- und Heimatfreunde Neschwitz e. V. führte uns dort durch das Heimatmuseum sowie durch den Park und das Schloss.

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Neschwitz Museum2

Seit zwölf Jahren besteht das Heimatmuseum im früheren Dorfkonsum. „Im Sommer 2004 bekamen wir die Räume von der Gemeinde übereignet. Wir haben sie dann entkernt, gestaltet und vorgerichtet. Bereits Ende November 2004 zum Neschwitzer Weihnachtsmarkt konnten wir eröffnen“, schilderte Arndt Lehmann. Heute findet hier der Besucher einen umfassenden Überblick zur Neschwitzer Geschichte vor. Ein Zeitstrahl zeugt von den verschiedenen Epochen. Zu sehen ist auch eine Neschwitzer sorbische Konfirmandentracht von 1930 und eine sorbische evangelische Kirchgangstracht um 1870. Dank privater Leihgaben und dank einiger Leihgaben des Städtischen Museums Bautzen ist auch eine Sammlung mit Funden aus der Eiszeit und aus der Jungbronzezeit zu sehen. Im Heimatmuseum ist die Geschichte zum historischen Handwerk und Gewerbe in Neschwitz ausgestellt, ebenso die Geschichte des bäuerlichen Lebens. Zu sehen ist zudem das Modell eines vorgeschichtlichen Pfahlhauses mit teilweise über 4.000 Jahre alten Ausgrabungs-Fundstücken aus unserer Region. Versteinertes Holz aus Wetro, Kieselschiefer aus Luppedubrau, Achat vom Hahnenberg, Achat aus Neudorf, Amethyst aus Caßlau und Buntquarz vom Hahnenberg gehören zur Sammlung von Gesteinen, die einst mit der Urelbe in das Neschwitzer Gebiet gelangten. Immer wieder kommen Besuchergruppen ins Heimatmuseum Neschwitz. Derzeit läuft hier die 33. Sonderausstellung.

Neschwitz im Park

Der Neschwitzer Park ist 5,5 Hektar groß. Er umfasst den Landschaftspark (im englischen Stil, mit Einpassung der Wege in die Landschaft angelegt) und den Barocken Park mit Schloss (als älteren, ursprünglichen Teil, symmetrisch angelegt). Die Torhäuser stehen im älteren Parkteil. „In Neschwitz ist es gelungen, die beiden Parkeinheiten miteinander zu verschmelzen“, verdeutlichte Arndt Lehmann. Im Herrenpavillon entstand 1930 auf Initiative des damaligen Schlossherrn und Gutsbesitzers Dr. Arnold Freiherr von Vietinghoff-Riesch die Vogelschutzwarte Neschwitz. Bis zu 70 verschiedene Vogelarten sichteten Ornithologen im Raum Neschwitz und registrierten sie sorgfältig. Vor 15 Jahren wurde die Vogelschutzwarte – nach kriegsbedingten Unterbrechungen – zum dritten Mal wiedergegründet.

Besonders bewegend war für uns die Besichtigung des 1721-1723 erbauten Schlosses. Darunter befinden sich zwölf Gewölbekeller. Manche Sage kündet noch heute von ihrer Geschichte. Im Schloss selbst – erhalten durch das ehrenamtliche Engagement der Heimat- und Kulturfreunde Neschwitz und durch die Gemeinde Neschwitz – sind immer wieder Ausstellungen zu zeitgenössischer Kunst, Lesungen, Vorträge und Konzerte zu erleben. Jährlich sind hier rund 50 Trauungen. Im Schloss selbst entdeckt der Besucher Spuren wichtiger Neschwitzer Persönlichkeiten. Zu ihnen gehörte Schlossherr Arnold von Vietinghoff-Riesch. Er war Forstwissenschaftler und zudem Begründer der Sächsischen Vogelschutzwarte und engagierter Anwalt des Naturschutzes, auch Wegbereiter einer nachhaltigen Waldwirtschaft.

Neschwitz Adel

Vom 10. April bis zum 19. Juni 2016 war die 140. "Kleine Galerie im Schloss" zu sehen. Ihr Thema hieß „Das ist mein Leben – meine Welt“. Diese Ausstellung zeigte Malereien von Senioren im Landkreis Bautzen. Das Seniorenbüro des Landratsamtes begleitete diese Ausstellung. „Weiterer Galerien sollen noch folgen“, unterstrich Arndt Lehmann. Ihm und dem Verein, der 1961 gegründet wurde und dem heute rund 80 Mitglieder angehören, gilt unser herzlicher Dank.

Andreas Kirschke

 

 


 

Dorffest in Weißkollm am 17. Juni 2016

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Zum diesjährigen Dorffest in Weißkollm beteiligte sich der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus mit einem Stand. Hier informierte er über seine Inhalte und Vorhaben. Der Stand war eine der 13 Stationen, in denen Einheimische gezielt ihre Hobbys und Sammlungen vorstellten.

Schon vor längerem hatte Werner Thomas das angeregt.

 

 

Weißkomm 4

Hobbymalerin Anke Konz aus Dreiweibern zeigte stolz ihre Bilder wie „Bambus“, farbenfrohe Landschaften, Blumen, Tiere und Porträts. Einheimische stellen sich und ihre Hobbys vor. „Die jetzige Idee entstand aus einer Bierlaune unserer Vereinsfrauen heraus. Wir wollten Hobbys und Sammlerleidenschaften zeigen. Bei der Planung des Dorffestes griffen wir die Idee auf“, sagt Andreas Thomas, stellvertretender Vorsitzender des Vereins „Fünf Jahreszeiten Weißkollm e. V.“ Dieser besteht seit 2013. Heute gehören ihm 56 Mitglieder an. Mit immensem Aufwand organisiert der Verein das Sommerfest. Der Dorfrundgang soll Einwohner herauslocken. Das Wir-Gefühl soll er stärken. Intensive Gespräche soll er anregen. So lernen Einheimische und Auswärtige Weißkollm von neuem kennen.

Weißkollm 2

 

Siegfried Bläsche (li.) war 39 Jahre Fachlehrer für Elektrotechnik in der Berufsschule – zuerst in Knappenrode, später in Boxberg. Heute sammelt er mit Begeisterung Lampen, Schaltkreise und andere Exponate. Sonnabend beim Dorfrundgang kam er mit Besucher Helmut Dutschke (re.) aus Hoyerswerda, der seit vielen Jahren seinen Garten in Weißkollm hat, ins Gespräch.

 

 

 

 

Alpaka

Angela Pötschick (im Hintergrund) züchtet seit 2007 in Weißkollm Alpakas. Dieses wunderbare Hobby zeigte sie  beim Dorfrundgang den Besuchern. Dazu gehörten auch Helmut und Renate Dutschke aus Hoyerswerda mit Tochter Gabriela.

Ein schönes, interessantes Dorffest, und hoffentlich nicht das letzte!

 

 

 

Fotos: Kirschke


Regierungsbesuch in Lohsa am 30. Mai 2016

Dr. Eva-Maria Stange (SPD), Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, besuchte am 30. Mai das Zejler-Smoler-Haus und die Lohsaer Kirche.

Begleitet wurde sie von Kultursekretär Joachim Mühle (Kreis Görlitz) und Landrat Michael Harig (Kreis Bautzen).

 Brot und Salz

Monika Aust in Lohsaer Tracht von der Folkloregruppe Lohsa begrüßte die Ministerin herzlich mit Brot und Salz.

Reinhardt Schneider erläuterte die Vielfalt der Vereinsarbeit. Sie reicht vom Sorbischen Abend über Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und Konzerte bis hin zur jährlichen Vereins-Ausfahrt. Auch mit der Evangelischen Kirchengemeinde arbeitet der Verein immer wieder gut zusammen. So fanden in der Kirche bereits Konzerte zu Ehren des Vereinsgründers und Komponisten Jan Paul Nagel (1934-1997) statt. Ebenso war hier 2011 die Festveranstaltung „20 Jahre Stiftung für das sorbische Volk“. Am 18. März 2016 fand die Festveranstaltung zu Ehren des sorbischen Verlegers, Philologen, Schriftstellers und Publizisten Jan Arnošt Smoler (1816-1884) statt. Unter dem Thema „Als wir einst in Lohsa waren“ erklangen Lieder aus Smolers Volkslieder-Sammlung – bearbeitet von Komponisten. Zu hören waren acht Uraufführungen. Eingeladen hatte das Sorbische Nationalensemble mit der Evangelischen Kirchengemeinde Lohsa und dem Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V..  

Ausstellun 1 in Wäscheausst.

       Die Ministerin  besichtigte auch die aktuelle Sonderausstellung „Waschbrett, Zuber & Seife … ein Waschtag wie zu Großmutters Zeiten“ und die Ständigen Ausstellungen „Lohsaer Persönlichkeiten“, „Leben und Wirken Handrij Zejlers und Jan Arnošt Smolers“ sowie „Lohsaer Heimatgeschichte“. Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., erläuterte Einzelheiten der Ausstellungen.

 in Kirche

Danach besuchten die Ministerin und ihre Begleitung die Lohsaer Evangelische Kirche. Günter Wenk vom Gemeindekirchenrat, selbst auch Mitglied des Fördervereins "Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e.V.",  erläuterte Geschichte und Besonderheiten dieser Kirche.

 Ministerin Eva-Maria Stange ermutigte den Verein, bei künftigen Projekten durchaus auch Fördermittel beim Kulturraum zu beantragen. Aktuell stehen 17,87 Millionen Euro dieses Jahr im Kulturraum zur Verfügung. Davon kommen 10,87 Millionen Euro vom Land und sieben Millionen Euro umlagefinanziert von den Kreisen und Kommunen. Nur Sachsen, so verdeutlichte die Ministerin, hat ein Kulturraum-Gesetz. Seit 2008 gilt es unbefristet. „Dank ihm können wir nicht nur große, sondern auch kleine Einrichtungen je nach Projekt gezielt unterstützen“, betonte sie. Insgesamt, so Eva-Maria Stange, ist dem Freistaat Kultur sehr wichtig. 2014 standen für Kultur im Freistaat 86,7 Millionen Euro bereit. Jetzt im Doppelhaushalt 2015 / 2016 sind es insgesamt 91,7 Millionen Euro. „Wir planen für den Haushalt 2017 / 2018 eine weitere Anhebung auf 94,7 Millionen Euro“, so die Ministerin. „Damit reagieren wir darauf, dass auch in Kultureinrichtungen Betriebskosten und Personalausgaben steigen.“ 

Andreas Kirschke


 Sorbenbeauftragte am 11. Mai zu Gast in Lohsa

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 „Man wertschätzt nur, was man als Wert erkennt. Und man erkennt den Wert nur, wenn man ihn nutzt und nicht BEnutzt“, unterstrich Regina Krawcowa, Sorbenbeauftragte des Landkreises Bautzen, am Mittwoch in Lohsa. Mit Sorbenbeauftragten aus Kommunen informierte sie sich über Ursprünge, Entwicklung und aktuelle Inhalte des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., der zur Beratung eingeladen hatte.Schwerpunkt war zudem die zweisprachige Beschriftung an Gemeinde-, Kreis-, Staats- und Bundesstraßen sowie an öffentlichen Gebäuden. Hier gibt es noch viel Handlungsbedarf.

 in Wäscheausst.

Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., führte die Gäste durchs Haus. Dabei zeigte er auch das umfangreiche Archiv des Vereins. Zu den Teilnehmern der Beratung gehörten Achim Hoyer (Sorbenbeauftragter Kamenz), Werner Sroka (Sorbenbeirat Hoyerswerda) und Regina Krawcowa (Sorbenbeauftragte des Landkreises Bautzen).

 

 

  Andreas Kirschke


  "Waschbrett, Zuber und Seife ..."

Eröffnung der Sonderausstellung

Ein Waschtag wie zu Großmutters Zeiten

 Freitag, 06. Mai 2016 um 17 Uhr im Zejler-Smoler-Haus Lohsa

 Wischtücher flattern an der Leine am Zejler-Smoler-Haus. Die Buchstaben darauf ergeben zusammengesetzt das Wort „Waschtag“.

 Waschtag außen

„Wir wollen zeigen, wie mühsam früher die Hausarbeit war. Wir wollen an die Arbeitsgänge der Hausfrauen erinnern. Wir wollen den manuellen Aufwand so eines Waschtages verdeutlichen“, unterstreicht Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., mit Blick auf die neue Sonderausstellung zum Thema „Waschbrett, Zuber & Seife … ein Waschtag wie zu Großmutters Zeiten“.

 Geräte 2 Geräte 3

 Waschmittel

  Im Treppenhaus zum Ausstellungsraum liest der Besucher „Ata“, „Imi“ und andere Reinigungsmittel aus früheren Zeiten. Hier sind auch Wäschestampfer und weitere Haushaltsgeräte zu sehen. Im Ausstellungsraum versetzt sich der Besucher in Großmutters Alltag zurück.

Klammerschürzen, verschiedenste Unterhosen, Nachthemden, Küchentücher, Tischdecken, Zierdecken und vieles mehr zeigt hier die Ausstellung. Insgesamt 18 Leihgeber aus Lohsa, Weißkollm, Knappenrode, Hoyerswerda und Riegel stellten ihre Erinnerungsstücke bereit. „Die Fülle der Leihgaben ist sehr erfreulich. So hatten wir viele Exponate zum Gestalten der Ausstellung“, sagt Mitorganisatorin Veronika Sauer. Zusammen mit Angelika Hammerschmidt aus Riegel sowie Edith Krauß und Gabriele Knothe aus Lohsa baute sie die Ausstellung auf.

 

Sehr authentisch wird die Ausstellung durch historische Gerätschaften von Angelika Hammerschmidt. Von ihr kamen unter anderem ein alter Waschkessel sowie diverse Wannen und Waschbretter. „Der Waschkessel war früher das Herzstück einer Waschküche“, erläutert Veronika Sauer. „Ursprünglich war er eingemauert in Backstein und beheizbar.“ Sehr authentisch wird die Ausstellung auch durch Angelika Hammerschmidts Wäschemangel. Verdeutlichen soll die Ausstellung die verschiedenen Arbeitsgänge. Sie reichten vom Waschen über das Trocknen, Mangeln und Bügeln bis hin zum Ausbessern der Wäsche.

Die Vorbereiter

„Außer den vielen Utensilien für den Waschvorgang erhielten wir auch viele Wäschestücke im Original. Das war nicht nur Bettwäsche, sondern auch Leibwäsche“, sagte Veronika Sauer. „In diesem Zusammenhang freuen wir uns besonders über die Leihgaben von Erna Marvan aus Lohsa. Sie gab uns für die Ausstellung Unterhosen, Unterhemden, Unterröcke und diverse Tischwäsche – aus weißer Baumwolle mit feiner Hohlsaumstickerei und mit Monogramm (Namenskürzel) verziert.“

 

In den drei Vitrinen können die Besucher historische Wäschestücke bestaunen. Es sind vor allem liebevoll mit Hand bestickte Servietten und Mustertücher. „Die Frauen legten früher viel Wert darauf in ihrem Haushalt. Sie verwendeten viel Zeit mit der Pflege und mit der Verzierung der Wäsche“, sagt Veronika Sauer. Oft hielt dann die Wäsche das ganze Leben lang. Und darüber hinaus. Die Familie gab sie an die nächste Generation weiter.

 Die Ausstellung ist bis Mitte September zu sehen. Sie ist auch für Schulklassen geeignet. Geöffnet ist sie, montags und donnerstags 10-12 Uhr und 13-17 Uhr oder gern nach Vereinbarung unter der Rufnummer 03 57 24/5 02 56.

 Andreas Kirschke

 Fotos: Kirschke


 

DSCN9345Ein Zwischenruf

„Das war purer Vandalismus“

 Mitten im Wald fanden Spaziergänger die Gedenktafel für den abgebaggerten Ort Neida. „Das war Anfang Februar, unweit der alten Betriebsstraße Knappenrode-Lohsa“, schildert ein 75jähriger historisch interessierter Lohsaer. Die Tafel war an den Ecken verbogen. Sie war mit Striemen beschädigt. „Der Druckstelle im Waldboden nach zu urteilen, lag sie wohl schon viele Monate dort. Das war purer Vandalismus“, meint der Rentner. Er brachte die Tafel zum Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V.. Der Verein und die Gemeinde Lohsa erstatteten Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt.

„Das war eindeutig Zerstörungswut. Es ist erschütternd, wenn Gedenksteine und Gedenktafeln beschädigt werden“, sagt Jens Kieschnick, Bearbeiter Bergbau der Gemeinde Lohsa. „Gerade an den Gedenksteinen hängen viele Erinnerungen heimatverbundener Einwohner.“ Der Gedenkstein für das 1430-1952 bestehende Dorf Neida wurde am 15. Juni 2002 eingeweiht. Er liegt im gesperrten Bereich der Innenkippe Lohsa des früheren Tagebaus II des Braunkohlenwerks BKW Glückauf Knappenrode. Initiator war damals die Domowina. Sie wollte für die früheren Neidaer einen Ort des Gedenkens und Zusammenseins schaffen. Mit dem Gedenktag für die abgebaggerten sorbischen Dörfer erinnerte sie 2002 an Neida. „Solche Zerstörungen wie hier sind leider kein Einzelfall“, sagt Werner Srocka, Referent der Domowina und Verantwortlicher für die Gedenktage für abgebaggerte sorbische Dörfer. „Uns sind in den vergangenen Jahren solche Fälle an den Gedenkstätten für Buchwalde (Bukojna) und Scheibe (Šiboj) gemeldet worden. Da nunmehr Neida / Nydej auch auf dem Territorium der Gemeinde Lohsa hinzu kommt, scheint es fast so, als wenn hier ein Serientäter aus dem Gemeindegebiet am Werk ist. Zumal ist ja die Gedenkstätte für Neida / Nydej für Außenstehende schwer zu finden, sie liegt sogar im derzeitigen Sperrgebiet der LMBV.“

Ähnlich wie im Fall Buchwalde und im Fall Scheibe sucht die Domowina jetzt gemeinsam mit der Gemeinde nach Lösungen. Die Gedenktafel für Neida soll wieder hergerichtet und angebracht werden. „Eine neue, versenkbare Steinplatte wäre sicher eine gute Alternative, ist aber kostenintensiv“, meint Werner Srocka und unterstreicht: „Solche Gedenkstätten werden grundsätzlich nicht versichert. Außerdem übergab die Domowina alle Erinnerungsstätten in die Obhut der Gemeinde Lohsa.“ Vorstellbar ist, nach Wiederfreigabe der gesperrten Fläche die Gedenktafel am Gedenkstein für Neida wieder einzuweihen. Hierin ist sich Werner Srocka mit dem Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. einig. Vorstellbar wäre ein zweiter Gedenktag. Dann könnte man sogar die Stätte mit geeigneten Maßnahmen aufwerten und zum Beispiel eine Informationstafel zur Geschichte des Ortes, wie sie für alle Gedenkstätten üblich ist, hinzu setzen. Derzeit gibt es keine regelmäßigen Befahrungen zu den Gedenksteinen für die abgebaggerten sorbischen Orte. Lausitzweit wäre dies sehr zeitaufwendig. So sind die Hinweise der Anwohner von besonderer Bedeutung. Hinweise auch darauf: Wer sind diese "Vandalen"? War das wirklich nur "Zerstörungswut"?

Andreas Kirschke


 

Fleißige Hände

regten sich am 19. April beim Frühjahrsputz im und am Zejler-Smoler-Haus in Lohsa. Mitglieder des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. reinigten die Stühle im Vereinszimmer, räumten die Garage auf und säuberten die Grabstelle Handrij Zejlers.

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Allen Teilnehmern herzlichen Dank!


 

 Smoler Eingang

»Als wir einst in Lohsa waren«

Sonderkonzert anlässlich des 200. Geburtstages

von Jan Arnošt Smoler

am Freitag, dem 18. 3. 2016, 19.00 Uhr

Evangelische Kirche, Lohsa

 

 

Am 18. März 2016 musizierte das Sorbische Nationalensemble mit Chor, Orchester und Solisten in der Lohsaer Evangelischen Kirche. Mit dem Konzert „Als wir einst in Lohsa waren“ würdigte das Ensemble Jan Arnošt Smoler und die die Sammlung „Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz“, herausgegeben 1841 / 1843 von Smoler und Leopold Haupt.

Chor

 Der Verleger, Philologe, Schriftsteller und Publizist Jan Arnošt Smoler (1816-1884), an dessen 200. Geburtstag in diesem Jahr mit verschiedenen Veranstaltungen gedacht wird, hat uns ein reiches Erbe hinterlassen. Sein 1841 / 1843 mit Leopold Haupt herausgegebenes Buch „Volkslieder der Wenden in der Ober- und Niederlausitz“ war und ist bis heute Quelle und Inspiration für sorbische Komponisten. Dies zeigte das Festkonzert unter Leitung von Dirigent Gabriele Donà. Über 200 Besucher von nah und fern hörten es in der Lohsaer Evangelischen Kirche. Zu hören waren auch acht Uraufführungen. Eingeladen hatte das Ensemble gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Lohsa und dem Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V.. Durch das Programm führte Moderator Jurij Šiman. Er erinnerte an Smolers Leben und Wirken. Dieser schrieb mit 25 Jahren 1841: „Wer seine Nationalität in Ehren hält, hierbei aber den Fremden nicht missachtet, der ist sich selbst zur größten Ehre. Ein rechter Wende und ein richtiger Deutscher sind ihrer Nationalität nach beide in gleichem Maße ehrenwert.“ Smoler war Aufrüttler und Organisator. Schon in jungen Jahren verfügte er über ein beachtliches Netzwerk von Freunden, Weggefährten und Studienkollegen. Allein zwischen 1839 und 1842 wies seine Korrespondenz 229 Briefe auf. Darunter waren auch viele namhafte Persönlichkeiten wie Jacob Grimm, Ludovit Štur und Vaclav Hanka. „Smoler war der erste beharrliche, bewusste Slawe unter den Sorben, er arbeitete für sein Volk unermüdlich und edelmütig“, zitierte Jurij Šiman aus dem Jahr 1884 den sorbischen Pfarrer, Kulturhistoriker, Übersetzer, Redakteur und Dichter Michał Hórnik (1833-1894); „in der Geschichte der Sorben bleibt Smolers Name berühmt, und anderen Slawen wird er Veranlassung sein, die Lausitz nicht zu vergessen.“

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Andreas Kirschke

 

 


Ein unermesslicher Fundus für die Nachwelt

Smoler Denkmal Fast fünfzig Besucher aus nah und fern waren am 12. Februar nach Lohsa ins Zejler-Smoler-Haus gekommen, wo Frau Susanne Hose, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Sorbischen Instituts Bautzen, einen hochinteressanten, tiefgründigen Vortrag hielt:

 „… zu heben und zu bergen den kostbaren Schatz. Jan Arnošt Smoler (1816-1884) und die Volkslieder“.

 Das Buch „Volkslieder der Sorben in der Ober- und Niederlausitz“ – herausgegeben 1841 / 1843 von Leopold Haupt (40) und Jan Arnošt Smoler (22) – ist ein unermesslicher Schatz für die Nachwelt. Allein aus dem Ort Lohsa stammen 40 Lieder, aus Lohsa und Umland insgesamt 70. Das ist ein Viertel der Lieder in der obersorbischen Sammlung, im ersten Teil der Sammlung.

Smoler-Denkmal in Bautzen

Der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. hatte zu diesem Sorbischen Abend eingeladen. Damit eröffnete er das Smoler-Festjahr der Domowina und sorbischer Institutionen zu Ehren des 200. Geburtstages des Wissenschaftlers und Verlegers Jan Arnošt Smoler.

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„In Lohsa hatte Smoler sein Netzwerk. In Lohsa lebte seine Familie“, erläuterte Susanne Hose. Deshalb sammelte er gerade in dieser Gegend viele Volkslieder. Erstaunlich war die Vielfalt an Liedern aus Lohsa. Von Hana Hobkec, der Magd des Pfarrers und Dichters Handrij Zejler, vermerkt ist das Lied „Zaso namakana sotra“ (Die wiedergefundene Schwester). Darin erzählen 30 kurze zwei- oder dreizeilige Strophen von Mägdelein Margretlein. Fuhrleute lockten sie fort und entführten sie. In Niedergurig „verkauften“ sie das Mädchen für Bier und Wein. Es blieb bei der dortigen Wirtin und diente fortan. Später wollte ein Reiter mit Margretlein die Nacht verbringen. Doch Erstaunliches trat zutage. Der Reiter und das Mägdelein waren Geschwister. Der Reiter führte seine Schwester wieder nach Hause zur Mutter…

DSCN8873 "Dieses Lied kennen wir aus dem Buch ´Des Knaben Wunderhorn´, 1806-1808, 2. Band. Es ist die Geschichte ´Der Star und das Badewännlein´ - aufgeschrieben in der Spinnstube eines hessischen Dorfes", erläuterte Susanne Hose. „Es ist ein und dieselbe Geschichte, jeweils versehen mit Lokalkolorit. Wir finden solche Beispiele immer wieder. Das zeigt uns, dass das Liedgut in ganz Europa verbreitet war.“

Insgesamt, so die Wissenschaftlerin, enthielt das Volksliederbuch Jan Arnošt Smolers und Leopold Haupts 531 Volkslieder, ihre deutsche Übersetzung und wichtige demografische und volkskundliche Fakten. 331 Lieder enthält die obersorbische, 200 die niedersorbische Sammlung. Es sind Feldlieder (Pšezpólna), Gesetzchen (Rónčka), Tanzlieder (Reje), Rundgesänge (Wužeńenja), Hochzeitslieder (Kwasne spjewy), Bittlieder (Stonanje), Legenden (Podkhyrluški) sowie Anhang (Pšidawk) und Fragmente. Jan Arnošt Smoler dürfte bei der Erstellung des Liederbuches von Handrij Zejlers Wirken und Schaffen wesentlich geprägt worden sein. „Smoler hat Zejler sehr geschätzt. Er sah in ihm ein großes Vorbild“, verdeutlichte Susanne Hose. Jan Arnošt Smoler zeichnete insgesamt 474 ober- und niedersorbische Volkslieder auf. Leopold Haupt steuerte aus dem Bestand der „Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Görlitz“ 57 Lieder bei. Das entstehende Volksliederbuch der beiden Herausgeber war die erste umfassende Sammlung und der größte Erfolg der damaligen volkskundlichen Bemühungen der Sorben.

Andreas Kirschke


 Tänzerin Woyski 

Eröffnung der Sonderausstellung

„Jürgen von Woyski –

ein Künstler unserer Region“

am Mittwoch,dem 27. Januar 2016,um 17.30 Uhr im Zejler-Smoler-Haus Lohsa

 

Jürgen von Woyski:Tänzerin

 

Vom 27.1.2016 bis zum 17.3.2016 zeigt die Jürgen-von-Woyski-Stiftung Arbeiten des Künstlers im Zejler-Smoler-Haus Lohsa. Ziel der Stiftung ist die Pflege, Erhaltung und dauerhafte Repräsentation des künstlerischen Werkes Jürgen von Woyskis.

Ausstellung Publikum

 Die Laudatio hielt in gewohnter humorvoller Weise der Stiftung Medtiionalrat  Friedhelm Vogel. Er sprach über den Menschen, den Maler, Bildhauer und Freund und brachte dem zahlreichen Publikum die ausgestellten Bilder und Keramiken nahe.

 

 

 

Foto: Mandy Decker

Ausstellung Schule

 

 

 

Die Besichtigung der Ausstellungsstücke begann im Zejler-Smoler-Haus und endete in der Schule, in der Jürgen von Woyski 1955 eine Wand mit lustigen bunten Tellern gestatet hatte.

 

 Woyski, HahnWoyski, Schäfer

Woyski, Schiff

Die Jürgen-von-Woyski-Stiftung bietet für alle Interessierten einen Katalog mit einem Großteil seiner Werke an, sowohl der Gemälde als auch der Keramiken und Bilder von den zahlreichen Skulpturen in Hoyerswerda und vielen anderen Orten. Diesen Katalog zu erwerben, ist jeder Besucher aufgerufen, zumal er nur 6,00 € kostet und die Stiftung sich selbst erhalten muss.

Woyski Teller_1  Woyski Osterreiter

Teller Adam und Eva                                              Gemälde: Osterreiter in Chrostwitz                               

Öffnungszeiten:  

Montag und Donnerstag: von 10.00 - 12.00 Uhr und 13.00 - 17.00 Uhr und nach Vereinbarung.

Die Mitglieder der Stiftung und der Förderverein Zejler-Smoler-Haus Lohsa e.V. freuen sich, dass so viele Kunstfreunde zur Eröffnungsveranstaltung gekommen waren.



  Unsere Veranstaltungen 2015


 

Eröffnung der Weihnachtsausstellung

„Wintersport zu Großelterns Zeiten“

 am Sonntag, den 29. November 2015 

um 14.30 Uhr

 bei Kaffee & Stollen  im Zejler-Smoler-Haus in Lohsa  - Am Markt 7 -

Öffnungszeiten:  

Montag und Donnerstag:

von 10.00 - 12.00 Uhr und 13.00 - 17.00 Uhr

sowie zum Lohsaer Weihnachtsmarkt am 12.12.2015

 WA 15 -3 Sängerinnen

 

Wie gewohnt, gab es zur Eröffnung der Ausstellung am 1. Advent bei Kaffee, Kuchen und Stollen ein weihnachtliches  Programm: Die drei Frauen der Folkloregruppe, Monika Aust, Kathrin Göring und Rosemarie Klohs sangen alte und neuere Weihnachtslieder.  

Manchmal wurde auch mitgesungen.

 

 WA 15, Baude

 Eine Winterhütte lädt zum Aufwärmen ein. Ski und Stöcke lehnen gleich an der Wand. Über dem Kanonenofen hängen Pullover zum Trocknen. Holzpantoffeln ruhen unter dem Bänkchen am Eingang. „Es soll eine Skier-Baude sein. Etwas zum Entdecken. Wir wollen Hüttenzauber nachempfinden“, sagt Veronika Sauer vom Vorstand des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa. Zusammen mit Angelika Hammerschmidt aus Riegel und Gabriele Knothe aus Lohsa baut sie auf und dekoriert fleißig.

WA 15, dei Ausstellungsmacher

 WA 15, alte Skier WA 15, Schlittschuhe

Historische Geräte und Kleidung von 20 Leihgebern vereint die Ausstellung. Schlittschuhe, Gleitschuhe, Skier, Eishockey-Ausrüstung und mehr sind zu sehen. „Ohne die Leihgeber wäre unsere Weihnachtsausstellung nicht möglich. Ihnen allen gilt herzlicher Dank“, unterstreicht Gabriele Knothe. Aus Lohsa, Hermsdorf, Groß Särchen, Driewitz, Weißkollm und Hoyerswerda kam Unterstützung. Und sogar darüber hinaus. Karl Frank Gottfried Spruit aus Breukelen (Niederlande) stellte seine in Lohsa in den 1930er Jahren gekauften Skier zur Verfügung. 1921 wurde er in Lohsa geboren. 1934 zog er mit den Eltern nach Er hat von unserer Ausstellung erfahren. Daraufhin brachte sein Sohn Peter die historischen Skier zu uns nach Lohsa.. Eine besondere Erinnerung und Wertschätzung ist die Ausstellung für den Lohsaer Eishockey-Sport, der hier eine langjährige Tradition hat. Für die Freuden am Wintersport soll die Ausstellung sensibilisieren.

Besucher

Zwei Tafeln von Hans Hoffmann erinnern an „Eishockey in Lohsa“. Sie zeigen historische Fotos der ersten Männer- und Jugendmannschaften. 1946 spielte erstmals eine Lohsaer Eishockey-Mannschaft. Sie trat in Weißwasser auf dem Braunsteich gegen die A-Jugend Weißwasser an. Das Ergebnis war 1:3. Für Lohsa spielten Günther Hanske (Torwart), Kurt Miersch und Siegfried Hörenz (Verteidiger) sowie Hans Hoffmann, Werner Münzner und Werner Quitter (Stürmer).

2006 erlebte der Eishockey-Sport in Lohsa einen Neuanfang. Der Eissportverein „Silberseewölfe“ entstand mit 21 Gründungsmitgliedern. Im gleichen Jahr gelang die Sanierung mit Ausbau der Eisspielfläche durch die Feuerwehr, die Silberseewölfe, die Gastronomen und die Gemeinde Lohsa. 2012 löste sich der Verein Silberseewölfe auf. Zumindest das Interesse und die Erinnerung blieben weiter bestehen. Denn Ende 2013 organisierte der Heimat- und Kulturverein Lohsa mit 20 Erwachsenen und neun Kindern einen Arbeitseinsatz am Eisstadion. So wurde es für den damaligen Winter wieder nutzbar. In der Ausstellung im Zejler-Smoler-Haus ist jetzt die Eishockey-Ausrüstung von Hans Hoffmann (Lohsa) und Bernd Krahl (Litschen) zu sehen.

Zu den vielfältigen Exponaten gehören auch verschiedene Rodelschlitten und Winterbekleidung; die zahlreichen Besucher waren beeindruckt und freuten sich auch über den Glühwein, der im Ausstellungsraum angeboten wurde. Es lohnt sich, am 12.12.  die Ausstellung zu besuchen!

 


 Zweiter Vortrag von Reinhard Körner

über seine Wanderungen in den Dolomiten

am 21. Oktober 2015

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Reinhard Körner (63) und seine Ehefrau Renate (59) zieht es seit 1993 immer wieder nach Südtirol ins Dolomiten-Gebirge. „Wer einmal dort war, fährt immer wieder hin. Es ist die Weite des Landes. Es ist die Schönheit der Berge, die klare Luft, die Offenherzigkeit und die Gastfreundschaft der Menschen, was uns dort so begeistert“, schilderte er beim Vortrag am 21. Oktober 2015 im Zejler-Smoler-Haus. Damit knüpfte er an seinen ersten Vortrag vom 1. Oktober 2014 an.

Über die geographische Lage, die Entstehung, die Besiedlung und die Bevölkerung der Dolomiten erfuhren die Besucher Näheres. In seinem Urlaub vor Ort wandert Reinhard Körner mit seiner Frau fast täglich. Gleich am ersten Tag im Juli 2015 schafften sie einen Höhenunterschied von 600 Metern. Am zweiten Tag waren es 900 Meter. Der wunderbare, viele Kilometer reichende Weitblick in die Landschaft ließ sie immer wieder innehalten. „Es ist faszinierend, wie viel Erde hier einst durch die Gletscher in der Eiszeit bewegt wurde."

„In der weiten Landschaft begegnet man immer wieder anderen Wanderern. Jeder achtet mit auf den anderen. Und jeder hat Interesse, Land und Leute kennen zu lernen.“ Lobend hob er den öffentlichen Personenverkehr im Urlaubsgebiet Dolomiten hervor. Mit einer Bus-Karte – die gibt es gratis – kann man viele Ziele unkompliziert erreichen und sogar 150 Kilometer bis in die Stadt Bozen fahren.

Dolo 2, LandschaftDie Dolomiten (italienisch Dolomiti; ladinisch Dolomites) sind eine Gebirgskette der südlichen Kalk-Alpen. Seit 2009 gehören sie zum UNESCO-Weltnaturerbe Dolomiten. Höchster Berg ist die Marmolada mit 3.342 Metern Höhe. Weitere bekannte Gipfel oder Massive sind die Drei Zinnen, die Sella, der Rosengarten, der Schlern, die Geisler und der Langkofel. Ihren Namen verdanken die Dolomiten dem französischen Geologen Déodat de Dolomieu (1750-1801). Dieser Wissenschaftler analysierte als erster die Zusammensetzung der Gesteine der Gegend. „Ohne Meer keine Dolomiten“, verwies Reinhard Körner auf die Entstehungsgeschichte. Rund 250 Millionen Jahre alt sind die Dolomiten. Sie bestehen vor allem aus Sediment- und Kalkstein. Einst waren die heute mächtigen Felsen und Gipfel ein riesiges Korallenriff. Es hatte sich im Urmeer Tethys gebildet. Die heutigen Dolomiten sind Reste dieses Meeres. Dreisprachig – ladinisch, italienisch und deutsch – sind die Straßen- und Ortsschilder der Gegend. Sie verweisen auf die Minderheit der Ladiner. Vor allem im Abtei-Tal und im Grödener Tal liegt deren Heimat. Hier sprechen die Familien noch konsequent ladinisch im Alltag.

Andreas Kirschke

 


  Dem Blaudruck und den Pfefferkuchen auf der Spur

 Regen Zuspruch fand unsere diesjährige Sommerausfahrt am 12. September 2015 nach Pulsnitz. Sie führte in die Blaudruckwerkstatt und ins Pfefferkuchen-Museum. Über 30 Teilnehmer kamen mit.

 Blaudruckwerkstatt

Die Pulsnitzer Blaudruckwerkstatt besteht laut Aussage der Inhaberin bereits seit mindestens 1633. „Sie ist vermutlich die älteste noch produzierende Manufaktur ihrer Art in Deutschland. Hier wird der originale Blaudruck in seiner ursprünglichen Tradition mit Mustervielfalt hergestellt“, begrüßte uns Inhaberin Cordula Reppe, frühere Leiterin des Pulsnitzer Stadtmuseums. Vor anderthalb Jahren übernahm sie die Blaudruckwerkstatt vom erfahrenen, langjährigen Inhaber Alfred Thieme.

Firmenschild

Die Werkstatt, so erläuterte sie, hat eine wechselvolle Geschichte. Davon zeugen Aufzeichnungen aus alten Wanderbüchern der Blaudrucker-Gesellen. Bis 1939 wurde Blaudruck in Pulsnitz kontinuierlich betrieben. Dank Gerhart Stein, der als Kriegsflüchtling aus Schlesien 1945 nach Pulsnitz kam, lebte die Tradition weiter. „Er erweckte als gestandener Blaudrucker dieses Handwerk zu neuem Leben“, erläutert die Internetseite der Werkstatt www.blaudruckpulsnitz.de.

 

Jos+Kalep

Gerhart Stein stammte aus einer alten Blaudrucker-Familie. Diese wurde bereits 1633 in Steinau an der Oder in Schlesien erwähnt. Sein Vorfahre Samuel Stein gestaltete in Pulsnitz das älteste noch erhaltene Motiv der Blaudrucker – „Josua und Kaleb“ – 1720 als sein Gesellenstück. Josua und Kaleb gelten in der biblischen Geschichte als Kundschafter. Sie tragen eine Weinranke gemeinsam auf den Schultern. Ihr Ziel ist die Stadt Hebron, eine damals weinreiche Gegend.

Zusammen mit seinem Formenstecher Ewald Drescher baute damals der Blaudrucker Samuel Stein mit viel Mühe und Engagement die Blaudruckwerkstatt auf. In seiner Nachfolge baute nach dem Zweiten Weltkrieg Gerhart Stein die Werkstatt wieder auf. Heute führt sie nach Alfred Thieme jetzt Cordula Reppe weiter. Anschaulich erläuterte sie uns den Druckprozess mit den Modeln.

Model sind Holzformen, die entweder geschnitzt oder mit feinen Messingstiften und Messingblechen das jeweilige Muster ergeben. Hergestellt werden diese Model von einem Formenstecher. Die insgesamt 1.400 Model bilden den Schatz der Werkstatt. Es sind florale Motive bis hin zu Katzenaugen, Schildkröten, Monden und Halbmonden.

 Führung 1   Führung 2

Gedruckt wird mit dem sogenannten Papp. Dieser Papp verhindert, dass beim zweiten Arbeitsgang, der Indigo- Färbung, die bedruckten Musterstellen eingefärbt werden. Nach einem langwierigen Färbeprozess in großen Bottichen (Küpen) wird der Papp wieder entfernt und das ursprüngliche Weiß des Stoffes erstrahlt auf dunkelblauem Grund – die wunderschönen Muster werden sichtbar. „Der Färbeprozess ist stark wetterabhängig“, erläuterte Cordula Reppe. „Wir brauchen keinen Regen, kein Gewitter, keinen Schnee, keine Hitze – nur leichten Wind, leichten Sonnenschein. Dann gelingt die Färbung am besten.“ Aus dem ursprünglich gedruckten GRÜN wird so BLAU. Ein alter Färberspruch sagt: „Was gut grünt, das tut gut blauen. Drum lasst uns ganz auf Gott vertrauen.“

Leider ist Blaudrucker heute bundesweit kein Ausbildungsberuf mehr. Nur noch acht Werkstätten gibt es in Deutschland, außer in Pulsnitz unter anderem in Coswig, in Rostock und in Münster. Die Blaudrucker, so Cordula Reppe, tauschen jedoch regelmäßig ihr Fachwissen und ihre Erfahrungen aus. Sie wollen durch Zusammenarbeit zumindest die Ausbildung einiger Lehrlinge erreichen. Gut möglich, dass diese ihre Lehre wandernd in mehreren Werkstätten bundesweit absolvieren.

 Verkostung

Unsere zweite Station bei der Ausfahrt war das Haus des Gastes mit dem Pulsnitzer Pfefferkuchenmuseum. Nach Verkostung verschiedener Pfefferkuchen bei einer Tasse Kaffee erläuterte uns Siegmar Schubert im Museum die Geschichte des Pulsnitzer Pfefferkuchens. „Gerade der Pulsnitzer Pfefferkuchen ist ein ehrlicher Arme-Leute-Kuchen. Er ist süßliches Brot, nur bestehend aus Mehl und Zuckerrüben-Sirup. Zwölf Wochen muss der Teig stehen. Ohne Zusatz. Es ist eine natürliche Säuerung, die hier vor sich geht. Der Teig gärt auf natürliche Weise. Er ist knochenhart wie Lehm.

Pf Zutaten Die typischen neun Gewürze sowie Pottasche und Hirschhornsalz gehören zu den Zutaten. Kein Fett, keine Milch, keine Eier, keine Zusätze prägen den Pulsnitzer Pfefferkuchen. Warum er gerade „Pfefferkuchen“ heißt? „Pfeffer steht für die Vielfalt an Gewürzen“, erläuterte uns Siegmar Schubert mit viel Humor, Detailwissen und Sachkenntnis. Heute sind die Pulsnitzer Pfefferküchler die einzigen Hersteller, die noch ausschließlich von Hand den Pfefferkuchen herstellen. Insgesamt bestehen in der Stadt acht Familienpfefferküchlereien und eine Lebkuchenfabrik. Beim Gang durchs Museum konnten wir noch spannende weitere Details darüber erfahren.

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Andreas Kirschke

 


 

Die Heimat durch Malen entdecken

 

Am 9. September um 18 Uhr wurde im Zejler-Smoler-Haus Lohsa die Sonderausstellung „Gemälde – Landschaften in Aquarell und Öl“ eröffnet.

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Hans-Jürgen Menges aus Litschen stellt Landschaftsmotive in Aquarell und Öl aus.

Buchen säumen den Weg zum Milkeler Schloss. Urwüchsig ragen sie als Baumreihe in die Landschaft. Das Schloss in der Ferne leuchtet inmitten des Parks hellgelb heraus.

„Mich interessiert immer das Motiv. Gerade mit dem Fahrrad kann ich es mir tiefer erschließen“, meint Hans-Jürgen Menges über sein Aquarell-Bild „Baum-Allee in Milkel“. Die Verflechtung und die Wildwüchsigkeit der Buchen erfreuten ihn. Im Frühsommer malte er das Motiv. Rund 20 Werke zeigt der Litschener.

Das Malen erschließt ihm die Heimat. „Es hält Seele und Geist jung“, sagt der 70jährige. Oft radelt er spontan in die Landschaft. Er fährt bis zur Schwarzen Lache nach Kreba-Neudorf. Manchmal zieht es ihn bis nach Förstgen. Mitunter geht es auch in die sorbischen Orte Ralbitz, Rosenthal und Panschwitz-Kuckau. Sein Fotoapparat ist stets mit dabei. Vor allem Wege und Baumreihen faszinieren ihn. „Gerade bei Wegen erreicht man im Bild viel Tiefenwirkung. Das Motiv soll ja Leben ausstrahlen,“ verdeutlicht er. Vielseitig lässt sich Aquarelltechnik einsetzen. Sie ermöglicht fast jedes Motiv. Entscheidend ist die Maltechnik. „Im Unterschied zur Öltechnik kann ich hier nicht übermalen. Ich muss das Bild im Detail gut aufteilen. Wichtig ist, mit den hellen Farben zu beginnen und mit den dunklen Tönen zu enden. Ich male sozusagen von hell nach dunkel.“ Möglichst originalgetreu und wahrhaftig will er malen. Dabei kommt es ihm nicht auf Perfektion an. Denn schließlich ist auch die Natur nie perfekt.

Fotos ergänzen und unterstützen ihn beim Malen. Dank ihnen kann Hans-Jürgen Menges klare Linien, Fluchten (Winkel) und Farbkontraste malen. Wichtig ist ihm der Wiederkennungswert. Betrachter sollen die Heimat entdecken. In dieser Vielfalt aus nahezu unberührter Heide- und Teichlandschaft, künstlich geschaffenem Seenland, zerklüfteter Braunkohlen-Tagebaulandschaft bis zum kleinsten Mittelgebirge Deutschlands ist die Lausitz in Deutschland fast einzigartig. „Oft unterschätzen wir das“, sagt er nachdenklich.

Nach den Foto-Ausstellungen „Seeadler und Wasservögel – Naturaufnahmen um Lohsa und Litschen“ (2006), „Kranich, Reiher & Co. – Naturaufnahmen um Lohsa und Litschen“ (2008), „Einblicke in die Insektenwelt des Biosphärenreservates“ (2009) und der Weihnachtsausstellung „Winterliche Stimmungen in Nachtaufnahmen“ (2009) sowie den Panorama-Bildern „Teichlandschaften im UNESCO Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“ (2011) und der Malerei-Ausstellung „Gemalte Fotoreproduktionen von Holz- und Fachwerkhäusern der Gemeinde Lohsa (2013) ist es jetzt seine zweie Malerei-Ausstellung. Vielfältige Motive stellt er dort aus. Es sind Aquarell-Bilder wie „Oberer Teich zwischen Wartha und Koblenz“, „Branitzer Park“, „Branitzer Teiche und Wasserwege“ sowie „Waldweg“ von Hermsdorf nach Wessel und „Birkenweg“. Es sind auch Ölmotive wie „Gebirgslandschaft in Nordamerika“ und „Teichlandschaft in der Lausitz“. Ehefrau Dorothea (68) ist sein konstruktivster Kritiker.

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Hans-Jürgen Menges malt nicht zum Selbstzweck. Mit seinen Bildern will er berühren und erfreuen. Er will auch andere zum Malen bewegen. „Nichts ist schlimmer als Stillstand“, unterstreicht er und fügt hinzu: „Viele Hobby-Künstler schaffen erstaunliche Werke – ob malerisch oder handwerklich. Doch sie gehen damit zu wenig an die Öffentlichkeit. Meine Ausstellung kann ermutigen, diesen Schritt zu wagen.“

 

 

 

 

Zu sehen ist die Ausstellung bis Ende November montags und donnerstags von 10-12 Uhr und 13-17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter der Rufnummer 03 57 24/5 02 56. Die Bilder können nach der Ausstellung erworben werden.

 

Andreas Kirschke


BBudarSchriftsteller, Dichter und Übersetzer

Beno Budar aus Dreihäuser bei Räckelwitz

und seine Ehefrau Ludmila

lasen Freitagabend, 25.09.15, im Zejler-Smoler-Haus. Im Buch „Und immer diese Angst“ geht es um die Erinnerungen sorbischer Frauen und Soldaten an die letzten Kriegstage 1945. Damals litten vor allem die Frauen unter den Grausamkeiten und Vergewaltigungen der Sieger. Denn Krieg trifft immer die Schwächsten.

 Beno Budar und seine Frau Ludmila lasen noch weitere Erinnerungen. Sie handelten von Ilse Dorseys Flucht in die Kirchengemeinde Weißenberg; von Soldat Jan Wjenka (1922-2002) aus Piskowitz. den seine sorbische Muttersprache das Leben rettete. Das war nicht selbstverständlich. Auch sorbische Frauen in Tracht, die die russischen Befreier mit Freude und mit Kuchen begrüßten, wurden Opfer von Vergewaltigungen. „Dieser Zweite Weltkrieg war der größte Krieg der Menschheitsgeschichte“, sagt Beno Budar. „Wir hier in unserer Gegend haben das grausam gespürt – es waren Taten voller Rache, voller Hass. Froh kann jeder sein, der erst nach dem Krieg geboren wurde.“

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Noch in den letzten Kriegstagen wechselten immer wieder die Fronten. Orte wie Bautzen, Kamenz, Sdier und Weißenberg waren heftig umkämpft. Deutsche Soldaten ermordeten russische Kriegsgefangene. Russische Soldaten rächten sich an deutschen Zivilisten. Beno Budar schrieb Schicksale sorbischer Frauen und Soldaten aus dieser Zeit sorgfältig auf. Feinfühlig hatte er um deren Vertrauen geworben. „Einige wollten keine Öffentlichkeit. Andere waren froh über die Veröffentlichung“, sagte der Schriftsteller. Seit Ende der 1980er Jahre beschäftigt er sich intensiv mit den Erinnerungen sorbischer Soldaten und Frauen über den Zweiten Weltkrieg. 2005 gab der Domowina-Verlag das sorbische Buch „Tež ja mějach zbožo“ (Auch ich hatte Glück) heraus und 2013 ein weiteres sorbisches Buch „Sym měła tajki strach“ (Ich hatte solche Angst). 2014 gab der Domowina-Verlag das deutsche Buch „Und immer diese Angst“ heraus mit Auszügen aus beiden Büchern. Es ist gewidmet allen Frauen und Mädchen, die Opfer von Kriegsverbrechen geworden sind, allen Müttern, Ehefrauen und Verlobten, die daheim in Angst für die Ihren gebetet haben, allen gefallenen und vermissten Soldaten wie auch denen, die mit Gottes Hilfe heimgekehrt sind.

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Auch Einwohner kamen Freitag in der Lesung zu Wort. Brigitte Hirschfelder aus Lohsa erzählte von den Erinnerungen ihrer Mutter Charlotte Dziwnik an die Evakuierung aus Cottbus nach Diepholz 1945. Sie schilderte auch die Vertreibung ihrer Schwiegermutter Marie Hirschfelder 1945 aus Niederschlesien nach Doberlug-Kirchhain in der Lausitz. „Ihr fester Glauben hat ihr geholfen, diese schwere Zeit zu überstehen“, unterstrich Brigitte Hirschfelder. „Ihre Devise war immer: nie wieder Krieg. Dafür sollte die Jugend heute eintreten.“

Werner Thomas aus Weißkollm las aus seinen Erinnerungen über die Vertreibung aus Waldau bei Bunzlau in Niederschlesien und über die Suche nach einer neuen Heimat in Litschen. Dort kam er mit seinen Eltern bei der sorbischen Familie Nagel unter. Dort fand er Zugang zu den Sorben und zur sorbischen Sprache. „Nicht die Größe an Wohnraum war damals entscheidend“, erinnerte er sich. „Es war die Hilfsbereitschaft und die Wärme, mit denen man uns bei Nagels begegnete. Wir versuchten, davon etwas zurückzugeben.“

Ein Ereignis lässt ihn bis heute nicht los. Als 14jähriger musste er im Januar 1945 auf Befehl an der Straße von Görlitz nach Bunzlau tote Soldaten aufsammeln und begraben. Diesen Anblick wird er niemals vergessen. „Krieg trifft immer die Schwächsten. Krieg ist das Schlimmste, was es gibt. Krieg bringt immer Unglück – und zwar für die, die am wenigsten dafür können“, unterstrich Wolfgang Seiffert aus Bernsdorf in der anschließenden Diskussion. Er selbst ist Jahrgang 1944. Sein Vater fiel im Krieg am 20. Februar 1945 nahe Stargard in Pommern.

Die Jugend nimmt Beno Budars Buch „Und immer diese Angst“ durchaus dankbar an. Eine Gymnasiastin schreibt jetzt sogar eine weiterführende Arbeit darüber. „Es liegt an uns, das Thema behutsam in die Jugend hineinzutragen“, sagte Ludmila Budarjowa. „Das Problem sind nicht die Fragen der Schüler, sondern eher das Schweigen der Älteren.“

 Andreas Kirschke

 


 

"Verarbeitung von Käutern zu Salben und ihre Nutzung"

von und mit Ursula Altmann aus Lohsa

am Mittwoch, dem 24. Juni 2015 um 18 Uhr

Sächsische Zeitung, Mittwoch, 08.07.2015

Wenn die Wiese zur Apotheke wird

Im Lohsaer Zejler-Smoler-Haus lernten Interessierte, wie aus Kräutern Salben selbst hergestellt werden können.

Von Anja Wallner

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 Hier wird kein Eintopf gekocht, sondern Spitzwegerich-Salbe hergestellt. Ursula Altmann (2. von rechts) zeigt Interessenten bei einer Veranstaltung im Zejler-Smoler-Haus Lohsa, wie aus Kräutern Salbe wird und wofür sie genutzt werden kann.

(Foto: Gernot Menzel)

 

 

Rheuma piesackt die Gelenke, die Gicht zwickt in der Zehe, das Knie ist nach einer verrückten Turnübung geschwollen, die Wade ist nach einem Fahrradsturz lädiert. Autsch! Was tun? Tabletten einwerfen oder eine Spritzenkur? Ursula Altmann aus Lohsa weiß, was derartige Beschwerden lindern kann: Salbe, und zwar selbst gerührte, aus Kräutern vom Wegesrand oder aus dem Garten. Ihr umfangreiches Wissen rund um die Welt der (Heil-)Kräuter gibt die Expertin ab und zu auf Veranstaltungen weiter. Wie kürzlich im Lohsaer Zejler-Smoler-Haus, als es um die Verarbeitung von Kräutern zu Salben ging. Nicht nur in der Theorie, sondern auch praktisch. Rund 35 Frauen, von der Jugendlichen bis zur Seniorin, und immerhin zwei Männer verteilten sich um die Tische im voll besetzten Raum, auf denen schon alles bereitstand, was man zum Mixen einer Salbe so braucht. Dinge, die in der Regel fast alle im Haushalt vorhanden sind: Schneidbrett, Messer, Messbecher, Küchenwaage, Sieb, Küchenkrepp oder Mulltuch, Topf, Kocher (zu Hause tut’s natürlich der heimische Herd), Olivenöl, Bienenwachs, Dosen zum Abfüllen, Etiketten – und natürlich die Kräuter. Ursula Altmann begann mit einer Anekdote: „Eine Kröte mit verletztem Bein hüpft über die Wiese und sucht sich Wegerich. Sie reibt das Bein daran – und wird schnell gesund. Was Kröten können, können wir auch.“ Und so machten sich die Teilnehmer dieser lehrreichen und unterhaltsamen Veranstaltung hurtig zunächst an die Produktion von Spitzwegerich-Salbe, die auf Wunden antibiotisch wirkt und zu schneller Heilung beiträgt, wie Ursula Altmann erklärte. Man könne sie sogar auf offene Wunden auftragen. Spitzwegerich wächst auf Wiesen, Äckern und an Wegen.

In Beeten hingegen wuchert oft Giersch und verärgert die Gartenfreunde mit seinen zähen Wurzeln. Dieses „Unkraut“ stört Ursula Altmann wenig: „Nicht ärgern – essen!“ ist ihre Devise, denn Giersch ist ein delikates Wildgemüse. An diesem Abend aber wurden dessen Blätter zu Salbe gegen gichtig-rheumatische Leiden gemixt. Und zu guter Letzt verwandelten die Teilnehmer noch die Wurzeln des Beinwell in eine Paste, die schmerzlindernd, entzündungshemmend und abschwellend wirkt.

Das Prinzip Salbenherstellung war bei allen drei Mixturen im Wesentlichen das gleiche und recht einfach: Gruppenweise hackten einige Frauen Spitzwegerich und Gierschblätter sowie ungeschälte Beinwell-Wurzeln (hier mit Handschuhen arbeiten – die Wurzeln haben einen Effekt wie Schwarzwurzeln!) und gaben sie in einen mit Olivenöl gefüllten Topf, der auf dem Herd erhitzt wird. Wie die Habichte beäugten die Frauen das Öl, um ja den Zeitpunkt nicht zu verpassen, die Blätter abzugießen und das Bienenwachs ins Kräuter-Öl zu geben. Tipp von Ursula Altmann: Das Wachs gibt‘s günstig und gereinigt in größeren Mengen im Internet zu kaufen, und zwar in praktischer Kügelchen-Form. Früher, erzählte die Lohsaerin, seien Salben nicht mit Bienenwachs, sondern mit Schweineschmalz hergestellt worden. „Das ist schwer zu bekommen, wird ranzig, stinkt und klebt.“ Die Blätter der Kräuter nicht zu schneiden, sondern im Mixer zu schreddern, ist übrigens keine gute Idee: „Schneiden, ja, um die Inhaltsstoffe herauszuholen, aber wenn sie zu fein gehackt sind, halten sie das Öl fest“, weiß Ursula Altmann.

Wenn das Wachs geschmolzen ist, kann die Mischung in kleine Dosen abgefüllt werden, aber nicht randvoll. Kollektives, begeistertes „Aaaaah!“ und ein Lob von Ursula Altmann, als die ersten Mischungen ausgehärtet sind. Zuschrauben sollte man die Döschen erst nach dem Erkalten der Salbe, damit sich kein Schwitzwasser bildet und die Mixtur dadurch womöglich verdirbt.

Wo Dutzende Damen aufeinandertreffen, wird geredet. Und so flossen die Gespräche zwischendurch so munter wie das Olivenöl in den Topf. Etliche Frauen haben schon Kräuter-Veranstaltungen von Ursula Altmann besucht, schwärmten von selbst gemachtem Giersch-Pesto und -Aufstrich oder von Gänseblümchen im Salat. Ursula Altmann ließ noch wissen, dass aus getrockneten, jungen Gierschblättern ein mild-würziger Tee gekocht werden kann und sich die Blüten zum Aromatisieren von Essig eignen … Innerhalb von nicht mal zwei Stunden waren viele, viele kleine Dosen mit dreierlei verschiedenen Heilpasten gefüllt, die sich mindestens ein Jahr, im Kühlschrank mehr als doppelt so lange, halten – und sich auf der Haut sehr angenehm anfühlen.


 Unsere diesjährige

Jahreshauptversammlung

fand am

Freitag, dem 8. Mai 2015, um 18 Uhr

im Zejler-Smoler-Haus in Lohsa statt.

Der Vereinsvorsitzende Reinhardt Schneider gab einen kurzen Rechenschaftsberichtberichtet über die Arbeit des vergangenen Jahres.

 Bericht Schneider Bericht Mitglieder

Die Gewinnung weltoffener, kulturinteressierter junger Mitglieder bleibt für den Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. vordringlichste Aufgabe. „Das ist ein Schwerpunktziel für uns alle. Der Verein benötigt eine Verjüngungskur. Interessante und vielseitige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und zum gemeinsamen Wirken im Sinne unserer Aufgaben gibt es genügend“, unterstrich Vorsitzender Reinhardt Schneider Freitag in seinem Rechenschaftsbericht.

Umbauen und erweitern will der Verein die Heimatausstellung. Bis 2016 will er dies mit einem Kostenaufwand von 5.000 Euro realisieren. Ohne Förderung, so der Vorsitzende, wäre dies nur in Teilschritten längerfristig möglich. „Dazu haben wir einen Förderantrag an die Landesstelle für Museumswesen in Chemnitz gestellt. „Der Antrag ist noch nicht beschieden. Erst nach entsprechendem Bescheid können wir weiter planen.“ Für den Raum der Heimat-Ausstellung hat der Verein ein neues Konzept erarbeitet. In Zusammenarbeit mit der Landesstelle für Museumswesen und dem Museum der Westlausitz Kamenz soll es umgesetzt werden. „Dazu haben wir eine Arbeitsgruppe gebildet. Weitere Mitstreiter sind willkommen“.

Im Rückblick auf 2014/2015 zog er eine vielfältige Bilanz. So ehrte der Verein seinen Mitbegründer und ersten Vorsitzenden, den sorbischen Komponisten Jan Paul Nagel (1934-1997) mit einem Festkonzert zum 80. Geburtstag in der Lohsaer Evangelischen Kirche. Chor und Orchester des Sorbischen Nationalensembles unter Leitung von Dirigent Gabriele Doná und Solisten führten das Konzert zum Thema „Pěseń moja, pozběhń so“ (Lied, mein Lied erhebe dich) auf. Der Förderverein lud 2014 auch zu Vorträgen, Ausstellungen, Lesungen und Exkursionen ein. Mit einem Arbeitseinsatz baute er am Grab des sorbischen Lohsaer Pfarrers, Dichters, Publizisten, Schulinspektors und Landwirts Handrij Zejler (1804-1872) neue Rasenborde ein. Ein zweiter Einsatz folgte jetzt 2015. Der Verein sorgte für ein gepflegtes Umfeld am Grab.

Im Zejler-Smoler-Haus selbst will der Verein mit Unterstützung der Gemeinde den Veranstaltungsraum aufwerten. Auch der Raum für Sonderausstellungen im Obergeschoss braucht frische Farbe. Dafür will der Verein mit einem Arbeitseinsatz sorgen.

2016 will er den 200. Geburtstag des Verlegers, Theologen und Publizisten Jan Arnošt Smoler (1816-1884) würdigen. Dieser lebte in seiner Kindheit und Jugend in Lohsa. Vorstellbar sind zum Jubiläum ein historischer Vortrag und ein Konzert. Dafür sucht der Verein Partner. „Der Verein freut sich über viele interessante Details, Fotos, sorbische Literatur und Berichte zur Lohsaer Geschichte, die in letzter Zeit bei uns zur Bewahrung abgegeben wurden“, unterstrich Reinhardt Schneider. Er dankte zugleich allen Spendern und Unterstützern bei Ausstellungen.

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„Der Verein hat viel getan. Es tut gut zu sehen, dass es mit seiner Arbeit weitergeht“, meinte Mitglied Werner Thomas aus Weißkollm. 1994 war er Mitgründer des Vereins. 1997-2001 leitete er ihn als Vorsitzender. „Der Verein steht für eine breite Palette an Themen. Sie reichen von Geschichte über Kultur bis zu Hobbys. "Ich fühle mich hier gut aufgehoben“, meinte Mitglied Edith Kraus aus Lohsa. Gespannt besichtigte sie mit den anderen Teilnehmern der Versammlung die Freitag eröffnete neue Sonderausstellung „Muschelbilder“.

 BilderwandHans Birnstock (77) aus Lohsa hat sie gestaltet. Seit 1993 sammelt er Muscheln. „Damals war ich mit meinem Sohn im Urlaub an der Nordsee. Das war in Wijk am Zee in den Niederlanden“, erzählte er. „Mein Sohn kaufte mir eine besondere Muschel. Ich war fasziniert. Seitdem sammle ich – meist dort am Strand. Viele Muscheln erhielt ich auch von Stefan Wiedemann aus Großdubrau, dem Sohn meines Schwagers.“ Tausende Muscheln umfasst jetzt die Sammlung. Seit 1997 gestaltet Hans Birnstock damit Bilder auf Styropor. Er versieht sie mit Zitaten und mit Gedichten. Sein erstes Bild gestaltete er für Alfred Schulze aus Lohsa zu dessen 60. Geburtstag im Januar 1997. Seitdem kamen viele Bilder hinzu.

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Bildgeschenk

Ein Geschenk von Hans Birnstock an den Verein

Die Ausstellung „Muschelbilder“ von Hans Birnstock ist bis Ende Juli zu sehen.

Öffnungszeiten im Zejler-Smoler-Haus montags und donnerstags 10-12 Uhr und 13-17 Uhr und nach Vereinbarung unter 03 57 24/5 02 56.

Andreas Kirschke

 


 

Anlagen am Handrij-Zejler-Grab verschönert

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Fleißige Hände regten sich am 1. April beim Arbeitseinsatz des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus. Mitglieder und Helfer verschönerten die Anlagen am Handrij-Zejler-Grab an der Kirche. Dort brachten sie Rindenmulch rund um die Rododendren ein.

Stühle 2

 

 

 

 

Im Vereinsraum säuberten die Frauen sorgfältig die Stühle.

 

Nach gut zwei Stunden war das Werk getan.

 

Zejlergrab 4

Allen Teilnehmern  herzlichen Dank!

 


 Freude am Basteln, Verzieren und Waleien

Erstmals fand im Zejler-Smoler-Haus Lohsa am 28. März ein "Familientag Ostern“ statt

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Bienenwachs schmilzt auf den Löffeln. Tupfer für Tupfer entnehmen Lydia Schramm (12) und Jennifer Wilke (11) aus Lohsa daraus. Mit Federkiel und Stecknadelkuppe verzieren sie Muster für Muster auf weiße, ausgeblasene Hühnereier. Striche, Strahlen, Blüten und weitere Motive entstehen. „Eigentlich färben wir sonst nur die Eier. Wir wollen aber auch die Muster kennen lernen“, meinen die beiden Schülerinnen. Unter Anleitung von Dorothea Hörenz verzieren sie erstmals ein- und mehrfarbig mit der Wachsbatiktechnik Ostereier.

Basteln„Wir wollen uns öffnen für junge Familien. Wir wollen mit ihnen gemeinsam Ostern vorbereiten“, unterstreicht Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins, die Idee des Familientages.

Dieser vereint gleich mehrere Stationen. Beim Osterbasteln entstehen Vögel und Küken. Grips und Scharfsinn sind beim Osterquiz gefragt. Ausdauer und Phantasie kommen beim Verzieren zum Zuge.

Offen für Interessierte ist die Sonderausstellung „Ostern bei den Sorben“. Noch bis Mitte April ist sie zu sehen. „Mit dem Familientag wollen wir sie einem breiteren Publikum vorstellen“, sagt Reinhardt Schneider. „Wir wollen zeigen, wie unsere sorbischen Vorfahren Ostern feierten. Wir wollen ihre Mühe und ihren Aufwand vor dem Fest zeigen.“

Waleien 1 Waleien 2

Im Hof des Zejler-Smoler-Hauses versuchten sich Kinder und Eltern im Waleien. Dabei rollen bunte Ostereier eine schiefe Ebene hinab. Mit Geschick treffen die Teilnehmer ein anderes Ei. Das können sie als Anerkennung mit nach Hause nehmen.

  Aust ZiegenNeugier weckt ein Hänger mit Tieren. Monika und Dieter Aust sind mit sechs Schäfchen und vier Zicklein gekommen. In Litschen betreiben sie einen Landwirtschaftsbetrieb mit Pferdezucht. Monika Aust, in Lohsaer sorbischer evangelischer Tracht, singt später sorbische Lieder und erntet viel Beifall.

 „So einen Familientag können wir durchaus wiederholen“, unterstreicht Reinhardt Schneider. „Für uns war es Neuland. Es war ein erster Versuch.“

Und der kam gut an.

 

 

Bis Mitte April ist im Zejler-Smoler-Haus die Sonderausstellung „Ostern bei den Sorben“ montags und donnerstags 10-12 Uhr und 13-17 Uhr und nach Vereinbarung unter 03 57 24/5 02 56 zu sehen.

Andreas Kirschke

 


Die Lohsaer Schriftstellerin Elke Nagel las am 20.02. im Zejler-Smoler-Haus.

"Altweibersommer und andere Jahreszeiten"

nannte sie die Veranstaltung.

 E.Nagel 2, 20.2.15

 Anna Koschlick zwängt sich durch Kiefern und Unterholz. Ein Hubschrauber sucht die alte, lebensmüde Frau. Will ich also doch gefunden werden?, seufzt sie im Wald nahe Bukow, ihrem Dorf, das der Braunkohle zum Opfer fiel. Nein will ich nicht. Sie zweifelt am Verstand der Menschen. Nichts versteht sie mehr. Wir sägen so lange an dem Ast, auf dem wir sitzen, bis wir in die Grube fallen, die wir uns selbst gegraben haben, sagt sie sich. Wir bereiten unser Ende vor. Wir schaffen uns ab.

20.2.15 Publikum

Gespannt hören die rund 30 Besucher zu. Zunächst liest Elke Nagel aus ihrem 2013 erschienenen Roman „Altweibersommer. Legenden aus dem wilden Osten“. Ursprung ist die Kurzgeschichte "Altweiberfäden", erläutert sie. Es war eine in sich geschlossene Geschichte. Aber sie war von Anfang an gedacht als Gerüst und Rahmen, als Grundlage für den jetzigen Roman.

Katja will der Arbeitslosigkeit entfliehen, indem sie ein Buch schreibt: Über ihre Mutter Anna Koschlick, über deren langes bewegtes Leben und tragischen Tod. Über ihr eigenes Leben. Sie fügt Geschichten und Legenden ein. Und die Wölfe spielen fortwährend darin eine Rolle, aber auch die Abbaggerung der Dörfer und die Erdrutschungen und manch anderes.

Nach dem "Altweibersommer kommen die "anderen Jahreszeiten": Die Schriftstellerin liest aus der Anthologie „Zur Hölle einfach weitergehen. Neun sündhafte Erzählungen“, die 2013 als Buch und e-Book bei E.M. Jungmann in Remshalden (Baden-Württemberg) erschienen ist. Elke Nagel ist darin mit ihren Erzählungen „Der Generalbevollmächtigte“ und „Beichte zu dritt“ vertreten. Die erstere der Geschichten liest sie nun, es ist eine Satire über einen sogenannten "Reichsbürger", der einen eigenen Staat gegründet hat, eine "Selbstverwaltung".

Elke Nagel hält die Reichsbürgerbewegung für eine ernst zu nehmende, unterschätzte Gefahr. Noch vor drei Jahren, als sie die Erzählung „Der Generalbevollmächtigte“ schrieb, gab es zehn so genannte „Selbstverwaltungen“ der Reichsbürger in Sachsen. Damals nahmen sie miteinander Verbindung auf. Heute gibt es 30. Heute besteht ein Netzwerk. Heute gibt es außer der"Exilregierung" in Berlin das "Königreich Deutschland" in Wittenberg und die "Republik Freies Deutschland" in Leipzig.“ Trotzdem ist der sächsische Verfassungsschutz noch nicht tätig. Auf seiner Internetseite vermerkt er: „Ihr Spektrum reicht von einzelnen gefestigten Rechtsextremisten über Querulanten und Wichtigtuer bis zu Trittbrettfahrern mit reiner Zahlungsverweigerungsabsicht“; der Bericht weist darauf hin, "dass die ´Reichsbürger-Bewegung´ als solche kein Beobachtungsobjekt des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen ist. Bis dato liegen keine Erkenntnisse über tatsächliche Anhaltspunkte für extremistische Bestrebungen der Reichsbürgerszene in ihrer Gesamtheit vor.“

Mit satirischen Mitteln und feinfühliger Beobachtung setzt sich Elke Nagel in ihrer Erzählung mit dem Thema auseinander. Der "Generalbevollmächtigte“ entpuppt sich als Patient aus der Psychiatrie. Sein Pfleger fängt den Entflohenen im Zug wieder ein. Aber der Pfleger entpuppt sich als einer seiner glühender Anhänger...

Schneider und BlumenUnd zum Abschluss gab es ein herzliches Dankeschön und Blumen vom Vereinsvorsitzenden.


 Elke Nagel: „Altweibersommer. Legenden aus dem wilden Osten.“ Roman. BS-Verlag Rostock 2013, ISBN-Nummer: 978-3-86785-258-6, Preis: 12,90 Euro. Weiter Infos: www.mv-taschenbuch.de.

Anthologie „Zur Hölle einfach weitergehen. Neun sündhafte Erzählungen.“ Erschienen bei EM Jungmann 2013 Remshalden. ISBN-Nummer: 978-1489588944. Preis 9,90 Euro. Erhältlich bei Amazon. Weitere Infos: www.em-jungman.com.

Andreas Kirschke

 Nach der Lesung wurde die Sonderausstellung „Ostern bei den Sorben“ eröffnet.

Ostersemmel

Liebevoll ist der Ostertisch gedeckt. Blumen, Lausitzer Keramik, Blaudruck und eine große Patensemmel erfreuen darauf. „Mit zwei Teilen Mehl, einem Teil Salz, Wasser und Rapsöl ist sie gebacken“, schilderte Veronika Sauer vom Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus-Lohsa e. Gemeinsam mit Angelika Hammerschmidt, Gabriele Knothe, Kerstin Petri, Edith Kraus und Grit Pelzer hatte sie den Raum sorgfältig vorbereitet. Mit der Osterausstellung betritt der Förderverein Neuland. Zahlreiche Sammelstücke prägen die Ausstellung. Angelika Hammerschmidt und Veronika Sauer stellten ihre Leihgaben bereit. Hinzu kamen Tafeln der Stiftung für sorbische Volk über Bräuche und Traditionen zum Osterfest. Weitere Tafeln stellte der Verein zur Pflege der Regionalkultur der Mittleren Lausitz e. V. bereit. Dafür sind wir sehr dankbar, unterstrich Reinhardt Schneider. Unsere Ausstellung würde gut in jede Heimatstube passen. Vor allem Grundschulen können sich dank ihr mit dem Thema Ostern befassen. Sie können einen Projekttag organisieren. Spannend ist zu zeigen, wie die Menschen in früherer Zeit lebten, wie sie Traditionen und Bräuche zu Ostern pflegten, wie sie gebacken, gekocht, gewaschen und gebügelt haben, meinte Angelika Hammerschmidt. Vor dem Fest kam die harte Arbeit und die Vorbereitung. Das wollen wir mit der Ausstellung zeigen.

DSCN9398 Osterküken

Tisch 1

Teigtrog, Nudelholz, Backformen und weitere Haushaltsgeräte prägen die Ausstellung. Der Besucher entdeckt auch Geräte wie Malzröster, Kaffeemühle und Butterstampf-Fass. Mittendrin ist eine originale Fuckenschürze. „Sie war früher oft Arbeitskleidung“, unterstrich Angelika Hammerschmidt. Wie Veronika Sauer sammelte sie über viele Jahre historische Geräte aus Haushalt und Landwirtschaft. Sie bereichern jetzt die aktuelle Osterausstellung im Zejler-Smoler-Haus. Wir wollten Wert legen auf die Arbeit   v o r   dem Fest, auf die sorgfältige, langfristige Vorbereitung des Osterfestes, unterstrich Veronika Sauer. Gerade in früherer Zeit war das mit viel Aufwand verbunden.

 

Mit der Sonderausstellung, die zugleich auf die Geschichte, Sprache, Kultur, Verbreitung und Entwicklung der Sorben eingeht, will der Förderverein für die Wertschätzung des Osterfestes und seine tiefe Botschaft, die Auferstehung Christi, sensibilisieren.

 Bis Mitte April ist die Ausstellung montags und donnerstags 10-12 Uhr und 13-17 Uhr und nach Vereinbarung unter 03 57 24/5 02 56 zu sehen. Ein Familientag zum Thema Ostern folgt am 28. März 14 Uhr im Zejler-Smoler-Haus mit Ostereier-Verzieren, Basteln, Quiz, Waleien und weiteren Überraschungen.

Andreas Kirschke


  Letzte Atualisierung: 14.04.2017

 

 

 

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