Rückblick auf vergangene Veranstaltungen

2009

Die Kräuterausstellung des Biosphärenreservates

 

vom 30. August bis zum 1. September 2009 lockte auch in diesem Jahr viele Besucher ins Zejler-Smoler-Haus und der Vortrag "Heimische Kräuter in Wort und Bild" von Naturwachtmitarbeiter Peter Ulbricht fand viele interessierte Zuhörer.



Die diesjährige Ausfahrt des Zejler-Smoler-Vereins am 12. September 2009 führte uns ins katholische Sorbenland.

Am Klosterwasser In Ralbitz besichtigten wir den Weißen Friedhof. Für Michał Nawka, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Katharina, ist er der demokratischste Friedhof in Deutschland. Sind doch alle Gräber gleich gestaltet. Der Reihe nach wird beerdigt. Die eigenwillige Form der Kreuze geht auf Peter Bräuer zurück. Der Ralbitzer Tischler führte sie um 1848 ein. 1966 fertigte sein Betrieb das letzte Grabkreuz. Seither erledigt diese Arbeit die Werkstatt Mikławš Dyrlich in Neudörfel bei Räckelwitz. Ende der 1960er Jahre begann die Kirchengemeinde damit, konsequent der Reihe nach zu bestatten. Der Angesehene liegt so neben dem Verachteten, der Reichere neben dem Ärmeren, der Frohe neben dem Traurigen, der Junge neben dem Alten. Die Farbe Weiß verdeutlicht Würde. Inhaltlich steht sie für Gottheit und Unschuld. Im Slawischen gehört dazu auch die Trauer. „Jeder ist vor Gott gleich. Und jedes Leben ist einmalig“, betonte Michał Nawka die Symbolik des Weißen Friedhofs. „Die Beerdigung ist kein Sakrament, sondern ein Werk menschlicher Nächstenliebe. Ein Auftrag der menschlichen Würde.“ So liegen auch Ungetaufte auf diesem Friedhof. Auch Menschen, die einst in Ralbitz aufwuchsen und hier ihre letzte Ruhe finden wollten. Bedingung, so der Pfarrer, ist die Annahme der Friedhofsgestaltung und die Zusicherung der Grabpflege. „In der Bestattungskultur zeigt sich das Niveau eines Volkes“, betonte er. „Früher diente die Beerdigung dem Seelenheil der Verstorbenen. Heute, so kann man oft den Eindruck gewinnen, dient sie zunehmend der Zufriedenheit der Trauernden….“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Von Ralbitz führte unsere Tour weiter zur Wallfahrtskirche Rosenthal. Benediktiner-Pater Rupert Sarach OSB, seit April 2008 Rektor der Wallfahrtskirche, schilderte uns die Geschichte der Kirche. Sie gilt als wichtigster religiöser Ort der katholischen Sorben. Dienstag nach Ostern hallt durch die Gnadenkirche kraftvoll die Botschaft der Auferstehung Christi. Weit über 1.500 Osterreiter sammeln sich dann jährlich zum Dankgottesdienst. Deutlich wird: Sprache und Glauben sind für die katholischen Sorben eins. Die Wallfahrtskirche „Maria in der Linde“ und die Marienquelle ziehen zudem Jahr für Jahr tausende Pilger an. Bereits Ende des 15. Jahrhunderts war in Rosenthal eine hölzerne Kapelle nachweisbar. 1598 ließ Äbtissin Luzia Günther (1592-1607) eine zweite größere Kapelle errichten. Die Äbtissin Klara Trautmann (1762-1782) ließ beide Kapellen abtragen und 1776 bis 1778 unter Bauleitung des Klostersekretärs Heinrich Lob die heutige Wallfahrtskirche errichten. Das Gnadenbild in der Mittelnische der Kirche steht in einem Strahlenkranz. Es zeigt die Muttergottes Maria mit dem Jesuskind auf dem linken Arm. Die Inschrift lautet „Ora pro nobis – bitte für uns“. Der Marienbrunnen an der Kirche ist seit dem 16. Jahrhundert bezeugt. 1766 wurde hier eine Kapelle gebaut. Das Wasser wird von Pilgern hoch geschätzt.  

Von Rosenthal führte unsere Ausfahrt nach Dürrwicknitz zum Töpferhof & Alte Herberge Wěteńca von Cornelia und Stanislaus Bedrich.

Dessen Familie gehörte früher der Hof. Seit 2005 ist die Alte Herberge wieder für Pilger und Radler geöffnet. Die 1994 gegründete Keramik- und Lehmbauwerkstatt befindet sich im früheren Stallgebäude des Dreiseitenhofes. Die rund 800 Jahre alte denkmalgeschützte Mittelscheune wurde liebevoll saniert. „Gesund im Einklang mit der Natur zu leben und von ihr zu lernen, gehört zu unserer Lebensphilosophie“, betonte Cornelia Bedrich. Bei der Führung stand sie uns zu vielen Fragen Rede und Antwort.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andreas Kirschke

 


 

 

Die Sonderausstellung "Hobbymalerei — Blumen, Landschaften & Stillleben"

wurde am Freitag, dem 18.09.2009, um 16 Uhr eröffnet. Frau Anita Guske, Leiterin des Malkurses in Burg, präsentierte zum ersten Mal einen Querschnitt der Arbeiten ihrer zehn Malschülerinnen. Die Repräsentation zeigte verschiedene Techniken und verschiedene Themen, wobei die Lieblingsthemen offensichtlich heißen: Blumen und Tiere.

Es war eine gut besuchte und fröhiche Ausstellungseröffnung; auf die Frage, welchen Namen der Malkurs hat, kam die spontane Antwort: Eigentlich keinen. Wir sind "Der fröhliche Mittwochkurs". Damit haben die zehn fröhlichen Frauen nun auch einen Namen.

 

 

  

 

 

Die Ausstellung ist bis Mitte November im Zejler-Smoler-Haus zu besichtigen.


 

 



 

Buchlesung mit dem Cottbuser Schriftsteller Jurij Koch                           

Vor über 20 Literaturfreunden las Jurij Koch am 30. Oktober 2009 aus der deutschen Fassung seiner Erzählung „Am Ende des Tages“.  

 

Historisch verbürgte Fakten gaben den Anstoß für das Buch. Jurij Koch entnahm sie dem Oberlausitzer Heimatkalender. Dort hatte ein Pitaval des Kulturredakteurs Manfred Ladusch gestanden: 1794 wurde der 19jährige Kuhhirt und Analphabet George Rietscher aus Horka öffentlich enthauptet, wegen erwiesener und zugegebener Brandstiftung in mehreren Fällen. Nur das war bekannt. Doch was ging voraus? Wer steckte dahinter? Ein krankhafter Brandstifter? Ein pathologischer Fall? Jurij Koch schrieb eine sorbische Version der Novelle „Michael Kohlhaas“ Heinrich von Kleists. Wie entsteht Gewalt? Wie entsteht Selbstjustiz? Und wie Terror? All dies hat ihn tief dabei bewegt. „Ich wollte eine Geschichte mit sozialem Hintergrund erzählen. Eine Geschichte der Vergangenheit. Doch in Wirklichkeit ist es eine Geschichte der Gegenwart“, betonte der Cottbuser Schriftsteller.Den Gästen gefiel seine verdichtete, bildhafte Natursprache. Immer wieder flossen hier sorbische Liedzeilen und Bauernworte mit ein. Vom „Womjěšk“ (Kraftfutter, Angemenge im Futter des Viehs) schrieb Jurij Koch. „Das war Getreideschrot, mit kochendem Wasser aufgebrüht, gemischt mit Kartoffeln und Magermilch, Futter für Kühe und Schweine“, erinnerte sich Günter Wenk aus Driewitz. Seit langem hatte er das Wort, dank Jurij Kochs Erzählung, wieder gehört. Erfrischend und lebendig fand er Freitagabend die Erzählung und will sie am liebsten zuerst in Sorbisch lesen.


 „Jurij Koch verwandelt die Worte in Bilder. Er erzählt sehr lebendig über die Natur“, meinte Andrea Kusche aus Mortka. „Er hat einen sehr gesunden, lustigen Sarkasmus“. Wie andere Gäste kam sie mit dem Autor noch ins Gespräch. Spannend fand die Mortkaerin die Gestaltung der Lesung. Jurij Kochs Art zu schreiben hat sie berührt. „Für mich wirkt die Erzählung wie ein lebendiges 3-D-Kino.“ Unter dem Autor-Namen Andora will sie selbst im November „Gedichte zum Schmunzeln und Nachdenken“ herausgeben. Sie werden im Novum-Verlag in Österreich erscheinen. 



     

 

 

Jurij Koch: „Am Ende des Tages“. Domowina-Verlag Bautzen 2008, ISBN-Nummer: 978-3-7420-2145-8, Preis: 12,90 Euro.

Sorbische Fassung: Jurij Koch: „Na kóncu dnja“. Domowina-Verlag Bautzen 2008, ISB-Nummer:: 978-3-7420-2120-5, Preis: 9,90 Euro

Andreas Kirschke

 


 

Die Weihnachtsausstellung 2009 im Zejler-Smoler-Haus 

wurde am 29. November eröffnet. Mehr als 50 Besucher waren erschienen. Das Thema

 der Ausstellung: "Märchen, Geschichten, Lieder, Bräuche und Spiele zum Weihnachtsfest".


Ein Weihnachtsmarsch, Weihnachts-blues, Weihnachtsjazz, Gedichte und Weihnachtslieder erklangen Sonntag  zur Eröffnung. Das Programm gestalteten Margitta Luttner, Klavierlehrerin an der Kreismusikschule Bautzen, mit ihren Schülern Sophie Walter (Klavier), Pauline Bartsch (Flöte), Elias Vater (Klavier) und Elin Vater (Klarinette, Flöte). Sogar ihre Eltern spielten und sangen mit.   

 

Auch Gerda Lehmann und Hubert Arle aus lohsa gehörten zu den Gästen  der Veranstaltung. Sie staunten über das Schleifer Christkind „Bože dźěćetko“ und die Begleiterinnen – eine Leihgabe aus dem Sorbischen Kulturzentrum Schleife.


Im originalen Schleifer Sorbisch heißt es „Bože Dźěćetko“ (Gottes Kindlein). Zur Adventszeit, so die Tradition, kommt es in den sieben Dörfern des Schleifer Kirchspiels – in Schleife, Rohne, Mulkwitz, Mühlrose, Trebendorf, Halbendorf und Groß Düben – vor allem zu den Kindern und Alten. Seine Tracht orientiert sich an der Tracht der ledigen Patin nachmittags zur großen Taufe. Dem Brauch gemäß muss das dźěćetko unerkannt bleiben. Es darf nicht sprechen, denn sonst ginge sein Zauber verloren. An jeder Türschwelle verneigt sich das Christkind drei Mal. Der Brauch will, dass es nie die Ortsgrenze überschreitet. Von Dorf zu Dorf unterscheidet sich die Tracht. Typisch in Schleife sind drei lange Doppelbänder bis zur Rockkante, zusätzlich zu üblichen Bändern. Zwei Mädchen, unverschleiert, begleiten das dźěćetko. Eines trägt die Laterne, das andere den Korb mit Äpfeln, Nüssen, Pfefferkuchen und Süßigkeiten. Das Christkind schlägt nicht und bestraft nicht. Stattdessen verheißt es Stärkung im Glauben, Segen, Güte, Glück, Gesundheit und Kraft für das neue Jahr. Mit dem Handrücken streichelt es drei Mal über die Wangen und legt die Rute auf die Schulter. Danach verteilt es kleine Gaben.


 Original erhalten sind zahlreiche Märchen- und Liederbücher zum Fest. Dazu gehört der „Märchenschatz. Eine Sammlung der schönsten Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm, Hans-Christian Andersens und Ludwig Bechsteins. Um 1900 erschien sie. Dieses und andere historische Märchenbücher sollen Lesefreude wecken. Einstimmen aufs Singen zum Christfest sollen Liederbücher in der Ausstellung wie „Wunderschöne Weihnachtszeit“, „Lichterglanz und Weihnachtszauber“ oder „Wenn es wieder Weihnachten wird“. Auf Wunsch können die Besucher auf CD – passend zur Ausstellung – Lieder des Dresdener Kreuzchors und des Leipziger Thomanerchors hören. Kinder können sich Märchenfilme per Video – etwa „Die Schneekönigin“ oder „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ – ansehen. „Wir hoffen, dass gerade auch Schulklassen zur Ausstellung kommen. Es gibt viel Wissenswertes zu erfahren“, unterstreicht Werner Thomas. Dankbar ist er für die Unterstützung der Einwohner mit Leihgaben. Die Ausstellung soll nicht nur „fürs Auge“ sein. Sie soll dem Lernen und Wissens-Vertiefen dienen.


 Wie feiern Italiener, Griechen, Niederländer, Franzosen, Engländer, Norweger, Schweden, Dänen, Polen und Russen das Fest? Wie entstand das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“? Welche kulinarischen Traditionen gibt es zum Christfest? Und wie vielfältig sind die Begriffe für „Weihnachtsbaum“? All dies können die Besucher ergründen. 



   

Viele Besucher bstaunten den wunderschönen Christnachtleuchter — eine Leihgabe der Familie Thomas aus Weißkollm. Der Leuchter erzählt Geschichte:  Werner Thomas, Mitgründer des Fördervereins, dokumentiert damit die Kriegsweihnacht 1944. In seinem Geburtsort Waldau (Oberlausitz / heute Polen) trugen die Jugendlichen Heiligabend Christnachtleuchter zur Messe in die Kirche. Streng getrennt – nach Ober- und Niederdorf – liefen sie ein. „Es war ein sehr feierlicher Ritus. Der Kantor wählte dazu bekannte Lieder aus“, erzählt der heutige Weißkollmer.

"Wir wollen vorstellen, wie vielfältig Weihnachten in christlichen ländern gefeiert wird; es gibt Gleiches, Ähnlichkeiten und Unterschiede", sagt Werner Thomas. Die Ausstellung soll innere Einstimmung auf das Weihnachtsfest sein, zu dem Märchen, Geschichten, Lieder, Bräuche und Spiele unbedingt dazugehören.


 

 

 

Bei der Eröffnungsveranstaltung wurden den Siegern des Insektenquiz´ auch die Preise überreicht. Die Sieger waren:

Lisa und Emmi Hendel (Lohsa), Martin Bäns (Weißkollm), Till Schermer (Weißkollm), Linus Langhans (Lohsa).

Zu sehen ist die Ausstellung bis dritten Advent  montags und donnerstags 10-12 und 13-17 Uhr, ebenso am 6. 12. und am 13. 12. von 14-17 Uhr sowie zum Lohsaer Weihnachtsmarkt am 12. 12. von 13-18 Uhr.



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 Erfrischender Humor mit Märchen für Erwachsene

 Märchen für Erwachsene und anderer Leute Kinder“ hieß am 20. Januar 2010 das Programm des Sorbischen Abends. Liederpoet und Kabarettist Bernd Pittkunings aus Dissen / Niederlausitz gestaltete ihn im Zejler-Smoler-Haus. Der Förderverein konnte dabei rund 30 Gäste aus nah und fern begrüßen.Warum sind Märchen nichts für Kinder? Warum haben die Sorben keinen König? Wie behielt der schlaue Bauer sein Geld? Was genau ist eine Plapotawka? Und warum haben die Sorben deutsch gelernt? Lebendig und mit erfrischenden Pointen erzählte der Gast. Er schilderte die Märchen – so wie sie früher Erzähler auf Märkten oder am Lagerfeuer nahe brachten. Dazu gehörte auch das obersorbische Märchen „Der kleine und der große Bär“. „….der Stärkste im Wald ist der Mensch“, nahm Bernd Pittkunings hier die Kriegsspiele mit Soldaten aufs Korn. „Ich mag das Zweideutige, das Hintersinnige an seinem Humor. Altbackene Klischees über die Sorben vermag er gut abzubauen“, meinte Gast Frank Niemtz nach Bernd Pittkunings Programm.„Durch seine Märchen taucht man wieder ins Kindheitsalter ein, meinte Udo Steglich aus Litschen. “Er spricht als älterer Mensch zu uns älteren Menschen – von Kind zu Kind. Schön, dass er das Publikum beim Singen mit einbezogen hat.“ Authentisch, lebendig, überzeugend fand er das Programm.

„Ich bin Pittkunings. Ich bin ein Sorbe und singe mein eigenes Lied.“ Das ist „Pittkos“ Motto. Der sorbische Liederpoet, Kabarettist und Erzähler Pittkunings hat 2003 die Kunst zu seinem Beruf gemacht. War er vorher nur in der Lausitz, in Belgien oder den USA zu hören, so hat sich sein Wirkungsfeld jetzt um Thüringen, den Ostseeraum, und die Gemeinde Neu-Seeland (Ortsteil Kunersdorf) bei Senftenberg erweitert. Derzeit erarbeitet er mit dem dänischen Liedermacher Björn Andresen ein gemeinsames Konzertprojekt und Folkloreprogramm in sorbischer, dänischer und deutscher Sprache. Ehrenamtlich arbeitet Bernd Pittkunings in einigen sorbischen Vereinen und ist Mitglied im Bundesvorstand der Domowina. Infos:www.pittkunings.com

Der Sorbische Abend soll auch 2011 weiter geführt werden. „Solange die Abende so gut ankommen, wollen wir sie fortsetzen“, sagte Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus, „ob zum Thema Geschichte, Musik,  Heimat oder zu anderen interessanten Themen – wir wollen weiter daran anknüpfen.“

Andreas Kirschke

 


 

Die Ausstellung zum Schülerprojekt

Leben und Wirken von Jan Arnošt Smoler (1816 – 1884) 

wurde am 02.02.2010 eröffnet.

Der Chor der Sorbischen Grundschule Bautzen unter Leitung von Gabriela Beitel und Schülerinnen der Sorbischen Mittelschule Bautzen erfreuten am  Dienstag zur Eröffnung der Ausstellung über den Verleger, Theologen und Publizisten Jan Arnošt Smoler (1816-1884) im Zejler-Smoler-Haus Lohsa zahlreiche Besucher aus nah und fern. Sorbische Volkslieder und Instrumentalstücke erklangen, unter anderem auch das bekannte „Zagraj nam rejku“ von Jan Paul Nagel“. 

    

Entstanden ist die Ausstellung zum 190. Geburtstag Jan Arnošt Smolers am 3. März 2006. Damals initiierte der Domowina-Kreisverband Bautzen ein Projekt für die sorbische Grundschule und die sorbische Mittelschule. In der Grundschule nahmen alle Klassen teil, in der Mittelschule vor allem die 5. und 6. Klassen. Vielfältige Tafeln zum Leben Smolers entstanden. Die 10. Klasse erstellte sogar ein Quiz.

  

Die Ausstellung wird bis Ende März im Zejler-Smoler-Haus Lohsa zu sehen ein.



Am 25. Februar um 19 Uhr

luden wir ein zur Buchpräsentation:

Hans Klecker

„Stolz darauf, ein Oberlausitzer zu sein“

Was ein selbstbewusster Oberlausitzer von seiner Heimat wissen muss.

Heimatgeschichtliches Buch mit 31 Kapiteln über Größe der Oberlausitz, Wappen, Einmaligkeiten und Sehenswürdigkeiten, schönste Dörfer, Volksfeste, Sprache, Gerichte, Trachten, Familiennamen, Heimatgruppen …

Außerdem fand der Verkaufsstart der neuen Broschüre „Buchwalde – Bokojna. Erinnerungen an die verlorene Heimat“ statt.



Starker Zuspruch zur Buchpremiere „Lausitz rundum“ von Alfons Frenzel am 26. März 2010 im Fledermausschloss Weißig

 „In Murkel-Dreene hat der Kirchturm zwee Beene.“ Meint der Volksmund. Murkel meint mundartlich Morchel. Ein voll beladener Erntewagen passte durch den Turm der Feldsteinkirche Walddrehna (im 13. Jahrhundert entstanden) westlich von Luckau. „Wo gibt es das schon?“, zieht Autor Alfons Frenzel Freitagabend weit über 50 Gäste im Fledermausschloss Weißig in seinen Bann. Der Domowina-Verlag und der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa haben zur Buchpremiere „Lausitz rundum. Zwischen Rand und Mitte“ eingeladen. Alfons Frenzel knüpft damit an sein Buch „Lausitz grenzenlos“ an.

Reiche Geschichte und Kuriositäten beschreibt er in 58 Kapiteln. Kirchen wie die in Walddrehna gehören dazu. Wo gibt es auch eine wendisch-deutsche Doppelkirche wie in Vetschau? Und wo – wenn nicht in der Lausitz – steht die größte evangelische Dorfkirche Deutschlands? „Drei Emporen und insgesamt 2632 Sitzplätze, das ist für eine barocke Kirche enorm“, beschreibt der Rosenthaler das Gotteshaus Cunewalde. Wo gibt es auch eine 1200 Jahre alte, immergrüne Eibe wie in Henryków Lubański (früher Hennersdorf)? Am linksseitigen Ufer der Queis in Polen steht sie. „Was mag der Baum erlebt haben? Wie hat er so lange überlebt? Was ist in 1.200 Jahren passiert?“, meint der Autor nachdenklich. „Man kann diese Eibe wohl kaum mit einer anderen lebenden Gattung vergleichen.“ Immer wieder liest er aus der reichen Geschichte der Lausitz. Sie leitet ihren Namen von sorbisch „łuža“ (Pfütze, Tümpel) ab. Die „Lusici“ waren Bewohner einer wasserreichen Gegend. Ins Lausitzische Troja führt der Autor die Zuhörer. Gemeint ist Ostro bei Panschwitz-Kuckau. Dort liegt die größte Wallanlage der Gegend, das am besten erhaltene Flächendenkmal der Oberlausitz. „An ihm lässt sich die gesamte Vorgeschichte des Landes rekonstruieren“, so Alfons Frenzel. Er schildert auch kuriose Ortsnamen. „Ninive“ (bei Herrnhut) gehört dazu. Ebenso „Philadelphia“ und „Neu-Boston“ (bei Storkow), „Almosen“ (bei Großräschen) oder das frühere „Niemaschkleba“ (unweit von Guben). 1936 benannten es die Nazis in „Lindenhain“ um. Seit 1945 heißt es „Chlebowo“. „In der neuen Zeit wollte niemand mehr ‚ohne Brot’ leben“, schildert der Autor. Spannung weckt er mit dem Kapitel über Adolf Traugott von Gersdorf (1744-1807). Dieser war nicht nur Freiherr, sondern auch Gelehrter, Mineraliensammler, Sozialreformer und Mitgründer der Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaften. Er führte die ersten Blitzableiter in der Lausitz ein. Alfons Frenzel würdigt Gersdorfs Wohltätigkeit im Stillen. Viel Zuspruch erfährt die Lesung Freitagabend.

„Spannend ist vor allem die polnische Seite der Lausitz“, meint Ingrid Miersch aus Koblenz. Erst voriges Jahr im Herbst entdeckte sie auf einer Fahrt des Bautzener Chronistenvereins die Schlösser Gronau und Meffersdorf. Alfons Frenzels Lesung führt ihr die Sehenswürdigkeiten wieder vor Augen. „Die Lausitz ist unglaublich vielschichtig. In den Sprachen, in der Geschichte, in den Landschaften, in der Kultur und Politik“, meint Gerold Feige aus Bautzen, engagiert im Verein Altstadt Bautzen e. V. und im Sächsischen Heimatverein Oberlausitz e. V.. „Seit die Grenzen offen sind, kann man das alles erst wirklich entdecken.“ Alfons Frenzels Lesung inspiriert ihn. Gerold Feige nimmt viele Anregungen mit. „Alfons Frenzel ist ein sehr populärer, wertvoller Autor für uns. Er schließt eine wichtige Lücke in unserem Angebot – die Heimatgeschichte“, betont Měrka Mětowa, Verantwortliche für Werbung beim Domowina-Verlag. Der Ort Fledermausschloss Weißig ist für die Buchpremiere gezielt gewählt. Ein besonderer historischer Ort in reizvoller Landschaft sollte es sein. „Viele Lausitzer kennen die Kerngebiete und Kernorte. Doch wie gut kennen sie die Randgebiete? Gerade hier gibt es viele Einzelheiten zu erfahren und zu entdecken“, meint Alfons Frenzel, früher Lehrer für Sorbisch, Geschichte und Englisch in der Sorbischen Mittelschule Ralbitz.

Alfons Frenzel: „Lausitz rundum. Zwischen Rand und Mitte.“ Bautzen Domowina-Verlag 2010, 19,90 Euro, ISBN-Nr.: 978-3-7420-2150-2. Buchpremiere in der Niederlausitz: am 9. April 19 Uhr Buchhandlung „Lesezeichen“ in Burg / Spreewald. Infos:www.domowina-verlag.de.

Andreas Kirschke




Jahreshauptversammlung des Vereins am 15. April 2010


Mitglieder und Gäste hörten am Donnerstag den Rechenschaftsbericht des Vorstands auf der Jahreshauptversammlung des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e.V.



Vereinsvorsitzender Reinhardt Schneider dankte darin für das vielfältige Engagement aller Mtglieder und Freunde des Vereins. Sämtliche Aufgaben, die der Verein sich für die vergangenen zwei Jahre gestellt hatte, konnten erfüllt werden.


Als Schwerpunkte für die nächsten Monate nannte der Vorsitzende die Renovierung der Archivräume im Hof, die Klärung der Möbelaufbewahrung, den Zukauf von Software sowie Reparaturarbeiten am Handrij-Zejler-Denkmal. Nach den Schriften über Neida und Buchwalde soll auch für Neu Lohsa eine Erinnerungsschrift entstehen. Nach Abschluss der Außensanierung am Pfarrhaus wird eine neue Ansichtskarte zu den Lebensstationen Handrij Zejlers in Lohsa angefertigt werden. Sie soll Zejlers Lebensstationen  - Pfarrhaus, Kirche, Grab und Denkmal - zeigen. Gedacht ist die neue Ansichtskarte vor allem für Touristen, Urlauber, Gäste und Interessierte. Erweitern will der Verein zudem die Heimatausstellung. Themen wie Kohle, Eisenerz, Ton, Mineralien und die Ausgrabungen bei Weißkollm sollen Zugang finden. Eine Broschüre über Lehrer, Schriftsteller und Patriot Heinrich Jordan (1841-1910), der von 1861-1863 Lehrer in Lohsa und 1863-1872 Lehrer in Hermsdorf war und 1864 das erste „Sorbisch-deutsche Lesebuch für mittlere Klassen“ herausgegeben hat, will der verein vorbereiten und herausgeben. Der Lohsaer Kaufmann Johann Hajesch (1873-1960) soll zu seinem 50. Todestag am 5. Dezember gewürdigt werden, indem an seinem früheren Wohn- und Geschäftshaus Görlitzer Straße 2 eine Gedenktafel eingeweiht wird. Johann Hajesch war 1912 Mitbegründer der Domowina.

Der deutsch-sorbische Gesprächsabend im Zejler-Smoler-Haus hat wieder großen Zuspruch gefunden. Zum 4. Gesprächsabend im Januar 2011 sind Mitglieder des Sorbischen Folkloreensembles Schleife eingeladen. Wir werden  den Schleifer Dudelsack und die kleine und große dreisaitige Geige kennen lernen.


Derzeit gehören zum Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus 45 Mitglieder. Junge Mitstreiter, die sich für Geschichte, Kultur und sinnvolle Freizeit engagieren wollen, sind willkommen.

Zum neu gewählten Vorstand unseres  Vereins gehören Reinhardt Schneider, der wieder zum Vorsitzenden gewählt wurde, außerdem Edith Krauß, Elke Nagel, Grit Pelzer, Gabriele Knothe, Roland Trentzsch, Werner Thomas, Karl-Heinz Roblick und Andreas Kirschke.







Ein Blumenstrauß vür den alten und neuen Vorsitzenden des Vereins, Herrn Reinhardt Schneider.





Ökumene-Radtour des Kirchenkreises Hoyerswerda

 

Die diesjährige Ökumene-Radtour des evangelischen Kirchenkreises Hoyerswerda führte am 30. Mai nach Lohsa. Mit einer Andacht, Gebet und Gesang in der Kirche begann die Erkundung. Günter Wenk vom Gemeindekirchenrat erläuterte Geschichte, Sanierung und Besonderheiten der evangelischen Kirche.

 

Er ging auch auf weitere wichtige Bauvorhaben wie Trauerhalle und Pfarrhaus ein. Bis August soll die Trauerhalle fertig saniert sein. Am Pfarrhaus ist noch der untere Bereich der Fassade zu streichen.  

Andreas Kirschke vom Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus sprach über den Pfarrer, Dichter, Publizist, Landwirt und Schulinspektor Handrij Zejler (1804-1872) und erläuterte er die Geschichte des Denkmals. Der Förderverein hat hier und am Pfarrhaus, am Zejler-Smoler-Haus, an der Kirche und am Grab Handrij Zejlers Informationstafel angebracht. In Deutsch, Sorbisch, Polnisch, Tschechisch und Englisch sind sie beschriftet.


Werner Thomas, Gründungs-mitglied des Vereins, hieß die Gäste herzlich im Zejler-Smoler-Haus willkommen. Er sprach über Geschichte und heutige Bedeutung des Hauses. Die Gäste besichtigten die Ausstellungen über Handrij Zejler und Jan Arnošt Smoler, über die im Raum Lohsa abgebaggerten Orte sowie über Lohsaer Persönlichkeiten in Vergangenheit und Gegenwart. Jörg Michel, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Hoyerswerda-Neustadt und Organisator der Ökumene-Radtour, dankte herzlich für die Gastfreundschaft. „Wir haben viele Anstöße bekommen. Es lohnt sich, manches Thema zu vertiefen.“

 

Andreas Kirschke

 


 

Am 18.06.2010 erwartete uns im gut besuchten Vereinsraum des Zejler-Smoler-Hauses ein Vortrag von Kerstin Kühne (Halle):
 
 

„Die archäologischen Ausgrabungen

 

der eisenzeitlichen Gräber bei Weißkollm“


 

  

 Mit der Archäologin hatte  Andreas Kirschke vorab gesprochen:


Frau Kühne, was war Hintergrund der damaligen Ausgrabungen?

Kerstin Kühne: Auftraggeber war das Landesamt für Archäologie in Dresden. Der dortige Gebietsreferent Stefan Krabath leitete die Ausgrabungen. Hintergrund waren Begehungen durch ehrenamtliche Denkmalpfleger auf dem Feld bei Weißkollm. Dort sammelten sie viele Scherben von der Oberfläche. Sie leisteten akribische Arbeit. Die Frage war, wie viel an Scherben und Fundstücken noch unter der Erde zu erwarten war.

Wie gingen Sie methodisch vor?

Kerstin Kühne: Anhand der Begehung ließen sich die Ausmaße des Gräberfelds ungefähr erfassen. Wir haben dann drei kleine Suchschnitte angelegt. Jeder war 10 mal 20 Meter groß. Die Ausgrabungen im August 2008 dauerten vier Wochen.

Was genau entdeckten Sie?

Kerstin Kühne: Durch die Begehungen wussten wir ja schon ganz gut, was kommen sollte. Gefreut hat uns dann der gute Erhaltungszustand einiger Gräber – wir haben einige sehr schöne Gefäße gefunden und eine Eisennadel, die noch in ihrer ursprünglichen Position auf der Urne lag. Ziemlich unverhofft kam auch eine Pfeilspitze aus Stein ans Tageslicht, sie stammte aus der Zeit der Schnurkeramik und war damit ein paar tausend Jahre älter als der Rest des Gräberfeldes.

Zu welchen Erkenntnissen kamen Sie und ihre Kollegen?

Kerstin Kühne: Wichtig war zu sehen, ob und wie viel von den Gräbern noch erhalten war – da ließen sich innerhalb des Gräberfeldes starke Unterschiede erkennen, da die Menschen der Bronzezeit die ersten Gräber auf einer leichten Erhöhung anlegten. Diese Bereiche waren durch Erosion und Tiefpflügen am meisten gestört. Viel besser erhalten waren die späteren Gräber der Eisenzeit. Hier sieht man wunderbar den Aufbau eines solchen Grabes.

Wie weit dienen die Erkenntnisse zur weiteren Forschung?

Kerstin Kühne: Wünschenswert wäre eine Aufarbeitung der Funde, das heißt, eine genaue Datierung und Einordnung in das Umfeld, so dass Weißkollm zur Erforschung der bronzezeitlichen und eisenzeitlichen Besiedlung in der Lausitz beitragen kann. Rund um unser Gräberfeld finden sich Hinweise auf bronze- und eisenzeitliche Dörfer, und so kann man das Bild einer so genannten Siedlungskammer entwickeln. Hier ließe sich zeigen: wo lebten die Menschen? Wo bestellten sie damals ihre Felder? Wo und wie bestatteten sie ihre Toten?

Aus welcher Zeit genau stammen die Funde? Was erzählen uns die Funde von damals?

Kerstin Kühne: Die Funde stammen aus der Lausitzer und Billendorfer Kultur. Das sind die Bezeichnungen für die späte Bronze- und frühe Eisenzeit hier in der Gegend. Angelegt wurden die Gräber etwa zwischen 1300 und 600 vor unserer Zeitrechnung. Hauptsächlich erzählen die Funde etwas über die Begräbnis-Sitten der Zeit. Die Toten wurden zumeist verbrannt und in einer Urne bestattet. Mit in das Grab gab man Gefäße. Wir haben bis zu 18 Stück in einem Grab gefunden. Natürlich kann man anhand der Machart der Gefäße auch sehen, wie weit die Technologie damals entwickelt war. Weil die Gräber immer gleich aufgebaut sind, lässt sich sogar der Grabritus rekonstruieren. Man kann also sehen, wie die Lebenden die Toten behandelten.

Was faszinierte Sie selbst bei den Arbeiten in Weißkollm?

Kerstin Kühne: Fasziniert hat mich am meisten die fundierte Kenntnis der ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger. Sie bildeten unsere Grabungsmannschaft. Die Ehrenamtlichen waren unerlässlich.

Sollten die Weißkollmer Erkenntnisse und Funde in einer Ausstellung zusammengefasst werden?

Kerstin Kühne: Der Zejler-Smoler-Verein regt das an. Ich halte das für eine gute Idee. Es sind wirklich sehenswerte Funde.


Herzlichen Dank für das Gespräch.


Archäologin Kerstin Kühne hat in Greifswalde, Uppsala (Schweden) und in Berlin an der Humboldt-Uni studiert. 2005 schloss sie mit dem Magister ab. Seitdem war sie in verschiedenen Orten tätig, so auch in Hamburg und in Jordanien. Die Grabungen im August 2008 waren Teil ihres Volontariats von Januar 2007 bis Mai 2008 im Museum der Westlausitz Kamenz. Heute arbeitet Kerstin Kühne in Halle beim Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt im „Mobilen Archäologenteam“. Das heißt, sie betreut viele kleine Baustellen im Land Sachsen-Anhalt.

 



 

Fest der sorbischen Poesie — eine Veranstaltung des sorbischen Küstlerbunds e.V. am 6. August 2010 in Lohsa zu Ehren der Lohsaer Volksdichterin Hańža Budarka (Agnes Buder) 

Das Streichquartett des Sinfonischen Orchesters Hoyerswerda – mit Christiane Vogel (1. Violine), Liane Schramm (2. Violine), Andreas Thomas (Viola) und Jan Albrecht (Violoncello) begleitete den Poesieabend zu Ehren der Mortkaer Volksdichterin Hańža Budarka. Es spielte eine der „Serenaden für Streichertrio“ von Korla Awgust Kocor und die „Borkowska“ aus den „Sorbischen Tänze für Streichquartett“ von Jan Paul Nagel.

  

 

 Eine Suppe aus Bier? Mit Rosinen, Zucker und Schaben? „Aller Augen warten hier / auf die Suppe, die aus Bier. / Jeder schaut zu ihr nur hin, / jedem steht danach der Sinn“, las Elke Nagel ihre deutsche Nachdichtung des humorvollen Alltagsgedichts „Piwowa poliwka“ (Die Biersuppe) der Mortkaer Volksdichterin Hańža Budarka (1860-1937).

Der Poesieabend würdigte Budarkas Werke in vier Sprachen: Róža Domašcyna aus Bautzen (obersorbisch), Elke Nagel aus Mortka (deutsch), Christiana Piniekowa aus Cottbus (niedersorbisch) und Urszula Usakowska-Wolff aus Berlin (polnisch) trugen Budarkas vor und lasen auch eigene Gedichte. Durch das Programm führte Milenka Retschke mit viel Witz und Charme.


Mehr als 30 Gäste lauschten gespannt den Erinnerungen an die Volksdichterin.

Agnes Buder verfasste rund 170 Gedichte. Stark engagierte sich die Budarka in Lohsa im 1911 gegründeten Wendischen Verein „Handrij Zejler für Lohsa und Umgebung.“ Zu den sorbischen Festen schrieb sie die Prologe. In der Zeit des Ersten Weltkrieges 1914-1918 schrieb Budarka viele Auftragswerke, gereimte Annoncen für Gefallene, aber auch Gedichte über den Schrecken des Krieges.

   „Ihre Dichtung wurzelte im Volk, mitten in der Region. Sie beschrieb den Alltag im Kleinen, und das mit einem feinsinnigen, liebenvollen Blick fürs Detail“, meinte die polnische Dichterin und Übersetzerin Urszula Usakowska Wolff aus Berlin. „Sie schrieb über das, was sie vorfand. Das entspricht literarischen Strömungen, die damals vorherrschten.“

 




 

 


 


Budarkas Sprachwitz, ihre Lebensnähe, Gegenwärtigkeit und Reimkunst begeistern auch die Bautzener Dichterin Róža Domašcyna. In Obersorbisch trug sie Budarkas Szene „Auftritt beim Faschingsvergnügen in Lohsa 1892“ vor. Sie regte dessen deutsche Nachdichtung an

 

 
                                

„Es ist die Schlichtheit und Konkretheit der Sprache. Sie bringt sie rhythmisch in Form.

Man spürt ihre Intuition“, würdigte Schriftstellerin Christiana Piniekowaaus Cottbus die Volksdichterin. Sie regte an, der Budarka ein Heft in der Reihe „Serbska Poezija“ (Sorbische Poesie) im Domowina-Verlag zu widmen.









 

 

 

Andreas Kirschke / Elke Nagel

Fotos: A. Kirschke

 


  

Ziel unserer diesjährigen
 

Sommerausfahrt  

 

 am Sonnabend, d. 25.09. 2010

     

war das renovierte und mit neuester Technik ausgestattete

   

Stadtmuseum Bautzen.

 

 

Der Museumspädagoge Ulrich Schollmeyer nahm sich viel Zeit. Weit über zweieinhalb Stunden dauerte seine Führung.

Sie erinnerte an die Ursprünge des Museums durch Gründer Oskar Roesger (1843-1910). „Der Bautzener Buchhändler und vielseitige Sammler Oskar Roesger erreichte es, dass die Stadt Bautzen im Jahr 1869 das Altertumsmuseum der Stadt Bautzen gründete“, hieß es in der Ausstellung. „Darin wurde unter anderem auch Roesgers regionale und urgeschichtliche Sammlung aufgestellt, die bis heute im Museum aufbewahrt wird.“

Anschaulich und originell erläuterte Ulrich Schollmeyer die Inhalte. Im Erdgeschoss geht es um Archäologie und Volkskunde. Grafiken zeigen die Einwohnerentwicklung der Oberlausitz. Darin inbegriffen sind auch die Sorben. Im Erdgeschoss erfährt man auch viel über Gesteine. Eine Baumscheibe der Crostauer Eiche, die 1786 gepflanzt und 1933 gefällt wurde, lässt die Besucher ehrfürchtig erstaunen. Die so genannte „Blattspitze“ aus Stein stammt aus der Zeit um 40.000 vor Christus. Dieses Steinfragment wurde auf dem Protschenberg nahe Bautzen entdeckt und ist der älteste Fund in der Oberlausitz. Typisch für die Oberlausitz, so Ulrich Schollmeyer, war die so genannte Buckelkeramik. Im Museum entdeckt der Gast zahlreiche Funde. Wie alle Themen ist auch dieses präzise und übersichtlich erklärt. Die Infotafeln erklären in Deutsch und in Englisch. Die Überschriften stehen auch in Sorbisch darauf. Dies wird der Zweisprachigkeit der Region gerecht.

Tiefgründig ist der Bereich Stadtgeschichte im ersten Obergeschoss. Hier geht es um etwa um den „Bürger Eydt Wendisch“ von 1532 und die Erläuterung verschiedener Epochen. Mittendrin ist auch eine kleine Sammlung sorbischer Musikinstrumente mit Dudelsack, kleiner dreisaitiger Geige und großer dreisaitiger Geige. Der Gast entdeckt ebenso Hörbeispiele von Dialekten in der Region. Sie stammen aus den Orten Deutschbaselitz (1961), Deutsch-Ossig (1961), Großhennersdorf (1961), Leippe-Torno (1961) und Nardt (1961). Anschaulich erläuterte uns der Museumspädagoge auch Bauweise, Geschichte und Inhalte der Umgebindehäuser. Die Ausstellung im Museum zeigt das Modell Umgebindehaus Meschwitz von 1789.

Als typisch für die Oberlausitz stellte Ulrich Schollmeyer auch die religiöse Toleranz nach der Reformation heraus. Im Museum ist sogar ein Kirchenraum mit christlicher Kunst entstanden. Der Museumspädagoge sang spontan ein Lied auf Latein vor und zeigte uns damit die einzigartige Akustik des Raumes. Museumsgründer Oskar Roesger trug zwischen 1860 und 1910 eine herausragende Sammlung sakraler mittelalterlicher bis barocker Holzskulpturen aus der Region zusammen“, heißt es in der Ausstellung. „Dies reichte von einer Madonna des 14. Jahrhunderts über liturgische Gewänder bis hin zum Elfenbeinkruzifix aus dem Umkreis Balthasar Permosers.“

Ulrich Schollmeyer zeigte uns später die mittelalterliche Medizin in Bautzen. So erläuterte er das Schröpfen und zeigte, wie man sich im Mittelalter mit einer besonderen Maske vor der Pest schützte.

Im zweiten Obergeschoss kann der Gast schließlich Lausitzer und Dresdner zeitgenössische Kunst besichtigen. Für diese Sammlung von Gemälden sollte er sich Zeit nehmen. Alles in allem war es ein gelungener, sehr informativer Ausflug. Den Besuch im Museum können wir sehr weiterempfehlen. Ratsam ist dabei eine Führung – wegen der Fülle an Wissen – oder die Orientierung auf einzelne Themenschwerpunkte.

Weitere Infos: www.museum-bautzen.de.

Andreas Kirschke



 Kleine Kunstwerke von Schülern

 

Eine neue Ausstellung eröffnete am Freitag der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e.V. (Am Markt7). Schüler, Lehrer und Verwandte gehörten zu den ersten Besuchern. Die Ausstellung zeigt Malereien, Bastelarbeiten und Wandzeitungen von Schülern der Fritz-Kube-Grundschule des Lohsaer Ortsteils Weißkollm. Entstanden sind die kleinen Kunstwerke im Sach- und Projektunterricht, im Hort, in den Ganztags-Angeboten sowie in den Unterrichtsfächern Kunsterziehung / Werken.

Junge Weißkollmer haben damit seit Freitag eine eigene „Werkschau“ im Gemeinde- Haupt-Ort Lohsa – sie ist überaus sehenswert.



Hannah Lippert, Jenny Wilke, Lydia Schramm (jeweils 2.Klasse) und Emmi Hendel (4. Klasse) gehörten zu den ersten Besuchern der Ausstellung. „Besonderer Dank gilt den Lehrern, Horterziehern und Leitern der Ganztagsangebote“, unterstrich Werner Thomas, Gründungsmitglied des Fördervereins, zur Eröffnung. „Sie haben die Kunstwerke ausstel-lungsreif vorbereitet.“





Gerda Lehmann aus Lohsa umrahmte die Eröffnung mit Musik aus ihrem über 100 Jahre alten Leierkasten.


Alle Arbeiten der Ausstellung entstanden im vergangenen Schuljahr. Hortkinder fertigten kleine Ziegelbauten als Modelle an. Der AWO-Hort übte sich im kreativen Gestalten mit Naturmaterialien, mit Sand und mit Tonziegeln. Schüler der 4. Klassen widmeten sich an drei Tagen dem Projekt „Honigbiene.“ Dies geschah in Zusammenarbeit mit Bodo Plesky, Mitarbeiter für Umweltbildung im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. „Wir lernten vieles über die Honigbiene und die allein lebende Biene“, vermerkten die Schüler auf ihrer liebevoll gestalteten Wandzeitung. „Noch dazu verteilten wir die Rollen für ein Theaterstück, um es anschließend in der ganzen Schule zu spielen.“


Andere Schüler berichten in der Ausstellung über das Zampern, über ein Insektenhotel, über das Dorf Weißkollm und über die Gemeinde Lohsa. Letzterem Thema widmete sich die 3. Klasse. Die Schüler schrieben auf, was ihnen in der Gemeinde gefällt – zum Beispiel das Dorfgemeinschaftshaus Litschen, die Idylle am Dorfteich Weißkollm und der Wildlehrgarten mit vielen Tieren aus Beton von Reinhard Jatzke am Silbersee in Friedersdorf. Sie vermerkten auch, was ihnen nicht gefällt – das geschlossene Freibad Lohsa, die geschlossene Gaststätte „Zum Falkner“ Litschen und immer wieder Verschmierungen und Vandalismus in der Gemeinde. „Die Ausstellung im Zejler-Smoler-Haus ist Anerkennung und Wertschätzung für die Schüler“, unterstrich Dorothea Stramke, Lehrerin der 4. Klasse. „Das spornt die Schüler weiter an. Es ist unsere bisher größte Ausstellung von Schülerarbeiten im Zejler-Smoler-Haus.“


Bis Ende November ist die Schau montags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr im Zejler-Smoler-Haus zu sehen. Außerhalb dieser Termine ist eine Besichtigung nach vorheriger gesonderter Vereinbarung unter der Telefonnummer 035724/5 02 56 möglich.



Andreas Kirschke


 





„Als der Komponist spielte“ — Konzert am Flügel von Jan Paul Nagel

am Sonnabend, dem 16. Oktober 2010, 15 Uhr, in Lohsa / Mortka, Silberseehaus


Viel Zuspruch fand am Sonnabend das Herbstkonzert im Silberseehaus in Mortka. 61 Gäste aus nah und fern waren gekommen, es gab keinen einzigen freien Platz mehr!

Der ENA-Musikverlag Bautzen, Liana Bertók als freischaffende Pianistin, Komponistin und Verlegerin, der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. und Zahnarzt Dr. André Jakubetz als Gastgeber hatten eingeladen; die Stiftung für das sorbische Volk unterstützte das Konzert am Flügel des Komponisten Jan Paul Nagel finanziell.

Aufgeführt wurden — neben einem Stück von Frédéric Chopin und zwei Liedern von Robert Schumann anlässlich des 200. Geburtstages dieser Komponisten — Werke von Komponisten des ENA-Musikverlages: Jan Paul Nagel, Hubert Kross, Liana Bertók, Korla Awgust Kocor und Leopold Schefer. Hubert Kross war selbst Gast des Konzerts. Der gebürtige Leipziger lebt heute als freischaffender Komponist in Freiburg im Breisgau. Viele Jahre war er zuvor an verschiedenen Theatern, im Konzert und im Rundfunk als Dirigent tätig, mehrere Jahre auch beim Sorbischen Nationalensemble Bautzen.

Liana Bertók begeisterte mit ihrem Klavierspiel. Wie ein unaufhörlicher Selbstläufer klang ihre eigene Komposition, das „Perpetuum mobile“. Sie spielte intensiv, voller Temperament und Dynamik.  „So ein Klavierflügel hat eine Seele und ein Gedächtnis. Es ist ein starkes Erlebnis, auf ihm zu spielen“, meinte Liana Bertók. Dem Komponisten Nagel verdankt sie viel. In den 1980er und 1990er Jahren nahm er entscheidend Einfluss auf ihre musikalische Entwicklung. „Ohne seine Ermunterung hätte ich mich nicht ans Komponieren gewagt“, betonte die Bautzenerin.


Zusammen mit Christoph Wenk spielte sie Nagels „Sonate für Violoncello und Klavier“.

„Nagels Musik ist sehr eigenwillig, ehrlich und frei heraus, sagte sie nach dem Konzert. „Sie verlangt den Interpreten viel ab, man muss sich 100 Prozent auf ihn einlassen. Hier sind Einsatz und Konzentration gefragt.“ Das bestätige auch Christoph Wenk. Schon 1995 spielte er Nagels „Sonate für Violoncello und Klavier“. Dessen Musik entdeckt er bis heute immer wieder neu. „Sie ist facettenreich. Sie eröffnet gestalterische Freiräume. Man kann sie mit einer großen Emotionalität erfüllen“, unterstrich der Cellist aus Prautitz. Dass so viele Gäste zum Konzert kamen, freute ihn. Er lobte die Unterstützung durch die Stiftung für das sorbische Volk. „Das zeigt die Verantwortung für das musikalische Erbe. Das zeigt die Verantwortung für das Schaffen der sorbischen Künstler“, sagte er.


 Mezzosopranistin Stephanie Hauptfleisch aus Dresden sang, begleitet von Christoph Wenk und Liana Bertók, die Mistral Lieder II, „Kubanischer Reigen“ und „Tanz auf dem Hügel“, komponiert von Jan Paul Nagel, das Lied „Poslednja kwětka“ von Liana Bertók und zwei der vertonten Lessing-Fabeln aus „LESS(w)ING“ von Hubert Kross und die "Norwegischen Lieder" von Korla Awgust Kocor.




Die Flötistin Nadja Paschew interpretierte temperamentvoll und einfühlsam die „Vier Stücke für Flöte solo“ von Jan Paul Nagel und die „Kleine bukolische Suite“ von Hubert Kross.



De Zuhörer spendeten den Interpreten viel Beifall.







 

 



Die Interpreten mit dem Komponisten Hubert Kross






 








 



 

Vor dem Konzert hatte Dr. André Jakubetz zur Besichtigung seiner noch im Bau befindlichen Burg eingeladen.

Sie soll im September 2011 fertig sein. Momentan werden Haupttor und Eingangsbereich gestaltet, im Frühjahr wird der Innenhof gepflastert. Das Baumaterial stammt vorwiegend aus dem Abbruch von Scheunen, Wohnhäusern, Kellern und Bauernhöfen aus der gesamten Lausitz. Die Burg soll die Geschichte des Mittelalters in der Region zeigen.


Sie ist vor allem für Radtouristen und Urlauber gedacht. Vier Ferienwohnungen entstehen in der Burg. Ein Regional-Laden soll Erzeugnisse der Landwirtschaft, Töpferei, Schmiede und Handarbeit der nahen Umgebung anbieten. Auf der Burg soll es auch eine Schauschmiede und eine Schautöpferei geben. Ein Gewölbekeller soll zum Feiern einladen. Die Finanzierung erfolgt aus Eigenmitteln. „Für den Innenausbau“, so André Jakubetz, „haben wir Fördermittel aus dem Programm ILEK beantragt.“


 Der "Burgherr", Dr. André Jakubetz,

         und zwei Mutige ganz oben.  
                        



 


 

Lohsa erlebte am Sonntag ein ungewöhnliches Posaunenkonzert

Das Trio „Slide Affair“ aus Cottbus – Ellen Wemmel (links), Rainer Pfundstein (Mitte) und Andreas Zach (rechts) – begeisterte mit Werken vieler Komponisten.


 

Hoch oben auf der Orgelempore eröffneten sie ihr Konzert. Später spielten sie vorn vor dem Altarraum. „Da ist unglaublich viel Präsenz. Als wenn ein ganzes Orchester spielt“, meinte Besucher Johannes Kasper begeistert. „Diese Akustik hier in der Kirche wirkt einfach phantastisch.“ Der Bröthener gehörte zu den 81 applaudierenden Gästen aus nah und fern. kam Das Konzert war auf Initiative der Musiker zustande gekommen, die Organisation hatte, in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa, die evangelische Kirchengemeinde Lohsa übernommen.

Erstaunliches offenbarte das Konzert. Spielen doch Posaunisten als Trio höchst selten. Im Herbst 2007 hatten wir ein Konzert in Cottbus, erzählte Andreas Zach von „Slide Affair“ — der Name hat mit dem Posaunenzug (engl. „Slide“) zu tun — und wollten eigentlich dort als Quartett auftreten. Doch eine Kollegin war erkrankt. So mussten wir in einer fünfstündigen Kampfprobe ein neues Programm erstellen. Das war sehr anstrengend, aber die Gruppe hat es gemeistert. Seitdem tritt sie als Trio auf. Im Unterschied zum Quartett ist hier der einzelne weit mehr gefordert. Das geht los bei der Konzentration. Das betrifft auch das Musikalische, die Präsenz und die Kraft.

International gestalteten die Musiker ihr Programm in Lohsa. Sie führten Werke von Orlando di Lasso (1532-1594), Jean-Joseph Mouret (1682-1738), Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749), (Antonin Dvořák (1841-1904), George Gershwin (1898-1937) und weiteren Komponisten auf. Auch sorbische Werke aus dem Lohsaer Liederbuch erklangen: Die Posaunisten erfreuten mit Detlef Kobjelas Komposition „Friede sei auf Erden“, mit den beiden Volksweisen „Běži woda“ und „Hinter wend’scher Heide“ und den Liedern „Mädchen wollt nach Wasser gehen“ und „Ave Maria“ des sorbischen Komponisten Jan Paul Nagel; sie hatten diese Lieder für drei Posaunen arrangiert.

Sogar eine Zugabe gab es noch: Ein „Alpenländisches Abendlied“.

Sie haben auch die sorbische Seele getroffen, freute sich Organisator Günter Wenk vom Gemeindekirchenrat über das gelungene Programm. Wer zu Hause auf dem Sofa geblieben ist, der soll sich ärgern.

Gerade die Posaune, so hatte er in seinen einführenden Worten zu Beginn des Konzerts betont, spiele unter den Blechblasinstrumenten eine Sonderrolle. Während Trompeten und Hörner meist mit einfachen drei Ventilen auskommen, haben Posaunen sieben(!) Zugmöglichkeiten. „Lobet den Herrn mit Posaunen“, heißt es in der Bibel. Gott kündigt sich immer unter Posaunenklang an. Auch am jüngsten Gericht. Psalmen rufen zum Gotteslob mit Posaunen, Posaunisten müssen sich ihrer Seele bewusst sein. Denn sie legen ihre Seele in die Musik hinein.

Andreas Kirschke





Weihnachtsausstellung zum Thema „Weihnachtsengel“ in Lohsa eröffnet

Mit besinnlicher weihnachtlicher Musik und traditionell bei Kaffee und Kuchen wurde die Ausstellung am 28.November um 14.30 Uhreröffnet.



Margitta Luttner, Musiklehrerin in der Kreismusikschule Bautzen, gestaltete mit ihren Schülern Anna und Sarah Weise aus Förstgen, Elin und Elias Vater aus Klitten, Pauline Bartsch aus Neudorf / Spree und Sophie Walter aus Reichwalde das Programm.

 

Die Ausstellung entstand dank der Leihgaben von Familien. „Ihnen gilt unser besonderer Dank“, unterstrich Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., zur Eröffnung. Familien aus Lohsa, Weißkollm, Riegel, Hermsdorf, Steinitz, Neudorf bei Kreba und Knappenrode sowie die Bastelfrauen aus Koblenz brachten sich ein. Mitten in der Ausstellung gibt es auch eine Bastelecke für Kinder und Eltern.

 




Geschichte, Weihnachtsbräuche mit Engeln, Engelbücher, Engel-Bäckereien sowie Engel-Basteleien sind in der Ausstellung zu sehen.

Auch die katholische Kirche von Lohsa beteiligt sich an dieser Ausstellung: Jeden Sonntag nach dem Gottesdienst stellt Ursula Sniegocki einen Kerzenständer zur Verfügung. Vier solcher gusseiserner Kerzenhalter im Jugendstil mit Engelmotiven stehen in der katholischen Kirche Lohsa am Altar. Sie stammen ursprünglich aus der Kapelle Lohsaer Schlosses.




Andreas Kirschke

 


  
 
 2011



Buchlesung und Fotoausstellung am 22. Januar 2011


 Rund 60 Gästen aus nah und fern kamen zur ersten Veranstaltung 2011 ins Zejler-Smoler-Haus — die Stühle reichten kaum aus, immer wieder mussten neue herangeschafft werden.

Reinhold Certa (87) aus Knappenrode las aus den Erinnerungen seiner Frau Irene: „Kindheit und Jugend. Frohsinn und Leid“ heißt ihr Buch. Darin beschreibt die Autorin ihre Liebe zu Mutter und Großmutter, ihre Ferienerlebnisse in Bunzlau, Senftenberg und im Sudetenland. Sie gibt auch Einblicke in die sozialen Verhältnisse auf dem Land während des Zweiten Weltkrieges. Immer wieder schildert sie Kriegsereignisse. Irene Certas Buch entstand innerhalb von zehn Jahren.

Es ist ein Buch voller Erlebnisse, Ereignisse, auch Leiden, unterstrich ihr Mann. „Für die Autorin war das Buch der Versuch, sich jahrzehntelange Belastungen von der Seele zu schreiben. Irene Certa, geboren am 13. April 1926, ist inzwischen an Altersdemenz erkrankt und kann aus ihrem Buch nicht mehr selbst vortragen. Ihr Ehemann Reinhold stellt es jetzt auf Lesungen vor. Sogar Ministerpräsident Stanisław Tillich und Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora gehörten schon zu den aufmerksamen Zuhörern. Reinhold Certa las auch voriges Jahr bei der Buchmesse in Leipzig.



Eröffnet wurde zum Jahresauftakt 2011 im Zejler-Smoler-Haus auch die

Fotoausstellung „Teichlandschaften im UNESCO Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft“

von Dorothea und Hans-Jürgen Menges aus Litschen.



Sie zeigen Panoramafotos der faszinierenden heimischen Teichwelt. Seit Jahren schon erkunden sie die Landschaft per Rad. Von August bis November 2010 entstanden die Panorama-Fotos. Sie zeigen die herbstliche Farbenpracht an den Dürrbacher Teichen, den Litschener Schlossteich sowie die Ratzener und Drehnaer Teiche. Einblicke gewinnt der Betrachter in die Teichwelt zwischen Koblenz und Wartha. Gezeigt werden zudem der Großteich und der Pechelteich nahe Milkel, der Großteich bei Guttau sowie der Tauerwiesenteich zwischen Tauer und Förstgen. „Die Teichlandschaft wirkt beruhigend. Sie ist unglaublich erholsam und entspannend“, meinte Hans-Jürgen Menges. „Man muss sich nur ZEIT nehmen für sie. Man muss sie IN sich hinein lassen und wirken lassen.“

Vor allem die Spiegelung der Wolken und der Uferzonen im Wasser fasziniert ihn, ebenso die Urwüchsigkeit vieler Bäume und die Wege. „Ich bin mit Leib und Seele Hobbyfotograf“, unterstrich er. Nach den Ausstellungen „Der Seeadler und die Tierwelt der Litschener Teiche“ (2007), „Kranich, Reiher und Co.“ (2008) und „Insekten unserer Heimat“ (2010) ist es seine vierte Ausstellung im Zejler-Smoler-Haus. Für den gebürtigen Dessauer, seit 14 Jahren Litschener, erschließt sich die Landschaft immer wieder neu. Seine Frau, gebürtige Litschenerin, staunt über die Schönheit des Vertrauten. „Es ist meine Heimat. Viele Erinnerungen sind damit verbunden, gerade in der näheren Umgebung“, meinte sie und fügte hinzu. „Der Blick verändert sich mit den Jahren. Er wird einfach ruhiger.“

Die Ausstellung soll Freude an der heimatlichen Natur wecken und einladen zum Selbstentdecken und Selbstfotografieren. Auch Anstöße für den sanften Tourismus soll sie geben. „Wir sehen oft nur die Schwerpunkte Knappensee, Silbersee und Dreiweiberner See. Doch wir haben weit mehr zu bieten“, meinte Hans-Jürgen Menges. „Unsere Teichlandschaft ist ein touristisches Kleinod. Das gilt es zu entdecken. Das gilt es einzubinden in ein übergreifendes Tourismuskonzept. Kommunen wie Lohsa, Boxberg, Kreba-Neudorf, Guttau und Radibor sollten da stärker zusammenarbeiten.“

Andreas Kirschke

  


 


 

Glück und Segen gewünscht

Unverhoffte Flaschenpost des sorbischen Litschener Komponisten Jan-Paul Nagel entdeckt


 

Stolz zeigt Katja Beyers Tochter Lydia (6), die in der 1. Klasse der Fritz-Kube-Grundschule in Weißkollm lernt, den Fund.  

Eine geheimnisvolle Flaschenpost? Mit Brief und Foto? Mitten auf dem Hof vergraben? Da traute Katja Beyer ihren Augen nicht. Handwerker fanden unlängst beim Hof-Pflastern ein Schriftstück des sorbischen Litschener Komponisten Jan-Paul Nagel (1934-1997) bei ihr. „Wir waren überrascht und neugierig“, erzählt die Litschenerin. Mit ihrem Lebensgefährten Matthias Knippa und den Kindern Lydia (6) und Louisa (sieben Monate jung) lebt sie seit 2005 im früheren Wohnhaus Jan-Paul Nagels.

Dessen Schriftstück – in Sorbisch, mit schwarzer Tinte verfasst – liest sich wie ein Segenswunsch: „Litschen, 15. 6. 1986“, schrieb er. „In der Hoffnung, dass Frieden auf der Welt bleibt, dass meine Familie gesund bleibt und sorbisch, dass mein sorbisches Volk weiter überdauert die Zeiten mit Klugheit. Mögen jene, die über diese Schwelle gehen, den Reichtum unter dem Dach mehren und den Bewohnern Glück bringen. Mögen die Augen des guten und gerechten Herrn auf diesem Haus und Hof wachen.“

Für Katja Beyer war es ein Rätsel. Ahnte wohl Jan-Paul Nagel schon, dass eines Tages andere Bewohner auf seinem Hof leben werden? Vermutete er schon 1986 die Grabenkämpfe und Strukturdebatten innerhalb der Sorben? Wie weit sorgte er sich um die Zukunft der Sorben und ihre Familien? „Für mich war das alles neu“, schildert die junge Frau, die Krankenschwester gelernt hat und heute als Pflegekraft im AWO-Pflegeheim Lohsa arbeitet. „Jan-Paul Nagel war mir kein Begriff.“ Freunde wiesen sie erst auf den Komponisten hin. Zur Einweihungsfeier der jungen Familie in Litschen schenkten sie Katja Beyer ein sorbisches Buch und Kassetten mit den Werken Jan-Paul Nagels. Auch die Alten im Pflegeheim erzählten ihr Näheres über ihn. „Manche der ganz Alten können noch sorbisch. Sie kennen Jan Paul Nagel noch aus ihrer Jugendzeit als Komponisten“, schildert die junge Mutter. Ihr Freund, Matthias Knippa, der als Elektroplaner in Cottbus arbeitet, nahm die Nachricht von der Flaschenpost eher gelassen auf. „Wir wollten den Hof ohnehin pflastern. Das war höchste Zeit“, meint er. „Er wurde immer mehr zur Gefahrenquelle mit seinen Steinen.“ Tochter Lydia geriet ins Staunen, als sie von der Flaschenpost hörte. In Litschen fühlt sich die Sechsjährige wohl. Hier spielt sie oft und gern mit den ansässigen Kindern. „Unser Familien wird Stück für Stück heimisch“, meint Mutter Katja Beyer. Sie gab die Flaschenpost weiter an Lucie Scheede, die Schwester Jan Paul Nagels. Nur wenige Häuser weiter wohnt diese von Katja Beyer und Matthias Knippa entfernt. Dank Lucie Scheedes Vermittlung kann das Dokument künftig im Zejler-Smoler-Haus Lohsa gezeigt werden. „Wir sind sehr froh darüber und stolz darauf“, meint Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus. „Wir wollen den gefundenen Brief und das Foto in unserer kleinen Ausstellung zu Dokumenten Jan-Paul Nagels zeigen. Ein solches Original bereichert immer.“

Andreas Kirschke

 


 


Sorbischer Abend im Zejler-Smoler-Haus

 Rund 20 Gäste waren am 17. Februar zum Sorbischen Abend ins Zejler-Smoler-Haus. gekommen. Das Thema hieß


„Schleifer Dudelsack und kleine und große dreisaitige Geige“.

 Wolfgang Kotissek, Leiter des Sorbischen Folkloreensembles Schleife, erläuterte traditionelle Instrumente der Schleifer Region.

Dazu gehören kleine und große dreisaitige Geige, Kozoł (Ziegendudelsack) und Mechawa (schwarzer nackter Dudelsack).

 

Schleife, so betonte er, ist die einzige Region in Deutschland, die bis heute ununterbrochen das Spiel auf dem Dudelsack pflegt.

Wertvolle Einblicke gab der Gast über Geschichte, Aufbau und Klang der Instrumente. „Jedes Instrument muss geübt werden. Ohne Übung bleibt man stehen“, meinte er und betonte vor allem die frühzeitige Nachwuchsförderung.

Heute bildet das Schleifer Folkloreensemble allein 14 Nachwuchsmusiker im Alter von sieben bis 25 Jahren aus. Mehr Förderung von staatlicher Seite, so Wolfgang Kotissek, wäre lohnenswert und wünschenswert. „In Galizien in Spanien werden heute über 10.000 junge Dudelsackspieler ausgebildet. Das wird sogar staatlich gefördert“, erläuterte er. „Im polnischen Zbąszyń gibt es einen großen Musikwettbewerb für Dudelsack, Klarinette, Geige und Violine. Der Sieger erhält ein ganzes Jahr kostenlos Musikunterricht.“




Kozoł (Ziegendudelsack)

 






















Mechawa (schwarzer

nackter Dudelsack).













Schleife will die reiche Musiktradition des Dudelsacks weiterführen. Nach dem gelungenen 6. Internationalen Dudelsackfestival im Juni 2010 in Schleife wird 2012 das Internationale Festival „Bordun“ für Kinder und Jugendliche folgen. Teilnehmer kommen aus Deutschland, Polen und Tschechien. „Das Festival soll auf die Nachwuchsarbeit aufmerksam machen“, so Wolfgang Kotissek. „Es soll eine Plattform für Auftritte sein.“

Nach diesen interessanten Erläuterungen zeigte Wolfgang Kotissek ein Video über das Internationale Dudelsackfestival 2010 in Schleife.

 


 

Wenn Steine reden könnten…


Etwa 25 Gäste erlebten am 11. März 2011 im Zejler-Smoler-Haus einen Vortrag und eine Filmdokumentation über königliche Grenzsteine im Raum Königswartha.

 

Der Hobbyforscher Hans Joachim Gawor aus Königswartha spannte in seinem Einführungsvortrag den Bogen vom Wiener Kongreß bis zum aktuellen Dammbruch am Witka-Stausee in Polen.

Als Ergebnis des Wiener Kongresses im Jahre 1915 wurden Staaten und ihre Grenzen neu definiert. Sachsen, als Verbündeter Napoleons, verlor große Gebiete. Die neu gezogene Grenze zwischen dem Königreich Sachsen und dem Königreich Preußen teilte nun die Oberlausitz. Der neue Grenzverlauf  wurde durch Grenzsteine, Grenzsteinpaare und Läufersteine markiert.

Die Besucher erfuhren von Hans Joachim Gawor, wie sie beschaffen waren, wie die Steine hergestellt und farblich gestaltet wurden. Der interessante Grenzverlauf und die mühsame Suche nach den heute noch vorhandenen Steinen wurden erläutert.

Die Grenzsteine befinden sich oft an unzugänglichen Stellen, in Teichen und Bächen, oder sind verschüttet oder überwachsen. Oft mussten moderne Hilfsmittel wie GPS, kombiniert mit historischen und aktuellen Landkarten, zur Suche herangezogen werden. In den vergangenen fast 200 Jahren haben sich die geografischen Gegebenheiten stark verändert. Dieser Umstand erschwerte die Steinsuche zusätzlich.

Durch die Flutkatastrophe 2010 war der Witka-Stausee leer gelaufen und gab einige auf dem Grund befindliche Grenzsteine wieder frei. Sie konnten ihren Platz im Museum von  Zgorzelec finden.

Die anschließende Filmdokumentation von Hans Joachim Gawor und Hartmut Frühauf dokumentiert den Verlauf dieser alten Grenze in der Gemeinde Königswartha. Da dieser Bereich gleichzeitig die Gemeindegrenze zwischen Königswartha und Lohsa ist, war der Film natürlich auch für die Lohsaer Besucher im Zejler-Smoler-Haus sehr interessant.

Beeindruckende Landschafts- und Naturaufnahmen wechselten sich ab mit besonderen Fundaituationen von Grenzsteinen, Gedenksteinen und Sühnekreuzen. Viele heimatgeschichtliche Aspekte machen diesen Film zu einem besonderen Erlebnis.

R. Schneider






Das Sorbische National-Ensemble musizierte in der Lohsaer Kirche

Am Sonnabend, 09. April 2011, erklangen in der Lohsaer Kirche das
 
Sorbische Requiem -  Serbski rekwiem 
von Korla Awgust Kocor (1822 - 1904)

sowieChoräle von Jan Krygar (1598 - 1662)


„Allein Gott in der Höh’ sei Ehr. Dankbar blicken wir zurück auf das, was unsere Väter hinterlassen und geleistet haben.“ So begrüßte Pfarrer Matthias Gnüchtel am Samstagnachmittag die 35 Besucher zum Konzert des Sorbischen Nationalensembles.


Kraftvolle Choräle von Jan Krygar erklangen in Niedersorbisch von den Emporen. Dann folgte, im Hauptschiff vor dem Altar, kraftvoll und berührend das „Sorbische Requiem“ von Korla Awgust Kocor in Obersorbisch.
 Esmusizierten die Solisten Yvetta Tannenberger (Sopran) aus Prag, Tanja Donath (Alt) aus Bautzen, Jens-Uwe Mürner (Tenor) von der Staatsoperette Dresden und Gerald Schön (Bass) aus Dresden sowie Chor und Orchester des Sorbischen National-Ensembles unter der Leitung von Karsten Sprenger.

In der sorbischen Musik nimmt dieses Werk eine Sonderstellung ein. Es ist das einzige oratorische Werk Kocors, das er selbst instrumentiert hat. Die sparsame Besetzung ist seiner Zeit geschuldet. Die Texte für das Requiem suchte er aus der neuen obersorbischen Bibel selbst aus. Aber fast 100 Jahre vergingen von der Komposition bis zur Uraufführung, die dem Einsatz des sorbischen Mediziners und Musikenthusiasten Dr. Alojs Hantusch zu verdanken ist. Erstmals stellte er Kocors Totenmesse am 20. März 1988 mit seinem Bautzener Sorbischen Kirchenchor, Gesangssolisten und Musikern der Öffentlichkeit vor.

Wie Kocors Requiem gehören auch Jan Krygars Choräle zum reichen Kulturerbe. Er vertonte viele Lieder für den deutschen Pfarrer Paul Gerhardt. Die Krygar-Choräle prägen bis heute das deutsche evangelische Gesangbuch.

In der Lohsaer Kirche fanden die Musiker gute Akustik und ein dankbares Publikum vor, das ihnen stehend applaudierte und sogar noch beim Abgang dankte.

Die Musiker waren in Lohsa ohne Gage aufgetreten. Aber dafür gab es zum Ende reichlich Kollekte, die der weiteren Arbeit des Sorbischen Nationalensembles zugute kommen wird.


  

 


  

 
 
Jahresmitgliederversammlung am 16. 04. 2011

 Zahlreiche Mitglieder und Gäste waren zur Jahresmitgliederversammlung gekommen.

Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V., zog Bilanz und nannte wichtige Schwerpunkte der Vereinsarbeit für die kommenden Monate. 

„Bis September wollen wir die Erinnerungsbroschüre über Neu Lohsa fertig stellen. Sie fasst alle bekannten Quellen, Fotos und Dokumente zusammen“, unterstrich Vorsitzender Reinhardt Schneider am Samstag während der Jahresmitgliederversammlung. Die Broschüre „Neu Lohsa. Erinnerung an die verlorene Heimat“ knüpft an die Broschüren zu Neida und Buchwalde an. Der Ortsteil Neu Lohsa wurde 1943 bis 1947 durch den Tagebau Werminghoff II abgebaggert. Rund 150 Einwohner verloren ihre Heimat. Nur drei Anwesen blieben erhalten. „Komplettieren wollen wir das Foto-Archiv über Neu Lohsa“, betonte der Vorsitzende.

Am 18. Juni wird der Verein in Lippen am 14. Gedenktag der Domowina für die abgebaggerten sorbischen Orte teilnehmen. Hier will er die Ausstellung über Lippen mit Infos und Tafeln unterstützen und mit einem kleinen Stand und Publikationen vor Ort sein.  

Wichtigster Höhepunkt 2011 wird am 19. Oktober „20 Jahre Gründung der Stiftung für das sorbische Volk“ sein. „Wir wollen ein Festkonzert in der Kirche organisieren“, so Reinhardt Schneider. „Vorstellbar ist, im Zejler-Smoler-Haus einen kleinen Film von 1991 über die Gründung zu zeigen.“ Gerade die Stiftungsgründung, so betonte er, war nach der Wende das wichtigste politische Ereignis für die Sorben. Der Staatsvertrag damals schuf die finanzielle Grundlage für die weitere Arbeit der sorbischen Institutionen.

Das Projekt „Lebensstationen Handrij Zejlers in Lohsa“ will der Verein fortsetzen. Dazu soll die Infotafel am Pfarrhaus angebracht werden. Bereits jetzt informiert je eine Tafel über den Pfarrer und Dichter am Zejler-Smoler-Haus, an der Kirche, am Grab Handrij Zejlers und am Zejler-Denkmal am Lohsaer Markt. In Deutsch, Sorbisch, Polnisch, Tschechisch und Englisch sind sie beschriftet. Entstehen soll auch eine Ansichtskarte über Handrj Zejlers Lebensstationen. 

Der Verein will auch den Sorbischen Abend zur Belebung der Sprache weiterführen. Hier können sich Muttersprachler einfinden, aber es kann auch jeder andere Interessierte kommen. Im Januar 2012 wird sich der nächste Abend dem 100jährigen Bestehen des Sorbischen Kulturvereins „Handrij Zejler“  für Lohsa und Umgebung widmen. „Dazu suchen wir noch einen geeigneten Referenten“, sagte der Vorsitzende. „Wir wollen im Sorbischen Institut fragen.“ Der Kulturverein entstand am 31. Dezember 1911 und gehörte bis zum Verbot der Domowina 1937 zu deren engagiertesten Mitgliedern.


Ausstellungseröffnung am 16. 04. 2011

Eröffnet wurden Samstag im Zejler-Smoler-Haus auch zwei neue Ausstellungen. Veronika Sauer und Hildegard Borisch aus Lohsa zeigen unter dem Thema „Hobbytöpferei“ Keramikarbeiten für Haus und Garten.

 


Veronika Sauer erläuterte den Gästen ihre Keramikarbeiten. Zusammen mit Hildegard Borisch stellt sie erstmals im Zejler-Smoler-Haus aus. Beide treffen sich jeden Mittwoch zum Töpfern. Alle Gefäße entstehen ohne Töpferscheibe. Techniken sind Daumendrucktechnik, Aufbautechnik mit Tonwülsten, Aufbautechnik mit abgeflachten Tonstreifen, Plattentechnik und Einformtechnik.


 

 

„Kleine Galerie“

heißt das Motto der Ausstellung von Anita Guske und Silvana Syckoraus Burg. Sie zeigen Aquarelle und Acrylmalereien mit farbenfrohen Naturmotiven. Seit 2004 besteht der Mal- und Zeichenkurs in Anita Guskes Atelier in Burg. Hier treffen sich montags sechs Teilnehmer und mittwochs sieben Teilnehmer. „Die Freude am Malen verbindet uns. Wir lernen sehr viel über die Farbenlehre und über die Techniken. Viele Motive sichten wir direkt in der Natur“, sagte Silvana Syckor. Auch für Leiterin Anita Guske sind die Kurse eine große Bereicherung.

„Jeder Teilnehmer bringt neue Ideen ein“, meinte sie. „So entstehen immer wieder Motive. So erkunden wir verschiedene Techniken.“

Beide Ausstellungen sind bis Mitte Mai montags und donnerstags 9 bis 17 Uhr sowie auf Nachfrage unter Telefon 03 57 24/5 02 56 zu sehen.

Andreas Kirschke





Am Freitag, dem 20. 05. 2011, um 19 Uhr
 
 erlebten rund 100 Besucher in der Evangelischen Kirche Lohsa unser diesjähriges

Frühlingskonzert
.  



 
 Es musizierte das

 Quartetto Giocondo 

- Marie Luise Fritsche, Hanka Tiedemann, Thea Hanspach, Ines Seeliger -

Wir hörten Flötenserenaden von J. Pachelbe, Friedrich II., E. Bozza, E. Elgar, C. Debussy und S. Joplin.



 

Vom Murmeln der Moldau, vom Flug der Hummeln, vom Rauschen des Waldes

Sie nennen sich „Fröhliches Quartett“ – „Quartetto Giocondo“. Sie erfreuen durch  Musizieren auf der Querflöte. Vor nahezu 100 Gästen begeisterte das „Quartetto Giocondo“ am 20. Mai 2011 zum Frühlingskonzert in der Lohsaer Kirche. Eingeladen hatte der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus in Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirchgemeinde.

Die vier Musikerinnen Thea Hanspach (Weißkollm), Ines Seliger (Kleinwelka), Marie-Luise Fritzsche (Jeßnitz) und Hanka Tiedemann (Bautzen) boten erstaunliche Vielfalt und Klangfülle. Mancher Zuschauer genoss die Melodien durch pures Hören und verschloss beim „Rauschen des Baches“, dem „Zwitschern der Vögel“, dem „Kinderlachen“ und dem „Rauschen des Waldes“ einfach nur die Augen.

Zwischendurch erfreuten immer wieder Gedichte wie „Der Mai“ von Erich Kästner, „Auf dem Berge“ von Friedrich Emil Rittershaus, sowie Gedichte wie „Kinderzimmer“ und „Am Heckenrosenstrauch“ die Zuhörer. Starken Beifall fanden vor allem Bedrich Smetanas „Die Moldau“ und Rimsky-Korsakovs „Hummelflug“.

Blumen und nochmals kraftvollen Applaus gab es am Ende. Zuhörer wie Jürgen Knothe sprachen vielen aus dem Herzen: „Die Musikerinnen würde ich gern noch einmal in Lohsa hören.“

Andreas Kirschke



In Vorbereitung auf das Konzert führte Andreas Kirschke mit Thea Hanspach ein Gespräch, das wir hier wiedergeben möchten.

Frau Hanspach, wie entstand „Quartetto Giocondo“?

Thea Hanspach: Das war im Herbst 2009. Damals war Weiterbildung für Musikpädagoginnen in Dresden. Schon länger schwebte mir die Idee vor, ein sächsisches Flötenensemble zu gründen. Ich warf die Idee dort in den Raum.

Und was passierte?

Vom Studium an der Musikschule Dresden kannte ich Ines Seliger. Sie unterrichtet heute in der Musikschule Bautzen. Sie begrüßte die Idee. Wir taten uns zusammen. Hinzu kamen später Marie-Luise Fritzsche und Hanka Tiedemann. Beide sind Flötistinnen beim Sorbischen Nationalensemble. Seit Januar 2010 üben wir – je nachdem, wie es die Zeit erlaubt. So ein Quartett ist ein guter Anfang, fanden wir.

Quartetto Giocondo klingt italienisch elegant….

Thea Hanspach: Es heißt „fröhliches Quartett“. Es soll unseren Charakter widerspiegeln. Wir sind zu Späßen aufgelegt und lachen gern. Außerdem hoffen wir, mit unserer Musik auch das Publikum in dieser stressigen Zeit ein wenig fröhlich zu stimmen. Trotz der Heiterkeit steht die Qualität natürlich an erster Stelle.

Was verbindet Sie vier als Flötistinnen?

Von Hause aus sind wir vier Berufsmusikerinnen. Ob als Lehrer in der Musikschule Hoyerswerda und Bautzen oder im Orchester des Sorbischen Nationalensembles. Uns verbindet die Leidenschaft für das Instrument Querflöte. Wir spielen es mit Leib und Seele. Das ist zwar oft anstrengend. Doch gerade als Quartett – in der Freizeit gespielt – bringt es auch Erholung, Beruhigung und Entspannung mit sich.

Wodurch zeichnet sich die Querflöte aus?

Sie hat einen sehr warmen, sehr weichen Klangton. Dieser Ton strahlt aus. Die Querflöte fügt sich gut ein zu anderen Flöten oder zu weiteren Instrumenten. Wenn man sie gut spielt, ist ihr Ton sogar solistisch noch über dem Orchester zu hören.

Kann gerade die Querflöte viele Stimmungen wiedergeben?

Ja. Sie kann sehr fröhlich und beschwingt klingen. Sie kann sozusagen den Sonnenschein, um Bezug zu unserem Frühlingskonzert zu finden, wecken. Sie kann auch müde und traurig klingen. Für mich ist so eine Vielfalt immer wieder ergreifend.

Welche Inhalte erfreuen uns zum Konzert?

Es beginnt mit Alter Musik von Johann Pachelbel, einem Musiker der Renaissance. Sein Canon beginnt wie Glockengeläut. Oft wird er zur Weihnachtszeit gespielt. Bekannte Melodien wie Bedrich Smetanas „Moldau“ oder der „Hummelflug“ von Rimsky-Korsakov werden erklingen. Ebenso typische Flötenstücke, die schon Friedrich der Große aufführte. Sehr bildhafte Charakterstücke, die zum Träumen einladen, spielen wir von Claude Debussy. Das Konzert klingt aus mit Elgars herzergreifendem Stück „Salut d´amour“.

Gibt es besonders anspruchsvolle Stücke?

Das sind die Melodien von Eugene Bozza. Sie fordern starkes Miteinander geradezu heraus, indem schnelle Melodiefolgen nahtlos von einem zum anderen Flötisten übergehen werden. Außerdem kommt der gesamte Tonumfang der Flöte zum Tragen.

Ist ein Auftritt in der Kirche besonders herausfordernd?

In jedem Fall. Eine Kirche bietet besondere Akustik. Hier schwingen die Töne lange nach. Viele schnelle Töne müssen wir sehr präzise spielen – sonst verschwimmt alles ineinander. Wenn man dann noch zu viert spielt, ist das eine zusätzliche Herausforderung.

Wann und wie oft proben Sie vier?

Das ist ganz unterschiedlich. Je nach Möglichkeit treffen wir uns bei einer von uns vier zu Hause. Vor allem Marie-Luise Fritzsche und Hanka Tiedemann sind mit dem Ensemble viel unterwegs. So kann es durchaus mal zu einer längeren Übungspause kommen. Wichtig ist deshalb, dass sich jeder zu Hause mit seiner Stimme beschäftigt und entsprechend übt. Musik auf der Querflöte ist sehr anspruchsvoll. Wir wollen künftig auch die Piccolo-Flöte, die Altflöte und je nach Möglichkeit auch die Bassflöte einbeziehen. Damit sind noch mehr Klangfarben, noch mehr Fülle, noch mehr Melodienvielfalt möglich.

Spielen Sie auch Werke von Lausitzer und sorbischen Komponisten auf Querflöte?

Im Moment noch nicht. Bekannt ist mir, dass Jan Paul Nagel einige Werke für Flöte komponiert hat. Das kann durchaus ein Anstoß für die Zukunft sein.

Was erhoffen Sie sich mit dem ersten großen Konzert?

Wir hoffen und freuen uns auf regen Besuch. Mit unserer Musik wollen wir die Herzen der Menschen berühren. In jedem Fall ist das Konzert Ansporn zum Weitermusizieren.

Herzlichen Dank für das Gespräch.







 Mit einem Gottesdienst begann am 18. Juni in Lippen der


14. Gedenktag der Domowina für abgebaggerte sorbische Orte,


der erstmals an eine Teilumsiedlung erinnert.



Einen bewegenden Moment der Stille gab es, als Johanna Müller geborene Buder (85) mit Vanessa Kubicki (13) und Melanie Schulle (14) – beide in Hoyerswerdaer Tracht – den Segen und Zuspruch Gottes für Lippen erbat.

 


 


 

 



 


 

Zahlreiche frühere und heutige Lippener sowie viele Gäste waren gekommen.

 

Die Männerchöre Lohsa und Uhyst, die Bläsergruppe Lohsa / Driewitz sowie später die Blaskapelle Horjany und der Sorbische Kinderverein Zeißig begleiten das Programm kulturell.

 

 
 

140 der rund 200 Einwohner Lippens mussten infolge des Tagebaus Glückauf Lohsa III umsiedeln. Dieser begrub 24 Wohnhäuser 1961-1964 unter sich. Lippen verlor sein Forsthaus, seine Schule, elf Teiche, etliche Landwirtschaften sowie die Bahn- und Straßenverbindung nach Lohsa. Einwohner wie Hanso August und Ernst Horenk wehrten sich bis zuletzt. „Es waren schwierige Zeiten“, erzählt Johanna Müller. „Entschädigung gab es kaum.“ Ihr Haus Nr. 13 musste weichen. Johanna Müller zog nach Baschütz. Dort lebt sie bis heute. Gerhard Sarodnick (67) war erst 16 und Tischlerlehrling zur Zeit der Abbaggerung. Seine Familie besaß in Lippen zehn Hektar Landwirtschaft. Sechs Kühe, zwei Pferde und weitere Tiere gehörten dazu. „Wir lebten im Haus Nr. 40. Wir wollten nicht weg“, erzählt er beim Gedenktag. „Kiefernwald und Teiche – das war meine Heimat. Natürlich auch meine Freunde im Ort.“ Vor allem den Eltern fiel die Umsiedlung nach Särchen bei Klix schwer. Trost war, dass Tochter Lilly mit Familie später wieder nach Lippen zurückzog. „Die Seele kann man nicht umsiedeln“, betont David Statnik, Vorsitzender der Domowina, in seiner Ansprache. Er erinnert an Lippens sorbische Wurzeln. Noch 1956 bekannten sich drei Viertel der Einwohner dazu. 93 sprachen noch fließend sorbisch. Bis heute, so David Statnik, wirkt der tiefe Einschnitt des Heimatverlusts fort. Doch die Lippener verloren nie den Lebensmut. 2000 belebten sie den Brauch Zampern wieder. 2005 entstand der Verein Dorfinitiative Lippen. Er belebt heute die Kultur im Ort. Eine starke Dorfgemeinschaft und Sensibilität für die sorbischen Wurzeln wünscht David Statnik den Lippenern. „Der Bergbau brachte als Fluch den Heimatverlust und als Segen sozialen Wohlstand“, sagt Bürgermeister Udo Witschas. Gerade Lippen in seiner jetzigen Randlage, so betont er, verdient faire Entschädigung für verlorene Heimat und Natur. Nach dem Grundbruch am 23. Dezember 2010 auf der Innenkippe Lohsa nahe Lippen ist das Vorhaben Radweg vom Dreiweiberner See zum Bärwalder See durch Lippen auf Eis gelegt. 2.200 Hektar sind gesperrt. „Der Verdruss ist noch nicht vorüber“, so Udo Witschas. „Es sollte unsere Verpflichtung sein, dass der Radweg eines Tages entsteht. Allein auf unserem Gemeindeterritorium kostet er 600.000 Euro. Eigenmittel sind im Haushalt abgesichert.“ Klare Worte findet er auch zum Lippener Sühnekreuz. Es sollte im Hoyerswerdaer Stadtmuseum bleiben. Dort hat es jetzt einen sicheren Standort. Entstehen könnte jedoch eines Tages ein Duplikat. „Lippen wäre dann um eine kleine Attraktion reicher.“

 

 
 
 

 

 

Einen Gedenkstein für Lippen enthüllten Gerd Domsch, Vorsitzender des Vereins Dorfinitiative Lippen, und David Statnik, Vorsitzender der Domowina, am Sonnabend zum Gedenktag für abgebaggerte sorbische Orte. Er erinnert an die Teildevastierung des Ortes 1961 bis 1964.

 

Andreas Kirschke





Am Freitag, dem 24. Juni 2011 , 19 Uhr

luden wir zu einer Buchlesung ins Zejler-Smoler-Haus ein.

Aus der Anthologie


"Faltherzen — Zeichen der Hoffnung"

lasen zwei der dort vertretenen Autoren - Elke Nagel (Lohsa/Mortka) und Maria Engels (Dresden) - ihre Geschichten.
 


Eine Frühlingswiese leuchtet in saftigem Grün. „Der Wind streicht zart wie eine Hand über das Gras, liebkost jeden Halm und nimmt das Laub vom letzten Jahr mit sich auf die Reise“, liest die achtzehnjährige Dresdenerin Maria Engels aus ihrer Erzählung „Faltherzen“.
Den Duft von Blumen, Gras und Frische beschreibt sie. Den Herzschlag erster Liebe. Jakob überrascht sie mit einem Kuss. Originell schildert die junge Autorin und Abiturientin die Geschichte aus Sicht des Mädchens und des Jungen, ein Perspektivwechsel, der die Zuhörer verblüffte.
 

 
Die jüngste und die älteste der Autoren stellten die Anthologie „Faltherzen – Zeichen der Hoffnung“, erschienen im epubli-Verlag Berlin, im Zejler-Smoler-Haus vor. 

 

 

Elf Autoren aus ganz Deutschland sind im Buch mit Kurzgeschichten und Gedichten vertreten. Die Idee dazu entstand im März durch Autorin Romana Grimm auf der Leipziger Buchmesse. Geschockt, hilflos, ungläubig, stand sie noch unter dem Eindruck der Erdbeben-Katastrophe in Japan. Sie wollte helfen. Doch wie? Ihren Kollegen schlug sie in Leipzig ein Buchprojekt vor. Binnen vier Wochen wurde es umgesetzt. Der Verlag epubli unterstützte unkompliziert. Der gesamte Anteil der Autoren am Buchpreis kommt jetzt der Japan-Erdbeben-Hilfe des DRK zugute.

Von Liebe und Hoffnung erzählen die Texte. Von der Schönheit der Musik. Sie erzählen auch vom Verlassen-Werden und Wiederfinden. Auch eine Erdbeben-Geschichte ist dabei. „Kleiner blauer Kolibri“ heißt diese Erzählung von Alfred Berger.
 
Elke Nagel aus Mortka erzählt in „Altweiberfäden“ von der 80jährigen Anna Koschlick. Die alte Frau ihr Heimatdorf Bukow. Dort lebte sie früher mit ihrem Mann Herbert. Unterwegs im Wald zum Speicherbecken folgt ihr ein Wolfsrudel. Friedlich hält es Distanz. Bis Anna Koschlick entkräftet am Rand des Bergbau-Sees, wo eins Bukow lag, durch einen Erdrutsch versinkt….

 „Eine erstaunliche, interessante Geschichte“, findet Günter Wenk aus Driewitz. Die Reflexion mit den Wölfen imponiert ihm.

 

 „Die Geschichte lebt durch die Spannung. Bis zum Schluss fühlt man sich mitten ins Geschehen hineinversetzt“, meint Werner Nitsch aus Mortka.

 

Besucherin Renate Jahnke aus Lohsa spricht von einer ausgereiften Sprache. „Da steckt viel Erfahrung drin“, meint sie nach der Lesung. Erstaunt hat sie genauso Maria Engels leichte, unbeschwerte Sprache. Sie fühlt sich an ihre Tochter Carla erinnert, die in der Schulzeit früher an Schreibwettbewerben teilnahm.

 

Maria Engels schreibt seit dem elften Lebensjahr. Meist lässt sie ein Bild im Kopf nicht mehr los. Sie entwickelt es dann weiter. Sie teilt sich durch Schreiben mit. Freude will sie den Lesern bereiten. Ihr liegt auch Satire. „Zweckentfremdung“ heißt ihre Zugabe  zur Lesung. Darin schildert sie humorvoll eine kauzige Mathelehrerin im Buchladen. Passend zu ihrer Erzählung „Faltherzen“, nach deren Titel auch die Gesamt-Anthologie benannt ist, hat Maria Engels Papier-Herzen mitgebracht. Das Falten, so zeigt sie, ist gar nicht so schwer. Mancher nimmt sich ein Herz von der Lesung mit – in Erinnerung an einen anregenden, spannenden Abend, an dessen Ende etliche Faltherzen-Bücher bestellt wurden.


 

 

 

 

Interessiert und oft auch amüsiert verfolgt das aufmerksame Publikum die Lesung.

 


 


 


 


 


 


 


 

 

„Faltherzen. Zeichen der Hoffnung“. Hrsg. von Romana Grimm, epubli-Verlag Berlin 2011. ISBN-Nr.: 978-3-8442-0343-1.

 

 Andreas Kirschke


 

Zu bestellen über den Buchhandel sowie beim epubli-verlag:

 

http://www.epubli.de/

 

Preis Printausgabe: 11,95 €, E-book: 2,99 €.

 

Noch bis 14. Juli versendet der epubli-Verlag vesandkostenfrei!

 

Da danach die Versandkosten wieder 4,50 € betragen, wird die Sammelbestellung über das Zejler-Smoler-Haus empfohlen. Sie zahlen statt 11,99 + 4,50 € dann nur 13,- € für die Printausgabe.

 

 



Unsere Sommerausfahrt nach Görlitz am 27. August 2011

Insgesamt 40 Vereinsmitglieder und Interessierte nahmen an unserer Fahrt teil.  Per Bus ging es nach Görlitz zur dritten Sächsischen Landesausstellung


 „Via regia. 800 Jahre Bewegung und Begegnung“.



Die Ausstellung ist nach den Themen „Fundament“, „Straße“, „Markt“, „Menschen“ und „Ideen“ auf fünf Etagen gegliedert.  

Als „strata regia“, „Hohe Straße“, „Straße des Königs“ wurde die via regia als Handelsstraße erstmals 1252 in Meißener Quellen erwähnt. Sie verband Frankfurt am Main mit Krakow. „Für diese rund 1.000 Kilometer hätte ein gut zu Fuß Reisender damals wohl einen Monat gebraucht“, sagte die Historikerin Beate Löffler, die uns eine Stunde lang durch die Ausstellung führte, und fügte hinzu: „Die via regia war ursprünglich ein Zusammenspiel verschiedener Handelsstraßen. Sie war sozusagen die Verknüpfung von Straßen.“ Auf der „Hohen Straße“ reiste der privilegierte Kaufmanns-Stand. Diese Straße war in besserem Zustand als andere Straßen. Sie war mautpflichtig und mit vergleichsweise guter Infrastruktur versehen. Die „Niedere Straße“ wurde vom einfachen Volk genutzt. Hier gab es keine Maut zu zahlen. 

 

Wissenswert waren die Erläuterungen Beate Löfflers. Archäologische Funde kann man im Untergeschoss des Kaisertrutzes bestaunen. Sie zeigen: bereits Mitte des 13. Jahrhunderts war die via regia eine wichtige Verkehrsachse. Sie führte mitten durch Görlitz hindurch – von der heutigen Neißestraße über Unter- und Obermarkt bis durch den heutigen Kaisertrutz. „Der Fernhandel war ein Luxusgeschäft“, erläuterte uns die Historikerin. „Hier wurden besondere Artikel transportiert. Darin lag ein hohes Geschäftspotential, jedoch auch ein hohes Geschäftsrisiko im Fall des Verlustes.“ Glas, Keramik, Silbererz, Zinn, Kupfer, Salz und vor allem Tuch aus Leinen und Baumwolle transportierten die Kaufleute damals auf der via regia. Das Fass diente als Multifunktions-Verpackung. Deshalb waren Böttcher besonders gefragt, ebenso wie die Tischler.


 

 

Der Kaisertrutz in Göritz,
eine runde Bastei aus dem späten 15. Jahrhundert.
Hier "trutzte" 1641 die schwedische Besatzung den kaiserlichen Truppen und verhinderte die Eroberung der Stadt.  
 

 

Görlitz profitierte sehr von der via regia. Vor allem Tuchproduktion und Tuchhandel haben die Stadt reich gemacht. Doch während die Tuchmacher meist arm blieben, profitierten die Tuchhändler umso mehr vom Geschäft. Das zeigte sich sehr am Untermarkt. Dort besaßen Tuchmacher kleinere, die Tuchhändler aber die größeren Häuser.

 

Auf der via regia handelten und wandelten unterschiedliche Gruppen von Personen. So gab es viele individuelle Motive, die die Menschen zum Handeln, zu Bewegung und zum Aufbruch veranlassten. Händler und Fuhrleute war mehr und mehr gezwungen, die via regia als wichtige Verbindung in Mitteleuropa zwischen West und Ost zu nutzen. Entlang der Handelsstraße entstanden später Herbergen, Schmieden, Radmachereien, Kirchen und Hospitäler. Sie machten das Unterwegssein sicherer und bequemer. Außer Kaufleuten nutzen die via regia zum Beispiel auch Könige, Kriegsherren, Ärzte, Generäle, Soldaten, Boten, Postbedienstete, Pilger, Studenten, Handwerker, Bettler, Schausteller und fahrendes Volk. Ungewollt reisten damals oft auch allerlei Krankheitserreger mit.

 

Immer wieder beschreibt die Ausstellung die Motive der Reisenden. Für Kurfürst August den Starken zum Beispiel war es das Streben nach Macht, Reichtum und Anerkennung, das Streben nach der polnischen Krone. Für den Görlitzer Georg Emmerich war es eine Buß-Wallfahrt. Nach einem Verhältnis mit einer Nachbarstochter hatte er sich nicht zu ihr bekannt. Heute verdanken wir Georg Emmerichs Bußreise die originale Nachbildung des Heiligen Grabes von Jerusalem mitten in Görlitz.

 

Unser Fazit: es war ein wissenswerter erster Einblick. Zur Vertiefung muss man wohl mehr Zeit einplanen.

 

Mit dem Wetter hatten wir nicht wirklich Glück, aber ein wenig vom Görlitzer Altstadtfest konnte in der freien Zeit jeder miterleben, und die historischen Bauten in der Altstadt, wenn sie denn nicht von der Menschenmenge verdeckt waren, konnte man bewundern.

 




 

                                        Rathaus Görlitz, Treppe 

 


Die Chefs im Regen 




 
 

 Rathausuhren


 


Ein Dankeschön gebührt Frau Petri für die emsige Organisation, ebenso der Busfahrerin Silvia vom Reiseunternehmen Menzel. Sie brachte uns sicher zur Ausstellung hin und wieder zurück.
















Auf jeden Fall hatten wir viel Spaß!  



Pfifferling, Parasol und Krause Glucke


 Die Eröffnung der Pilzausstellung im Zejler-Smoler-Haus Lohsa am 11. 09. 11 war rege besucht.


 

Der Pfifferling gehört immer dazu. „Mindestens eine Handvoll. Die gibt die Würze. Ich kenne keinen Pilz, der besser ist“, meinte Wolfgang Handrick aus Hoske. Sonntag gehörte er zu den ersten Gästen der Pilzausstellung 2011 des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft im Zejler-Smoler-Haus. Der dortige Förderverein lud dazu ein.

 

Rund 100 Pilzarten hatten Herbert Schnabel, Einsatzleiter Naturwacht, und sein Kollege Peter Ulbrich Freitag und Samstag für die Ausstellung frisch gesammelt. In den Wäldern bei Uhyst, Klitten, Kreba-Neudorf, Mücka und Dauban fanden sie viele Exemplare. „Wir wollen die Vielfalt der Pilzarten zeigen. Denn es gibt gerade in unserer Region sehr verschiedene Lebensräume“, sagte Herbert Schnabel. „Das reicht von Moor über Wald, Wiese, Heidegebiete, Weide bis zur trockenen Sanddüne. In jedem Gebiet wachsen spezielle Pilzarten.“ Seit über zehn Jahren ist die Ausstellung in Lohsa Tradition. Immer im Wechsel mit der Kräuterausstellung, organisiert sie das Biosphärenreservat. Trotz genügend Wärme und Feuchtigkeit ist 2011 ein durchwachsenes Pilzjahr. „Das mag sicher am Witterungsverlauf liegen. Genau erklären lässt sich das nicht“, meinte Peter Ulbrich. Vor Jahren erwarb er mit Herbert Schnabel beim Lehrgang im Pilzkundemuseum Bad Laasphe (NRW / Kreis Siegen-Wittgen-stein) die Qualifikation zum Pilzsachverständigen. Zwei intensive Kurse belegten sie dort. Artenkenntnis, Genießbarkeit, Verwendbarkeit und vieles mehr über Pilze lernten sie. Heute geben sie ihr Wissen gern bei Ausstellungen weiter. Gibt es doch stets viele Fragen. Leicht verwechselbar sind etwa Lamellenpilze. So sieht der essbare Perlpilz dem stark giftigen Pantherpilz sehr ähnlich. Essbare grüne Täublinge können dem tödlich giftigen grünen Knollenblätterpilz gleichen. Leicht zu verwechseln sind echter und falscher Pfifferling. „Da zweifelt selbst mancher Experte. Da hilft nur genaues Ergründen“, sagte Herbert Schnabel. Verwechselbar sind auch Röhrenpilze wie der essbare Steinpilz und Birkenpilz mit dem sehr bitteren, ungenießbaren Gallenröhrling. Zu raten ist hierbei: nur die Pilze sammeln, die man wirklich sicher kennt. „Wer einen Pilzberater aufsucht, sollte junge und ältere Pilze mitnehmen. Und das im Ganzen“, rät Herbert Schnabel. Ihn selbst faszinieren Pilze schon seit der Kindheit. Immer wieder entdeckt er neue Arten. Oder er findet bekannte Arten nach vielen Jahren wieder. Pfifferlinge, Birkenpilze und Semmelstoppelpilze wachsen dieses Jahr besonders gut. „Es ist wichtig, sich gut zu informieren. Lieber fachgerechten Rat holen, als eine böse Überraschung erleben“, meinte Wolfgang Handrick. Mit Ehefrau Silvia sucht er gern Pilze in den Wäldern bei Kotten oder am Zigeunerbrunnen bei Commerau. Krause Glucke und Pfifferlinge essen sie am liebsten.

 

Gäste wie Gudrun und Fernandes Höfner aus Hoyerswerda bereicherten Sonntag die Ausstellung. Parasole und weitere Pilze brachten sie mit. Seit Jahren sind sie leidenschaftliche Pilzsammler. Dafür fahren sie bis in die Wälder bei Bautzen und bis ins Oberland. 17 Alben mit Fotos stellten sie bereits zusammen. „Ich suche und fotografiere meist Pilze. Meine Frau dokumentiert und katalogisiert sie dann“, erzählte Fernandes Höfner stolz. Sonntag lernte er wie andere Gäste viel Neues. Zu sehen ist die Pilzausstellung noch am 13. September von 9 bis 16 Uhr.


 

Andreas Kirschke

 


Eröffnung der Puppenausstellung und Lesung mit

Andrea Kusche  
 

am 25. September

 

Fast dreißig Besucher wollten am Sonntagnachmittag die Eröffnung der Puppenausstellung im Zejler-Smoler-Haus erleben. Zunächst gab es Kaffee und Kuchen und zauberhafte Puppengeschichten von Andrea Kusche aus Mortka, denen das Publikum — leider waren nur wenige Kinder darunter — aufmerksam lauschte. 
Besonderen Spaß hatten alle an der lustigen Fantasy-Geschichte über die Erlebnisse eines kleinen Jungen mit einem kleinen, vom Regenbogen gefallenen Saurier, der nach Belieben wachsen oder schrumpfen kann; ein viel versprechendes Kinderbuch, das hoffentlich in absehbarer Zeit erscheinen wird; es wäre ein Buch, das unter vielen Weihnachtsbäumen liegen könnte.

Anschließend ging es zur Ausstellung in die obere Etage.


 
Viele unterschiedliche Puppen waren hier auf Tischen und in Vitrinen aufgebaut, von sehr großen bis winzig kleinen in der Puppenstube, dazu gestrickte und gehäkelte Puppensachen von Ingrid Jäkel und Waltraud Schulz aus Lohsa. Man fühlte sich in die Kindheit zurück versetzt, und manch eine der älteren Frauen mag gedacht haben: So eine wunderschöne Puppe hätte ich als Kind auch gern gehabt …
 
 

 


 



es lohnt sich


für groß und Klein,




 







 






diese Ausstellung


zu besuchen!

 




 

  


 

 
   

Handrij Zejlers Lebensstationen jetzt als Lohsaer Ansichtskarten


  Kerstin Petri im Zejler-Smoler-Haus zeigt stolz zwei zweisprachige Ansichtskarten von Lohsa. Sie zeigen die Lebensstationen des Pfarrers, Dichters, Landwirts und Publizisten Handrij Zejler (1804-1872). Von 1835 bis 1872 lebte er in Lohsa.
 

Die beiden Ansichtskarten runden unser Tourismusangebot „Lebensstationen Handrij Zejlers“ ab. Es entstanden bereits ein Faltblatt sowie fünfsprachige Informationstafeln in Deutsch, Sorbisch, Polnisch, Tschechisch und Englisch. Sie hängen heute am Zejler-Smoler-Haus, am Pfarrhaus, am Handrij-Zejler-Denkmal, an der Kirche sowie am Grab Handrij Zejlers.

 

Die neuen Ansichtskarten gestaltete Dorothea Menges aus Litschen Sie enthalten auch das Logo der sprießenden Linde aus dem Tintenfass, das der Krebaer Web-Designer Christoph Neumann entworfen hat. Es symbolisiert den Stellenwert Handrij Zejlers und seines Schaffens in Lohsa: „Wiedergeburt durch Dichtung“ — Wiedergeburt durch Schreiben“.



Die Postkarten erscheinen in geringer Auflage. Erwerben kann man sie zu den Öffnungszeiten des Zejler-Smoler-Hauses, montags und donnerstags 10-12 Uhr und 13-17 Uhr.

















20 Jahre Stiftung für das sorbische Volk 

 

Festakt in der Lohsaer Kirche am 19. 10. 2011


 

Rund 400 Gäste waren am Mittwochabend zum Festakt „20 Jahre Stiftung für das sorbische Volk“ in die Lohsaer Kirche gekommen. Eingeladen hatten der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e.V., die evangelische Kirchengemeinde, die Kommune und das Sorbische Nationalensemble Bautzen. Als Ehrengast begrüßten wir Horst Wehner, Vizepräsident des Sächsischen Landtages. Auch viele Lohsaer und viele engagierte Sorben aus Lohsa und der Umgebung nahmen teil.

  
 

„Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor den Mitmenschen, aufrechter Gang und die Freude an der Heimat – all dies hat sorbische Identität immer geprägt“, so begrüßte Pfarrer Matthias Gnüchtel die rund 400 Gäste. „Lebendige Tradition heißt vor allem, die Sprache zu bewahren.“

 
Ein 20minütiger Film erinnerte an die Entstehung der Stiftung, in der Lohsaer Kirche am 19. Oktober 1991 unterzeichnet von Vertreter aus Bund, Sachsen und Brandenburg. Steinig und schwierig war der Beginn. Es gab wichtige Grundsatz-Entscheidungen. Dazu gehörten die gemeinsame Verwaltung der bereitgestellten Haushaltsmittel, die Privatisierung des Domowina-Verlages, der Aufbau und die Eröffnung des Wendischen Museums in Cottbus und die Verleihung des neuen Ćišinski-Preises.

 
 
Helene Theurich, heutige Stiftungsratsvorsitzende, würdigte die Arbeit Ludmila Budarjowas, der ersten Stiftungsratsvorsitzenden 1991 bis 1995. Die heutige Vorsitzende erinnerte an die Umstrukturierungen in sorbischen Institutionen, an die Sparzwänge. Denn seit 2001 fuhr der Bund seinen Anteil am Stiftungsetat zurück. Auch Brandenburg kürzte seinen Anteil. Konstant blieb der Anteil Sachsens. Dafür dankte die Vorsitzende nachdrücklich. Sie erinnerte an die Uraufgabe der Stiftung: Der Erhalt der sorbischen Sprache und Kultur. „Wir wollen die sorbische Sprache in die Zukunft tragen. Um ihre Anwendung im Alltag müssen wir uns kümmern – in den Familien, in den Vereinen und in den Einrichtungen“, unterstrich sie.
 

Ein kraftvolles, bewegendes Festkonzert folgte. Chor und Orchester des Sorbischen Nationalensembles unter Leitung der Dirigenten Peter Ziesch und Dieter Kempe musizierten. Mitwirkende waren Marie-Luise Fritzsche (Flöte), Liana Bertók (Klavier), Tobias Witke (Klarinette) sowie Elmira Yakhina (Sopran).

 

Von der Stiftung geförderte Werke erklangen. Dazu gehörten auch Beiträge aus dem ersten Kompositionswettbewerb der Stiftung, aber auch Werke des Litschener Komponisten Jan Paul Nagel (1934-1997). Von ihm erklangen fünf der „Zehn sorbischen Tänze“ für Streichorchester sowie die Vokalgroteske „Mjena zhubjenych wsow“ (Namen begrabener Dörfer).Den Abschluss bildete eine Auftragskomposition der Stiftung: Ein Ausschnitt aus Liana Bertóks kraftvoller Komposition „In Memoriam Korla Awgust Kocor“ für Chor, Orchester und Sopran-Solo.

 
„Die Lohsaer Kirche hat eine wunderbare, tragende Akustik. Das ist für einen Chor sehr dankbar“, meinte Dirigent Peter Ziesch, der auch Vorsitzender des Bundes sorbischer Gesangvereine ist. Grundsätzlich hat er die Gründung der Stiftung 1991 immer begrüßt. „Wir setzten damals viel Hoffnung in sie. Hoffnung auf Beständigkeit. Das hat sich leider nicht bewahrheitet. Wir sind in einer kritischen Phase angekommen. Stellenabbau und drastische Kürzungen gibt es. Von einer Gesamt-Förderung kann man nicht mehr sprechen. Höchstens noch von einer partiellen Förderung.“
 
Der Chor des Sorbischen Nationalensembles schrumpfte von 20 auf 16 Stellen. Das Gesamtbudget für sorbische Konzerte wurde gekürzt. Das wird sich unweigerlich auch auf die Arbeit der sorbischen Chöre und Gesangsgruppen auswirken.
 
Liederpoet und Kabarettist Bernd Pittkunings aus Dissen, seit Jahren lausitzweit für Pflege und Erhalt der sorbischen Sprache engagiert, hat damals den Vertrag zur Gründung der Stiftung für das sorbische Volk mit unterschrieben. Damals gehörte er dem Bundesvorstand der Domowina an. Aus heutiger Sicht sieht er die Entwicklung der Stiftung kritisch. „Ich glaubte nicht, dass die Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr dieselbe Summe für das sorbische Volk geben wird“, schrieb er dem Lohsaer Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus. „Meine Bedenken haben sich alle als begründet erwiesen.“ Als Illusion erwies sich seiner Meinung nach vor allem das Vetorecht der sorbischen Vertreter im Stiftungsrat.
 
Helene Theurich verteidigte in ihrer Festrede die Gründung der Stiftung 1991 als wichtigen Schritt. Legte die Stiftung doch die Grundlagen für die Finanzierung sorbischer Institutionen und Projekte. Nahm sie doch außer Brandenburg und Sachsen auch den Bund mit in die Verantwortung. „Ein gutes Ende ehrt die Mühe“, erinnerte sie an eine sorbische Redensart. „Es war eine gute Idee, eine Stiftung zu gründen.“
 
 
 

Andreas Kirschke



Unsere Veranstaltung am 11. November
 




war gut besucht. Fast dreißig Einwohner aus Lohsa und der Umgebung wollten das Video sehen, das Dietmar Hörenz vor 20 Jahren, am 19. Oktober 1991, vor und während der Gründung der „Stiftung für das sorbische Volk“ gedreht hatte. Konnte man doch nicht nur die Prominenz anschauen, die damals per Hubschrauber nach Lohsa eingeflogen wurde — Angela Merkel, Kurt Biedenkopf, Manfred Stolpe —, sondern viele Details des damaligen Lohsa, und manch einer konnte sich selbst wiederfinden und feststellen, dass er zwanzig Jahre älter geworden ist. Und zu sehen war, wie sehr sich der Lohsaer Marktplatz in zwanzig Jahren verändert hat!

 

Ein spannendes Zeitdokument ist Dietmar Hörenz’ Film heute, ein Zeitdokument von bleibendem Wert.

 
Der zweite Teil des Abends gehörte unserer neuen Broschüre: „Neu Lohsa. Erinnerungen an die verlorene Heimat.“

 
1943 bis 1947 ging der Ortsteil Neu Lohsa durch den Tagebau Werminghoff II für immer verloren. Nur noch drei Höfe stehen.

 

Vereinsvorsitzender Reinhardt Schneider stellte die Broschüre vor, nach „Neida“ und „Buchwalde“ die dritte in dieser Reihe, und dankte allen, die bei der aufwendigen Zusammenstellung und Herstellung geholfen haben: Andreas Kirschke (Interview mit Zeitzeugen, Übersetzungen), Elke Nagel (Artikel über sorbisches Leben in Neulohsa und über Agnes Buder; Nachdichtungen ihrer Gedichte; Redaktion), Christoph Neumann (Umschlaggestaltung), sowie Manfred Ladusch, Heinz Menzel, Waltraud Springer, Johanna Konz, Werner Sroka und Udo Steglich. Er selbst hatte die Hauptarbeit geleistet, sowohl beim Sammeln und Bearbeiten der Bilder, bei den Artikeln über Teichwirtschaft, Abbaggerung, Demontage der Förderungsmaschinen und andere Einzelheiten wie Post und Gaststätte, aber nicht zuletzt auch bei der Organisation von Druck und Bindung.

 

 
Die Broschüre enthält sehr viele Bilder; mancheiner kann seine Vorfahren darin wiederfinden, aber auch die Bilder zur Demontage der Lohsaer Braunkohlenförderung nach 1945 werden viele noch niemals gesehen haben.
 
Viele Besucher wollten zum Schluss der Veranstaltung die 104-seitige Broschüre erwerben.
 
 
 

Sie ist ab sofort gegen eine Schutzgebühr von 5, - € im Zejler-Smoler-Haus erhältlich.

 

 

 


 



 




Glocken aus aller Welt erfreuen zur Adventszeit  

Eröffnung der Weihnachtsausstellung am 27. 12. 2011



Sie stammen aus aller Welt. Sie verblüffen durch ihre Vielfalt an Formen, Materialien, Klängen und Verwendungen. Über 300 Glocken – zusammengestellt aus Leihgaben – zeigt die Weihnachtsausstellung, die am Sonntag im Zejler-Smoler-Haus eröffnet wurde.

 

„Damit beschließen wir ein arbeitsreiches Jahr. Viele Veranstaltungen zeigten, wie wertvoll unser Verein für das kulturelle Leben in der Gemeinde ist“, unterstrich Werner Thomas, Mitgründer des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus, zur Eröffnung. Weit über 40 Gäste aus nah und fern waren gekommen.

 
 
 

 

 


 







Ein Freizeit- und Freundeskreis von Schülern und Eltern erfreute zu Beginn mit Liedern und Gedichten. „Feliz Navidad“ (Frohe Weihnachten), „Jingle bells“, „Kling Glöckchen, kling“, „Wandern durch den weißen Winterwald“ und weitere Melodien erklangen. Langfristig hatten die Schüler Aaron Bieder und Sophie Walter (aus Reichwalde), Anna Weise (Förstgen), Elin und Elias Vater (Klitten) sowie Pauline Bartsch (Neudorf / Spree) mit den Eltern den Nachmittag vorbereitet. „Seit September schon proben sie“, schilderte Mutter Diana Vater aus Klitten.



 

 Die Ausstellung erläutert Ursprünge der Glocken. Sie schildert Näheres über Glocken & Weihnachten, Glocken & Literatur sowie Glocken & Architektur. Allein 182(!) Exponate kamen als Leihgaben von Elke Jablonski aus Weißkollm. Seit 1990 sammelt sie Glocken. „Es sind selbst gekaufte Glocken. Von der Familie und von Freunden geschenkte. Aus dem Urlaubte mitgebrachte. Oder vom Flohmarkt erworbene“, schilderte sie stolz. „Sie alle haben wunderbare Klänge.“ Aus Deutschland, Polen, Tschechien, Niederlande, Frankreich und USA stammen ihre Glocken. Mit ausgestellt ist auch ein Exemplar ihrer Enkelin Kennara (8) aus Berlin. „Sie hat es im Keramik-Zirkel geformt“, so Elke Jablonski. „Über diese Glocke habe ich mich am meisten gefreut.“   











 


 











Besondere Attraktion der Ausstellung ist eine Bronze-Glocke aus Weißkollm. 135 Kilogramm wiegt sie. Ursprünglich entstand sie 1643 als eine der drei Lohsaer Glocken. 1843 mussten diese wegen schwerer Schäden abgenommen werden. Die Glockengießerei Friedrich Gruhl in Kleinwelka goss die drei Glocken um. Sie wurden später durch Pfarrer Handrij Zejler in Lohsa geweiht. „Bei der kleinen Glocke beträgt der untere Durchmesser 60 cm, Ton: e, Gewicht: 135 kg“, heißt es in der Lohsaer Kirchenchronik von Heinz Menzel. „In lateinischer Druckschrift und in deutscher Sprache sind auf der Glocke folgende Inschriften enthalten: ´ALLES UND IN ALLEM CHRISTUS“ – „DIR IESU LEBEN WIR, DIR IESU STERBEN WIR“. Darüber befindet sich das Brustbild von Melanchthon.“ Die Inschrift auf der anderen Seite lautet: „DIESES GLOCKENGELAEUTE WURDE AUS FREIWILLIGEN BETRAEGEN DER LOHSAER KIRCHENGEMEINDE IM JAHRE 1843 ANGESCHAFFT UND GEGOSSEN VON FRIEDRICH GRUHL IN KLEINWELKE.“ Jene kleine Glocke blieb im Ersten Weltkrieg erhalten. Sie wurde 1935 der Gemeinde Weißkollm zur Einweihung der dortigen Kapelle geschenkt. Doch auch hier verblieb sie nur sieben Jahre. 1942 musste sie für Kriegszwecke abgegeben werden. 1949 spürte man sie zufällig auf dem Glockenfriedhof in Hamburg auf. Sie hatte den Zweiten Weltkrieg überstanden. 1950 kehrte sie auf den Turm der Weißkollmer Kapelle zurück. Sie hing hier fortan neben der 1949 neu gegossenen Glocke. Seit Ende der 1960er Jahre wurde sie nicht mehr geläutet. Sie wies schon Schäden auf. In diesem Jahr wurde sie wegen der Schäden ganz vom Turm genommen. Sonntag, zur Eröffnung der Ausstellung, zog sie im Zejler-Smoler-Haus viele staunende Blicke auf sich.

 
Die Ausstellung ist jetzt bis Mitte Dezember montags und donnerstags 10 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr, am Adventssonntag 4. Dezember 14 bis 17 Uhr und zum Lohsaer Weihnachtsmarkt am 10. Dezember von 13 bis 19 Uhr zu sehen.
 
 
 

Andreas Kirschke

 


  Rückblick auf die Veranstaltungen des Jahres 2012

 


Eröffnung der Weihnachtsausstellung 

zum Thema „Bergmannsweihnacht und
erzgebirgische Schnitzereien“

am 2. Dezember 2012
 


Stolz mutete der kleine, geschnitzte und bemalte Bergmann an. In der linken Hand hält er einen Erztrog, in der rechten Hand eine Bergbarte. Deren Schneide besteht aus Aluminium. Auf dem grünen Schachthut prangt das Schlägel-Eisen-Emblem. Die Figur „Bergmann mit Erztrog“ gehörte zur diesjährigen Weihnachtsausstellung im Zejler-Smoler-Haus.

 

„Wir wollen den regionalen Bezug herstellen. Gerade Lohsa ist eng mit dem Bergbau und seiner Geschichte verbunden“, unterstrich Mitorganisatorin Kerstin Petri. Zusammen mit Gabriele Knothe und weiteren Helfern baute sie die Ausstellung auf. Viel Mühe und Kleinarbeit verlangte dies. Nach den Weihnachtsausstellungen „Nussknacker“ (2007), „Sorbische Sagenfiguren und Christbäume“ (2008), „Märchen, Geschichten, Lieder, Bräuche und Spiele zum Christfest“ (2009), „Engel. Gottesbote und Heilsbringer“ (2010) und „Glocken“ (2011) suchte der Förderverein erneut ein originelles Thema. Ältere Einwohner verbanden mit dem Bergbau Erinnerungen, Beruf und Geschichte. Für Jüngere konnte die Ausstellung manche Wissenslücke schließen. „Das betrifft gerade die Erläuterung der einzelnen Symbole. Es geht um den tieferen Sinn der Figuren“, sagte Kerstin Petri.

 

Der Schwibbogen zum Beispiel symbolisiert nach getaner, harter Arbeit im Dunkeln den erleuchteten Stollen-Ausgang. Er ist wie der Weg ins Licht hinaus. Die Bogenform geht auf eine bergmännische Tradition zurück. „Die Bergleute trafen sich vor Weihnachten zur Andacht und zum Feiern zur „Mettenschicht“ im Stollen und hängten ihre Grubenlampen halbkreisförmig wie das Mundloch eines Stollens an die Wand. (Nachzulesen in der Broschüre „Es begab sich aber…. Weihnachtliche Geschichten, Gestalten und Symbole“,herausgegeben vom Stadtmuseum Hoyerswerda mit Texten von Friedhart Vogel, Angela Jordan, Elke Roschmann und Andreas W. Vetter.)  

Die Lichterfiguren Engel und Bergmann sind tief mit dem erzgebirgischen Brauchtum verbunden. Die Engel gelten als beschützende Himmelsmacht. Die Bergmänner sind Abbild der Männer, die in den Minen Tag für Tag ihr Leben riskierten. Die Pyramide war im waldarmen Norddeutschland der „Christbaum der armen Leute“. Im waldreichen Erzgebirge wiederum ist sie kunstvoll verziert. Zumeist wird sie durch Schnitzen, Drechseln und Laubsägen gefertigt. Christliche Motive wie Engel finden sich darauf ebenso wieder wie Bergmann und Wald.



 

 Die heilige Barbara gilt als Schutzpatronin der Bergleute. Ihre Verehrung lässt sich bis in die Zeit um 700 zurückverfolgen. „Der Nussknacker erscheint meist in Gestalt der Obrigkeit, als König, Soldat, Förster oder Gendarm. Diese sollten für die armen Leute arbeiten und Nüsse knacken“, erläutert die Broschüre. Der Räuchermann, eine Pfeife rauchende Holzfigur aus dem Erzgebirge, entstand Mitte des 19. Jahrhunderts. Er zeigt meist fantasievolle historische Figuren oder einfache Menschen aus dem Volk wie Schornsteinfeger, Bergleute, Feuerwehrleute, Handwerker und Wirte. All diese geschilderten Symbolfiguren kamen in der Weihnachtsausstellung vor.
 
 

Dank etlicher Leihgaben war sie möglich. Allein 35 Exponate – davon 17 Bergmänner, zehn Engel und ein Adventskranz – stammten von der Energiefabrik Knappenrode. Dafür war der Förderverein sehr dankbar. Ebenso den privaten Leihgebern. Ulricke Schönfelder aus Riegel gab 65 Exponate für die Ausstellung. Sie ist selbst gebürtige Erzgebirglerin. Zu ihren Exponaten gehören eine weiße Pyramide, Spanbäume und Striezelkinder. Von Christa Stephan aus Lohsa kamen zum Beispiel eine Heilige Barbara aus Kristall und eine Heilige Barbara aus Holz. Rosel Wilde aus Weißkollm stellte Schwibbögen und Engel zur Verfügung. Hans Domsch aus Lippen unterstützte mit einer Grubenlampe, einer Grubenlaterne, einem großen Bergmann aus Keramik und einem kleinen Bergmann aus Bronze. Gerda Lehmann, gebürtig aus Annaberg-Buchholz im Erzgebirge, unterstützte mit einigen originellen Pyramiden.

 

Zur Eröffnung am 2. Dezember zum ersten Advent kamen zahlreiche Gäste aus nah und fern. Unter Leitung von Margitta Luttner, die seit über 30 Jahren an der Kreismusikschule Bautzen unterrichtet, erfreuten ihre Schüler mit einem Programm. Elin und Elias Vater aus Klitten sowie ihre Mutter Diana Vater, Pauline Bartsch aus Neudorf, Anna Weise aus Förstgen und Sophie Walter aus Reichwalde musizierten auf ihren Instrumenten, sangen und trugen Gedichte vor. Sie ermunterten die Gäste auch zum Mitsingen. „Sind die Lichter angezündet“, „O Tannenbaum“ und sogar der dreistimmige Kanon „Gloria in excelsios deo“ erklangen im Zejler-Smoler-Haus gemeinsam. „Mit unserem Programm wollen wir Feierlichkeit, Ruhe und Besinnlichkeit wecken“, unterstrich Margitta Luttner.

 

Andreas Kirschke


 
Die Sonderausstellung
 

„Malerei & Plastik“

 

 von Erika und Harald Lukschanderl aus Saalau

 

 war bis zum 22. November zu sehen! 

  

 

 

„Kunst besteht im Weglassen. Kunst reduziert auf das Wesentliche. Kunst lässt viele Deutungen offen. Der Betrachter soll sie sich erschließen“, meint Erika Lukschanderl (72) aus Maukendorf; „mein bester Ideengeber ist die Natur.“

 Vor allem Teichlandschaften, alte Bäume und Stimmungen inspirieren die Malerin immer wieder. Gemeinsam mit ihrem Mann Harald (74), Metallbildhauer und Metallrestaurator, zeigt sie seit dem 30. September die Ausstellung „Malerei und Plastik“ im Zejler-Smoler-Haus. 

Nach den Ausstellungen „Lebenslinien“ (2006 im Amtsgericht Hoyerswerda und 2007 in der Galerie Zur Alten Schmiede Weißwasser) und „Begegnungen“ 2009 im Kraftwerk Schwarze Pumpe ist es die vierte gemeinsame Ausstellung. Jahrelang unterrichtete Erika Lukschanderl Deutsch in Wittichenau. 1998 ging sie in Vorruhestand. Zur ihrer Leidenschaft Malen fand sie durch Kurse der Volkshochschule Hoyerswerda. Hier lernte sie gezielt Aquarellzeichnungen. Hier lernte sie auch weitere Techniken kennen wie Pastell, Monotypie und Mischtechnik. Zugleich unterstützte sie ihren Mann. Er richtete 1994 im früheren LPG-Gebäude in Saalau sein Atelier ein. „Wenn ich an einem Entwurf, an einer Skizze arbeitete, saß sie meist mit dabei. Sie war auch bei der Ausführung mit dabei“, schildert der Metallbildhauer und Metallrestaurator. So entdeckte Erika Lukschanderl nach und nach ihre Leidenschaft für Farben, Motive und Perspektiven. Sie half ihrem Mann beim Vergolden der Skulpturen. Dabei meisterte sie geschickt auch die schwierige Polyment-Technik. „Es ist eine der schwierigsten Arten der Vergoldung. Zwölf bis 14 Schichten kommen übereinander“, erläutert sie. In Fachbüchern las sie sich Kenntnisse darüber an. Sie lernte Schritt für Schritt durch die Praxis. Mit ihrem Mann Harald besuchte sie sogar einen Vergolder im bayrischen Oberammergau.

 In der aktuellen Ausstellung in Lohsa zeigt sie Stimmungen wie „Sonnenuntergang“ und „Abendrot“ – gemalt mit Pastellkreide. Ihre Aquarelle zeigen Motive wie „Herbsttag“, „Spätsommer“ und „Auenwald“. Mit Mischtechnik entstand das Bild „Tagebaukante“. Tiermotive wie „Storch“, „Pelikan“ und „Eule“ verbildlichen die Monotypie-Technik. „Hier wird zuerst das Motiv auf eine Glasplatte gebracht. Dann folgt der Druck auf Papier“, erläutert die Maukendorferin.  

Wie sie zeigt auch ihr Mann Harald in der Ausstellung einen kleinen Ausschnitt seiner Werke. Zu sehen sind einiger seiner ersten Skulpturen, Entwürfe sowie auch neuere Skulpturen. Entdecken kann der Gast Harald Lukschanderls erste Plastik „Rosenbrunnen“ aus Kupfer 1986 für die Stadt Forst. Zu sehen ist auch das Wasserspiel „Trauerweide“ aus Kupferblech Ende der 1980er Jahre für den Halbendorfer See sowie das Wasserspiel „Vogelbrunnen“ 1992 aus Kupfer für das Behindertenheim Spremberg. Harald Lukschandel erinnert in der Ausstellung auch an seine Arbeiten für die Crostwitzer Pfarrkirche. Gemeinsam mit Holzbildhauer Gerhard Rauschenbach aus dem Altenburger Land fertigte er für den Altarraum drei Frauenfiguren als die drei göttlichen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe an. Außer der Gestaltung des Altars gehören dort auch die Seitenaltäre zu seinen Arbeiten. Die Bau- und Möbeltischlerei Hawštyn Smoła aus Dürrwicknitz setzte seine Entwürfe um. Die Marienstatue wurde restauriert, mit einer Farbfassung und Vergoldung versehen. Der Heilige Sebastian wurde neu angefertigt und farbgefasst.

 

 
 

Konzert des Trios „slide affair“ aus Frankfurt/Oder

 

am 28. Oktober in der Lohsaer Kirche

 

 

 Mit Kammermusik für drei Posaunen begeisterten Christian Zecher (Alt- & Tenorposaune), Rainer Pfundstein (Tenorposaune) und Andreas Zech (Bassposaune) in der Lohsaer evangelischen Kirche. Weit über 70 Gäste waren gekommen. Zum zweiten Mal nach November 2010 musizierte slide affair in Lohsa. 

Werke von Brian Lynn, Fernand Desprez sowie von Orlando di Lasso (1532-1594), Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809-1847), Frigyes Hidas (1928-2007), Gordon Jacob (1895-1984) und David Uber (1921-2007) erklangen. Den Schlusspunkt setzte das Wiegenlied von Johannes Brahms (1833-1897). Sogar zwei Zugaben erklangen. Als musikalische Hommage an die Sorben spielten die Posaunisten „Beži woda“. Es folgte ein alpenländisches Abendlied aus Österreich.

 Hoch anspruchsvoll ist Posaunenmusik als Trio. Bundesweit wagen sich nur wenige Gruppen wie slide affair daran. Der Name „slide“ (englisch) bedeutet: Posaunenzug. Seit 2007 besteht das Trio. „Ursprünglich wollten wir als Posaunen-Quartett in der Peitzer Kirche spielen“, schilderte Rainer Pfundstein. Doch ein Kollege erkrankte schwer. Ein Ersatz fand sich nicht. Die verbliebenen Drei hielten Rat. Nur ein Lied konnten sie weiter verwenden. In anstrengender Probenarbeit entstand ein neues Programm. 

 Heute musiziert slide affair bundesweit. Und dies nur in Kirchen. „Wir spielen fast nur Originalmusik für drei Posaunen. Solche Komposition sind nicht leicht zu finden“, so Andreas Zach. Er selbst stammt aus Guben und lebt heute in Neuzelle. Andreas Zach leitet die Musikschule Guben. Rainer Pfundstein kommt aus Biegen bei Frankfurt / Oder. Er ist Musiklehrer in Fürstenwalde, Frankfurt / Oder und Guben. Christian Zecher stammt aus Gießen in Hessen. Er lebt jetzt in Frankfurt / Oder. Dort ist er Soloposaunist im Brandenburgischen Staatsorchester. 

Im Unterschied zum Quartett ist im Posaunentrio der einzelne weit mehr gefordert. Das Musizieren verlangt mehr Konzentration, mehr Kraft, mehr Ausdauer, mehr Atem, mehr Präsenz. Jeder der drei Musiker muss 100 Prozent geben. Jeder der drei muss sich die Klangvielfalt seines Instruments hart erarbeiten. „Posaune ist unglaublich vielseitig“, so Christian Zecher. „Sie ist klanglich nah an der menschlichen Singstimme.“ Vom Instrument fasziniert ist auch Rainer Pfundstein. Zu Hause in Biegen unterstützt er den Posaunenchor der evangelischen Kirchengemeinde beim Proben und Gestalten der Gottesdienste. „Mich fasziniert der erdige Klang der Posaune. Sie kann dunkle bis helle Töne hervorbringen. Und das ohne große Hilfsmittel“, unterstrich er. Posaune spielen heißt für ihn, Gott zu ehren und zu lobpreisen. Heißt es doch in der Bibel „Lobet den Herrn mit Posaunen“. „Durch das, was wir künstlerisch aufnehmen, reifen wir im Charakter“, meinte Pfarrer Matthias Gnüchtel und dankte den drei Posaunisten herzlich. „Blasinstrumente sind immer auch ein Zeichen des Lobes zur Ehre Gottes.“

 Andreas Kirschke 


 

Autorenlesung 

im Zejler-Smoler-Haus

 mit musikalischer Begleitung durch Herrn Matthias Kießling

am 19. Oktober, 18.30 Uhr: 

„Das Feuer im Spiegel“

 von und mit Jurij Koch

 

  

Bewegende Erinnerungen an eine Kindheit

 

Am 19. Oktober las Jurij Koch im Zejler-Smoler-Haus. Der Domowina-Verlag Bautzen und der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa hatten zur Buchpremiere seines neuesten Werkes, „Das Feuer im Spiegel“, eingeladen. Die Veranstaltung gehörte zur diesjährigen Lesetournee des Verlages in der Lausitz.

  

Musiker Matthias Kießling aus Cottbus, 1978 bis 2001 Mitglied der Folk-Gruppe Wacholder, begleitete Jurij Kochs Erinnerungen mit nachdenklichen, wachrüttelnden Liedern. 

 Ein Foto aus Kindheitstagen hatte Jurij Koch tief angerührt. Es zeigte Kschischans-Schierzens Hana – ein 20jährges Mädchen mit schwarzen Augen unter dunklem, in der Mitte gescheiteltem Haar. In sorbisch-katholischer Tracht blickt sie schüchtern. „Hana ist Jüdin, das uneheliche Kind in Dresden lebender Eltern“, las der Cottbuser Schriftsteller Freitag im Zejler-Smoler-Haus aus seinem Buch „Das Feuer im Spiegel. Erinnerungen an eine Kindheit“. Gespannt hörten die 20 Gäste zu.   
Seit 1924 lebte die Jüdin Hana in Jurij Kochs Heimatdorf Horka bei Crostwitz. Erst nach dem Krieg erfuhr er von den Umständen, von Mut und Menschlichkeit, von Beschwerden und Unruhe, von Hanas Verschwinden im Juni 1943. Wussten, ahnten die Eltern schon 1924 von der unheilvollen Zeit des Faschismus? Wollte Textilhändler und Herrenausstatter Kreidel in Dresden mithilfe der Geschwister Maria und Georg Schierz in Horka seine Tochter Hana vor Verfolgung bewahren? „Möglich, aber nicht nachweisbar“, las Jurij Koch mit bewegender Stimme.
 

Immer wieder blickte er tief in die Kindheit zurück. Mit Glück überlebte sein Augenlicht einen Brand. Lange blieb sein Gesicht vernarbt. Jurij Koch schildert auch das Gemetzel deutscher Soldaten unter Generalfeldmarschall Schörner 1945 an russischen, ukrainischen und polnischen Soldaten in einem Lazarettzug bei Horka. „Sie schießen auf sie mit Pistolen, manchmal aus nächster Nähe, auf Kniende, Liegende, Bittende Sterbende…. Mir werden die Ohren und Augen zugehalten….“ Es sind bewegende, dramatische Erinnerungen. Jurij Kochs Vater kam bald nach dem Krieg beim Hausbau ums Leben. Die Sehnsucht nach dem Vater blieb bis heute. Ebenso die Erinnerung an das tschechische Varnsdorf. Im Gymnasium lernte Jurij Koch dort nach dem Krieg tschechisch, sorbisch und russisch. Hier gewann er viel lebensbejahenden Humor.  

 

Sein Buch, so betonte er, ist kein Roman, keine Novelle, keine Erzählung. „Alles ist authentisch, nachprüfbar, dokumentiert. Alle Orte, alle Zeiten, alle Begebenheiten. Es ist die authentische Sicht auf die Kindheit“, unterstrich er. Damit will er nachfolgenden Generationen Geschichte weitergeben. Damit will er Auskunft über die Herkunft geben. Die Erinnerung an seine Wurzeln bewahren. „Mein Verhältnis zu Horka ist eng geblieben. Mein Bruder wohnt noch in meinem Elternhaus“, unterstrich der Schriftsteller.

 

 Eine lebhafte Diskussion schloss sich der Lesung an. Jurij Koch stand Rede und Antwort. „Er hat sehr authentisch, sehr bewegend geschildert“, meinte Besucherin Ingrid Tschorn aus Koblenz. Gerade die Kriegserinnerungen gingen ihr nahe. Sah sie doch selbst als Kind ein Flugzeug abstürzen. Ursula Altmann aus Lohsa las bereits mehrere Bücher von Jurij Koch. „Ich bin ein Kriegskind. Stamme aus Niederschlesien. Habe Flucht und Vertreibung miterlebt“, sagte sie. „Jurij Kochs Buch erinnert mich an die Kindheit. Mich fasziniert: trotz der tragischen Ereignisse findet er Worte, die erheitern können. Das ist hohe schriftstellerische Kunst. Das zeugt von einer guten Lebenseinstellung.“ 

Buchtipp für Lesefreunde: Jurij Koch „Das Feuer im Spiegel. Erinnerungen an eine Kindheit“.

 

Domowina-Verlag Bautzen 2012, ISBN-Nummer: 978-3-7420-2237-0, Preis: 12,90 €

 

 Andreas Kirschke 

 

 


    

Die diesjährige Kräuterausstellung des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft vom 9. bis 11. September war rege besucht.

 Insgesamt rund 60 heimische Wald- und Wiesenkräuter waren zu sehen.

 

Schüler aus der KIasse 6 B der Mittelschule Lohsa fragten gespannt nach. Sie kamen zur Ausstellung im Rahmen ihres aktuellen Biologie-Unterrichtes. Peter Ulbrich, Mitarbeiter der Naturwacht des Biosphärenreservates in Mücka, erläuterte bereitwillig die Ausstellung.

 

 

 Reiche Vielfalt an Kräutern wächst in der heimischen Natur. „Wir zeigen rund 60 heimische Wald- und Wiesenkräuter. Das reicht von der Schafgarbe über das Johanniskraut, Nelkenwurz, Reit- und Spitzwegerich, Brennnessel und verschiedene Arten von Kamille bis hin zum Huflattich“, unterstrich Peter Ulbrich. „Die Ausstellung soll Hilfe zur Selbsthilfe geben. Denn viele heimische Pflanzen lassen sich gut in der Praxis für den Hausgebrauch mit verwerten.“
 

 Die Brennnessel (lateinisch Urtica dioica) eignet sich gut als Tee. Der Samen passt auch zu Salat. „Als Spuren- und Mineralstoff-Vorrat kann man Brennnessel-Samen für den Winter sammeln“, sagt Peter Ulbrich. „Wichtig ist, ihn sorgfältig zu trocknen und danach lichtgeschützt aufzubewahren.“ 

Die Ringelblume (lateinisch Calendula officinalis) dient oft als Salbe, als Tinktur und als Pflege für die Haut. Auch als Tee ist getrocknete Ringelblume gut verwertbar.

 Der Salbei (lateinisch Salvia officinalis) wirkt wundheilend, keimtötend und entzündungshemmend. Salbeitee soll bei Magenproblemen und bei Mundfäule helfen. „Durch seine Bitterstoffe ist er auch Galle anregend und förderlich für die Fettverdauung“, unterstreicht Peter Ulbrich. „Ich selbst trinke gern Salbei-Tee, um weniger zu schwitzen.“
 

Die Goldtrute (lateinisch Solidago virgaurea) wächst sehr häufig im Bereich des früheren Tagebaus. Sie ist wassertreibend, schleimlösend, wundheilend, anregend, stopfend und entzündungshemmend. „Sie ist ein gutes Kraut zur Entgiftung unseres Körpers. Denn sie unterstützt die Nieren in ihrer Tätigkeit“, erläutert Peter Ulbrich. „Praktisch für den Hausgebrauch ist es, die Pflanze zu trocknen und Tee daraus zu fertigen.“

 

Insgesamt bot die Ausstellung, die zuvor am 8. September beim Naturmarkt in Wartha (Gemeinde Guttau) zu sehen war, viele Einblicke. Zur Besichtigung ins Zejler-Smoler-Haus Lohsa kamen unter anderem Kinder aus dem Kindergarten „Märchenland“ Lohsa in Trägerschaft des Christlich-Sozialen Bildungswerkes (CSB). Schüler aus der KIasse 6 B der Mittelschule Lohsa.

 

Andreas Kirschke

 


Sommerausfahrt 2012

Nach Nechern (bei Weißenberg) führte unsere diesjährige Sommerausfahrt mit rund 30 Teilnehmern am 1. September.  Dort steht das Geburts- und Wohnhaus des Redakteurs, Grafikers und Malers Měrćin Nowak-Njechorński (1900-1990; deutsch: Martin Nowak-Neumann). Am 19. Juni 1999 wurde es der Domowina übergeben. Es ist heute Museum und kulturelle Begegnungsstätte. Das Atelier des Malers bleibt weitgehend original erhalten. Rund 350 Besucher aus aller Welt kommen Jahr für Jahr hierher.

 


 

Róža Pinkawina (Rosalia Pinkau), langjährige Sorbisch-Lehrerin und Mitglied der Domowina-Ortsgruppe,  begrüßte uns herzlich vor dem Haus des sorbischen Malers Sie stellte uns das Leben des Malers, sein Wohnhaus und sein Atelier vor. Atelier und Wohnstube sind bis heute noch weitgehend originalgetreu erhalten. Garten und Vorgarten zeugen von der tiefen Naturverbundenheit des Redakteurs und Malers.

 

Noch 1905 waren in Nechern 95 Prozent der Einwohner sorbisch. Nach dem Ersten Weltkrieg und vor allem im Zuge der Nazidiktatur und des Zweiten Weltkriegs ging die Sprache mehr und mehr zurück. Měrćin Nowak-Njechorński  hatte mütterlicherseits sorbische Wurzeln. Sein Vater, der aus Cunewalde stammte, war den Sorben eher abgewandt. Selbst sein Sohn Měrćin hielt anfangs wenig von der sorbischen Sprache. Sie war für ihn die Sprache der Mägde und Knechte. Er hat die Sprache und Kultur der Sorben erst nach und nach für sich entdeckt und sich in sie verliebt. Er lernte sie durch die Sängerfeste in Bautzen und durch viele Begegnungen erst schätzen.

 

Měrćin Nowak-Njechorński wurde am 13. Juni 1900 in Nechern geboren. Der Vater schickte ihn mit 13 Jahren auf die Malschule in Berlin. Seine erste kleine Ausstellung organisierte Měrćin Nowak-Njechorński mit 19 Jahren in deutscher Sprache in Görlitz. Erst später hatte er auch eine sorbische Ausstellung. Er sprach sieben Sprachen. 

 

Er studierte Kunst in Leipzig, Dresden, Prag und Warschau. Ursprünglich wollte er nur ein „großer Künstler“ werden. Doch die sorbische Sprache, Kultur und Lebensweise, die sorbischen Traditionen und Bräuche, die sorbische Geschichte, Schrifttum und Malerei berührten ihn so tief, dass er Maler, Diener und Künder des sorbischen Volkes werden wollte – im wahrsten Sinne ein sorbischer Volksmaler.

 

Von 1929 bis 1969 war er – mit Unterbrechung von 1933 bis 1947 durch Haft, Berufsverbot und Krieg – Redakteur für sorbische Zeitungen und Zeitschriften. Seit 6. Juli 1947 war er erster Chefredakteur der sorbischen Tageszeitung „Nowa Doba“ (Neue Zeit).

 

Měrćin Nowak-Njechorński war auch Schriftsteller. Sein bekanntestes Buch „Krabat“ kam in mehreren Sprachen heraus. Seine in drei Bänden erschienenen Lebenserinnerungen sind heute ein aufschlussreiches Dokument der Zeitgeschichte.

  



Als Übersetzer übertrug er Werke von Maxim Gorki (1868-1936), Nikolai Wassiljewitsch Gogol (1809-1852), Alexander Sergejewitsch Puschkin (1799-1837) und Karel Čapek (1890-1938) ins Sorbische. Die russische und tschechische Sprache hatte er im Selbststudium gelernt. Als Volkskundler sammelte Měrćin Nowak-Njechorński viel Material über Trachten und Brauchtum. Sachkenntnis erwarb er sich vor Ort bei ausgedehnten Wanderungen durch die Lausitz.Er hat immer einfach und bescheiden gelebt, sagte Róža Pinkawina. 250.000 DDR-Mark Vermögen hinterließ er der Domowina. Sie sollte damit das Haus sanieren. Das hat nicht gereicht.

 

 

 


 

Bei unserem Rundgang stießen wir auf viel Wissenswertes zum Lebenslauf und zu den Werken des Künstlers. Dazu gehören zweifellos zahlreiche Natur-, Sagen-, Märchen- und Mythenmotive. Eine seiner bekanntesten Zeichnungen ist „Krabat“. Bekannt ist auch das Motiv „Schlangenkönig“. Unverkennbar ist auf jedem seiner Bilder stets ein kleines Lindenblatt als Signum mit vermerkt.

 


 

 

 

 

 


 


 


 

Reinhardt Schneider, der Vorsitzende des Fördervereins, bedankte sich nach der Führung herzlich bei Róža Pinkawina.

 

Andreas Kirschke

 

 



Sorbisch-Lernende aus 15 Ländern waren in Lohsa zu Gast

 

 Sorbische Sprache, Kultur, Bräuche und Traditionen finden Zuspruch in aller Welt. Dies zeigt zurzeit der 18. Internationale Sommer-ferienkurs des Sorbischen Institutes Bautzen. 40 Studenten und Dozenten aus 15 Ländern nehmen daran teil. Sie kommen aus Deutschland, Polen, Tschechien, Weißrussland, Ukraine, Russland, Slowenien, USA, Japan und weiteren Ländern. Vom 30. Juli bis 17. August dauert ihr Sprachkurs intensiv. Eine Exkursion führte sie am Sonnabend nach Lohsa, Rohne und Schleife.

 


 

In Lohsa am Zejler-Smoler-Haus begrüßten Katrin Goering, Rosemarie Kloss und Monika Aust in Lohsaer sorbischer evangelischer Tracht die Besucher. Sie sangen die Lieder „Moja gola“ (Meine Heide) von Jan Pawoł Nagel und „Ha widźuli ptačata ćahnyć“ (Und seh’ ich den Vogelschwarm ziehen) von Handrij Zejler.

 


 

Die Sorbisch-Lernenden erfuhren Näheres über Lohsas Geschichte. Sie gewannen Einblicke über Persönlichkeiten wie Pfarrer, Dichter, Landwirt, Schulinspektor und Redakteur Handrij Zejler (1804-1872), über Verleger und Philologe Jan Arnošt Smoler (1816-1884), über Pfarrer Jurij Malink (1893-1942), Kaufmann und Domowina-Mitgründer Jan Haješ (1873-1960), Lohsas Gemeindevorsteher Korla Błažij (1864-1932), Komponist Jan Pawoł Nagel (1934-1997), Volksdichterin Hańža Budarjowa (1860-1937) und weitere Persönlichkeiten. Sie besichtigten das Handrij-Zejler-Denkmal am Markt, das Handrij-Zejler-Grab an der Kirche, die Lohsaer evangelische Kirche sowie das Zejler-Smoler-Haus.

 

Günter Wenk vom Gemeindekirchenrat erläuterte in der Kirche deren Geschichte, Inschriften und Besonderheiten. Gelegenheit blieb für Nachfragen und Besichtigungen. Mit guten Eindrücken und Erkenntnissen fuhren die Exkursionsteilnehmer weiter nach Rohne und Schleife.

 
 

Andreas Kirschke

 

 

 

 




Kammerkonzert im Silberseehaus Mortka
Konzert am Flügel von Jan Paul Nagel

am Sonnabend, dem 23. Juni 2012, um 16 Uhr

Gastspiel des Sorbischen Nationalensembles Bautzen

 

Freude und viel Beifall fand das Kammerkonzert im Silberseehaus Mortka, wenn auch, sicher dem schönen „Gartenwetter“ geschuldet, diesmal ein paar Plätze leer blieben.
Der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. hatte ins Silberseehaus Mortka eingeladen, dessen kleinen Konzertsaal der Hausherr, Dr. André Jakubetz, zum wiederholten Mal dafür zur Verfügung stellte. In Sorbisch und Deutsch erklangen zahlreiche Lieder verschiedener Komponisten aus verschieden Zeiten.
 


Gemeinsam mit Pianistin und Musikverlegerin Liana Bertók (Klavier) und den Schülerinnen Josephine Kretschmar (Violine, Sorbisches Gymnasium Bautzen) sowie dem Kinderduo Merlinde Lehmann (Violine, Sorbische Grundschule Bautzen) und Paula Matiaškowa (Klavier, Maria-Montessori-Grundschule Bautzen) erfreute die Mezzosopranistin Tanja Donath aus Bautzen die Zuhörer.

 

 

 

 


 Antonin Dvořáks Zigeunermelodie „Rein gestimmt die Saiten“, kraftvoll und leidenschaftlich vorgetragen, erklang gleich zwei Mal – im Programm und am Ende als Zugabe.  

Musikstücke von Bjarnat Krawc-Schneider (1861-1948), Antonin Dvořák (1841-1904), Helmut Fritsche (1907-1964) und Korla Awgust Kocor (1822-1904) waren zu hören. Vom Litschener Komponisten Jan Paul Nagel (1934-1997), an dessen 15. Todestag das Konzert erinnerte, erklangen „Fünf ernste Lieder“ für mittlere Stimme und Klavier: „Es fällt um mich der Wälderkranz“, „Herbst“, „Als der Komponist spielte“, „Herbsttag“ und „Letztes Boot, darin ich fahr“. Mit zwei Liedern würdigte das Konzert den wenig bekannten Pfarrer, Dichter und Komponisten Jan Křesćan Koernig (1791-1858). „Ursprünglich war er Deutscher. In Königswartha wirkte er viele Jahre als Pfarrer. Sorbisch eignete er sich selbst an“, schilderte Tanja Donath. „Er dichtete sogar in Sorbisch. Dazu gehörte das Lied ´Tři kwětki´ (Drei Blumen). Aus dem Französischen übertrug er Jean Jacques Rousseaus Gedicht ´An Lina´ ins Sorbische: ´Na Linu´. Eine erstaunliche, bemerkenswerte Leistung!“

 

Viel Beifall ernteten auch Merlinde Lehmann (Klavier) und Paula Matiaškowa (Violine). Sie spielten Jan Paul Nagels Stücke „Fidlar“ und „Zagraj nam“. Und besonderen Beifall erhielt die Gymnasiastin Josephine Kretschmar für den Vortrag des 4. Satzes der Dvořák-Sonatine op. 100, die sie, begleitet am Flügel von Liana Bertók, souverän meisterte.

 

„Ein sehr vielseitiges, abwechslungsreiches, erfrischendes Konzert“, meinten die Gäste Karin und Manfred Vollmert aus Seidewinkel. Zum ersten Mal erlebten sie ein Konzert im Silberseehaus Mortka. Vor allem Antonin Dvořáks Werke und die Stücke der Schülerinnen hatten sie berührt. An Jan Paul Nagel haben sie gute Erinnerungen.

 

Nagels Musik, so Liana Bertók, gleicht einem Hoffnungsschimmer. Einem Hoffnungsschimmer, dass die sorbische Musik weiterleben wird. „Bis heute habe ich immer nur ehrfürchtig an seinem Flügel gespielt“, meinte sie. „Doch heute habe ich zum ersten Mal diesen samtigen, wunderbaren Klang gespürt.“ Eine langjährige, tiefe Freundschaft verband sie mit Jan Paul Nagel, von dem sie viel gelernt hat.

 

Andreas Kirschke

 

 


  

 

Ausstellungseröffnung im Zejler-Smoler-Haus Lohsa am 10. Juni 2012

Karin Sauer: Textilmalerei

Katja Miersch: Kleine Galerie

Das Malen ist für sie Ausgleich zum Alltag. Motive finden sie vor allem durch Blumen. Dabei inspiriert sie mitunter sogar das Innenleben der Blüten. Karin Sauer aus Driewitz mit Textilmalerei und Katja Miersch aus Koblenz mit ihrer Kleinen Galerie aus Ölmalerei, Aquarellen und Hinterglas-Malerei stellen derzeit ihre Werke im Zejler-Smoler-Haus aus.

 


Karin Sauer zeigt Kissen, Gardinen, Tischläufer und weitere Ideen. Mit Textilmalerei begann sie vor fünf Jahren. „Die Techniken habe ich mir selbst angeeignet“, schildert Karin Sauer stolz. Als gelernte Industriekauffrau hat sie früher jahrelang im Bereich Wohnungswirtschaft der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda gearbeitet. Von alten Mustern aus DDR-Zeit ließ sie sich inspirieren. Zuerst bemalte sie Gardinen und Bettlaken. Inzwischen sind es auch Tischläufer, Rolltücher und Kissen. Am liebsten bemalt sie Stoffe aus Baumwolle und Leinen. Mitunter sind es auch Stoffe mit 20 Prozent Kunstfaser-Anteil. Beim Gestalten wendet sie Maltechniken wie Stempeldruck, Frei-Hand-Malerei, Schablonieren und Stickmalerei an. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt ihrer Ideen.


So ist es auch bei Katja Mierschs Werken. Die Koblenzerin malt seit ihrem 14. Lebensjahr. Damals begann sie mit Aquarell-Bildern. Sie orientierte sich an einem Malbuch. Inzwischen inspirieren sie vor allem Landschaften, Häuser und Blumen. Zu ihrer Ausstellung derzeit im Zejler-Smoler-Haus gehört das älteste Haus von Koblenz – das Förster-Haus. Katja Miersch, die zurzeit Chemielaborantin bei der Sächsischen Bildungsgesellschaft für Umweltschutz und Chemieberufe Dresden GmbH lernt, zeigt zudem Blumen-, Landschafts- und Personen-Motive.


Bis Ende August sind beide Ausstellungen im Zejler-Smoler-Haus montags und donnerstags 9 bis 18 Uhr oder nach Vereinbarung unter der Telefonnummer 03 57 24/5 02 56 zu sehen.

Andreas Kirschke




 

Vor 15 Jahren verstarb der sorbische Komponist Jan Paul Nagel (1934 - 1997) aus Litschen.   

Er war Mitgründer des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa e. V. Ihm zu Ehren legten die Vereinsmitglieder Montag am Grab des Komponisten in Lohsa ein Blumengebinde nieder. Gabriele Knothe und Vorsitzender Reinhardt Schneider gehörten dazu. Am 23. Juni organisiert der Förderverein zu Ehren Jan  Paul Nagels ein Kammerkonzert mit Musikern des Sorbischen Nationalensembles. Es findet am 23. Juni um 16 Uhr im Silbersee-Haus in Mortka statt.





Jahreshauptversammlung des Fördervereins
am 2. Mai 2012

Der Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus e. V. will die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verstärken. Dies unterstrich der wiedergewählte Vorsitzende Reinhardt Schneider Mittwoch zur Jahreshauptversammlung. „Durch das Engagement von Gabriele Knothe, Grit Pelzer und Edith Krauß ist eine Reihe von Projekten angelaufen“, erläuterte er. Gemeinsam mit der Grundschule Groß Särchen startet der Verein einen Projekttag im Zejler-Smoler-Haus. Der Lohsaer Kindergarten „Märchenland“ will mit dem Verein eine kindgerechte Führung im Zejler-Smoler-Haus organisieren. Mit dem Museum der Westlausitz Kamenz bot der Verein jetzt der Lohsaer Mittelschule eine Schulstunde zur frühen Eisenzeit an. Inbegriffen der Besuch der aktuellen Sonderausstellung „Archäologische Ausgrabungen bei Weißkollm 2008“. „Auch dieses Angebot wurde rege genutzt“, zog Reinhardt Schneider Bilanz.



Gratulation für den neuen (alten) Vorsitzenden


 


 


 


 


 


 


 


 

Außer der Nachwuchsarbeit will der Verein grundsätzlich die Werbung neuer Mitglieder verstärken. Aktuell gehören 47 Mitglieder dem Verein an. Vor allem Geschichtsinteressierte und nach Lohsa Zugezogene will der Verein zur Mitarbeit bewegen. Schwerpunkte im Jahresplan 2012 sind nach dem Sorbischen Abend im Januar, der Ausstellung mit Vortrag „Archäologische Funde bei Weißkollm 2008“ Ende Februar sowie der Lesung „Schlösser und Herrenhäuser um Lohsa“ Ende März jetzt noch das Konzert zum 15. Todestag des Komponisten und Dichters Jan Paul Nagel (1934-1997) im Juni in Mortka, die Sommer-Ausfahrt nach Nechern im September, die Filmvorführung zu „100 Jahre Domowina“ im Oktober und die Weihnachtsausstellung „Erzgebirgische Bergmannsweihnacht“ im Dezember. Aktuell im Mai will der Verein einen Arbeitseinsatz starten. Hier will er am Handrij-Zejler-Grab neu bepflanzen und die Borde richten sowie an weiteren Punkten Ordnung schaffen.

„Mit der Erinnerungsschrift für Neu Lohsa wurde die geplante Trilogie für die um Lohsa abgebaggerten Orte Buchwalde (1929), Neu Lohsa (1943) und Neida (1952) abgeschlossen. Für diese abgebaggerten sorbischen Orte gibt es nun wie auch für alle später devastierten Orte eine Erinnerungsschrift“, so Reinhardt Schneider.

Nicht realisieren konnte der Verein den kompletten Umbau der Heimatausstellung. Dies soll jetzt einer der kommenden Schwerpunkte sein. Im Zusammenhang damit muss auch das Hauptexponat der Sonderausstellung „Archäologische Ausgrabungen bei Weißkollm 2008“ mit in die Ausstellung integriert werden „Wir haben dafür eine spezielle Bodenvitrine anfertigen lassen“, so der Vorsitzende.

Besonderen Dank zollte er Werner Thomas (81). Dieser war 1994 Gründungsmitglied des Vereins. Seitdem arbeitete er bis 2012 im Vorstand mit. Von 1997 bis 2001 war er Vorsitzender. Mit viel Einsatz, Fleiß, Kreativität und Weltoffenheit engagiert er sich bis heute. Und das vor allem für Ausstellungen und Führungen im Zejler-Smoler-Haus. Erhalten bleibt er dem Verein auch weiter mit seiner Mitarbeit. „Die Arbeit im Verein gab mir das Gefühl, nicht abgestürzt zu sein nach dem Ausscheiden aus dem Lehrerberuf“, meinte der Weißkollmer. „Ich hatte im Vorstand eine sehr umfangreiche und interessante ehrenamtliche Tätigkeit. Es hat mir viel Freude gemacht.“

Andreas Kirschke




Der Vortrag über Schlösser und Herrenhäuser um Lohsa

am 30. März war rege besucht, rund 50 Interessierte waren gekommen.

 

Professor Dr. Eberhard Garbe (79) aus Großdubrau schilderte die Geschichte der Schlösser und Herrenhäuser um Lohsa. Er ging auch auf die Bergbauden  und Aussichtstürme in der Oberlausitz näher ein. Der Großdubrauer Wirtschaftsingenieur ist mit Leidenschaft Hobbyhistoriker. Nach der Wende war er 1991 in Großdubrau Vorsitzender des Fördervereins Margarethenhütte. Diese war das älteste elektrotechnische Porzellanwerk Deutschlands.

Mindestens 30 Prozent der Oberlausitzer Schlösser, Herrenhäuser und früheren Adelssitze sind akut vom Verfall bedroht. „Hier muss dringend und zügig gehandelt werden, sonst geht uns dieser Kulturschatz für immer verloren“, unterstrich Professor Garbe.

 Wir wollten für die Region etwas bewegen, aufmerksam machen, wachrütteln, signalisieren“. Mit diesen Worten stellte Eberhard Garbe die Bücher 

 „Adelssitze der Oberlausitz einst und jetzt“ (2010) und „Bergbauden und Aussichtstürme der Oberlausitz einst und jetzt“ (2012) 

vor. Der Großdubrauer Wirtschaftsingenieur hat beide Bildbände mit Chirurg Dr. Peter Hennig aus Ebersbach bei Neugersdorf verfasst. Erschienen sind sie im Verlag Frank Nürnberger in Spitzkunnersdorf. Immense Recherchen liegen ihnen zugrunde. Für jedes Buch dauerten sie zwei Jahre. Die Autoren, mit Leidenschaft Hobbyhistoriker, befragten Ortschronisten, sachkundige Heimatforscher, Museologen, Gastwirte. Bis ins Sächsische Hauptstaatsarchiv führten die Recherchen. Vor Ort in der Gemeinde Lohsa unterstützten Roland Trentzsch (Hermsdorf), Christine und Siegfried Liepert (Weißig), Werner Thomas (Weißkollm) und Heinz Menzel (Lohsa) die Autoren. In diesen vier Orten gab es früher Schlösser. Das Hermsdorfer Schloss wurde 1979 gesprengt. Das Lohsaer Schloss bestand bis 1964. Weißkollm war eines der größten und repräsentativsten Schlösser in der Oberlausitz. Als adligen Förderer der Sorben stellte Professor Garbe seinen Besitzer Egon Heinrich Gustav von Schönberg-Bibran (1800-1870) heraus. Dieser war Mitglied im sorbisch-lutherischen Bücherverein. Er unterstützte die Verbreitung religiöser Schriften in Weißkollm, Luga und Commerau bei Königswartha. Er war Mitglied der Ersten Kammer des Sächsischen Landtages und bestimmte so die Politik Sachsens entscheidend mit.

2002 wurde der letzte Teil des Schlosses einschließlich Inspektorhaus abgerissen. Nur noch Restteile des Weißkollmer Schlosses sind heute erhalten. Hier versank, so Eberhard Garbe, ein wirklich prunkvolles Schloss mit bewegter Geschichte.


Erhalten blieb das Weißiger Schloss. Christine und Siegfried Liepert kauften es 1996. Sie sanierten es tatkräftig. Seit 1998 betreiben sie es als Fledermausschloss mit Landgasthof und Pension. Auch hier stießen die Buchautoren auf bewegte Geschichte. Als Lehngut von Schreibersdorf auf Neschwitz wurde Weißig 1481 erstmals urkundlich genannt. Seitdem gehörte das Schloss mehreren Adelsgeschlechtern.

1933 zog der Berliner Jurist Dr. Adolf Oeren ein. Er war aktiver Hitler- und Kriegsgegner, er verbarg 1945 einen sowjetischen Offizier. Dieser muss Kundschafter gewesen sein. Ein Drama ereignete sich im April 1945. Polnische Partisanen kamen ins Schloss. Sie sahen nicht sofort die Zusammenhänge. Sprachprobleme kamen vermutlich hinzu. Dr. Oeren wurde erschossen. Sein Grab liegt heute zwischen den zwei Eichen an der Eingangspforte des Schlosses. Es wird kaum besucht. „Hier lohnen weitere Nachforschungen“ betonte der Referent.

Insgesamt zeichnete er ein vielfältiges, differenziertes Bild der Oberlausitzer Schlösser und Herrenhäuser. Immer wieder stieß er auf positive Beispiele wie in Milkel, Spreewiese, Neschwitz, Königswartha und Krobnitz bei Reichenbach. Vom Verfall bedroht ist indes das Gut in Klitten-Jahmen. „Jedes Schloss, jedes Herrenhaus, jeder Adelssitz ist ein sehr eigenwilliges Objekt für sich“, unterstrich der Referent. „Es braucht tatkräftige Investoren mit Verantwortung und Ideen.“ Den Freistaat Sachsen sieht er stärker in der Pflicht. Dieser, so betonte er, sollte auch gesetzlich kontrollieren, ob neue Eigentümer früherer Schlösser, Herrenhäuser und Adelssitze tatsächlich im Sinne von Gemeinwohl, Denkmalschutz und Erhalt kulturellen Erbes handeln.

Dank des Vereinsvorsitzenden R. Schneider an den Referenten

Die Besucher des Vortrages zeigten sich am Ende zufrieden. Sie kamen mit Referent und Verleger ins Gespräch.

Andreas Kirschke

 



 

Ausstellungseröffnung am 26. Februar 2012:

„Archäologische Funde bei Weißkollm 2008“

Zeugnisse aus der Bronzezeit und aus der Billendorfer Kultur

 

Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa, und Friederike Koch, Leiterin des Museums der Westlausitz Kamenz, eröffneten am Sonntag, dem 26. Februar die Ausstellung. Weit über 100 Besucher waren gekommen.

 Unsere neue Ausstellung zeigt Funde der Ausgrabungen bei Weißkollm 2008. Mit  ihrem Vortrag führte Friederike Koch zur Eröffnung der neuen Sonderausstellung „Archäologische Funde bei Weißkollm 2008“ ins Thema ein. Sie erläuterte die bronzezeitliche Lausitzer Kultur (1400-780 v.Ch.) und die eisenzeitliche Billendorfer Kultur (780-500 v. Chr.).





Seit 1980 war das Gräberfeld nahe Weißkollm den Archäologen bekannt. Die beiden ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger Heinz Trost und Manfred Kegel begingen es regelmäßig. In der Nähe des Bahndamms stießen beide auf eine bronzezeitliche Siedlung. Bei der späteren Begehung des Gesamtfeldes kamen immer wieder Scherben und Spuren von Leichenbrand zum Vorschein. Im Frühjahr 2007 stieß Manfred Kegel erneut auf große Mengen Keramik und Knochenspuren. Die Art der Keramik und der Leichenbrand verwiesen auf ein Gräberfeld. 2008 folgten Ausgrabungen im Auftrag des Landesamtes für Archäologie unter Leitung von Dr. Stefan Krabath, seit 2002 Gebietsreferent für die Oberlausitz.

Es gab 350 Fundstellen, die 100 Gräbern zuordnet werden konnten Das ist sehr ungewöhnlich. 15 Gräber konnten die Archäologen und Ehrenamtlichen schließlich bergen. Die Ausgrabungen im August 2008 dauerten vier Wochen. Weißkollm war ein Glücksfall, denn heute finden wir solche intakten Gräber kaum noch. Gerade hier ließen sich Grabriten belegen. Der Tote wurde mit den Füßen zuerst in der Urne aufgeschichtet. Mit ins Grab gab man Gefäße.


Grab mit Urne und Gefäßen

Das Museum hat die Ausstellung mit Fachliteratur und der Beantwortung wichtiger Fachfragen unterstützt. Das Landesamt für Archäologie stellte nach Restaurierung in Dresden eines der am besten erhaltenen Gräber dem Förderverein Zejler-Smoler-Haus Lohsa zur Verfügung, dazu Exponate wie Töpfe, Krüge, Nadel, Ringe sowie Fragmente aus Bronze.

         

 In Text und Fotos zeigt die Ausstellung das Freilegen, Konservieren und Dokumentieren.

Manfred Kegel aus Bernsdorf und Günter Thus aus Reichenau, seit über 20 Jahren ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, waren 2008 bei den Ausgrabungen dabei. „Die schönste Entdeckung war: Wir haben ein Grab entdeckt mit Urne, Deckschale und 18 Beigefäßen. Das war noch vollständig erhalten“, schilderten die beiden am Sonntagnachmittag. Günter Thus fand zu Beginn der Grabungen eine Pfeilspitze aus der Jungsteinzeit. Auch sie war noch vollständig erhalten.

Friederike Koch würdigte die starke Eigeninitiative des Fördervereins, der mit viel Herzblut, Engagement, Wissen und Neugier diese Ausstellung organisiert hat, und hofft auf regen Zuspruch durch Schulklassen. Gerade im Fach Heimatkunde der Klassen 3 und 4 sowie im Fach Geschichte der Klassen 5 und 6 dürfte das Thema Bronzezeit und Billendorfer Kultur spannend sein. Es ist wichtig, dass gerade die jungen Leute Zugang zur Geschichte finden.

Die Ausstellung ist bis zum 15. Mai zu sehen.

Öffnungszeiten: montags und donnerstags 10 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr sowie nach Vereinbarung unter 03 57 24/5 02 56.

 

Andreas Kirschke

 


 

Zum fünften Mal „Serbski wječor — Sorbischer Abend“
am 3.Februar 2012 im Zejler-Smoler-Haus Lohsa
 

Lohsa kann zu Recht stolz sein auf seine sorbischen Wurzeln. Dazu gehört auch der vor 100 Jahren gegründete „Wendische Verein Handrij Zejler für Lohsa und Umgebung“.
Dies unterstrich Slawist, Volkskundler und Übersetzer Dr. Siegmund Musiat aus Bautzen am Freitag zum fünften Sorbischen Abend im Zejler-Smoler-Haus. Mehr als 30 Gäste aus Lohsa und Umland waren gekommen.


Hasso Geißler (Technik) sowie Katrin Goering, Rosemarie Kloss und Monika Aust (in Lohsaer sorbischer evangelischer Tracht) umrahmten das Programm mit Liedern von Handrij Zejler, Jan Paul Nagel und Jurij Winar. Sie erhielten dafür starken Beifall.




Siegmund Musiat würdigte den am 31. Dezember 1911 entstandenen „Wendischen Verein Handrij Zejler für Lohsa und Umgebung“. 200 Einwohner traten auf Anhieb ein. Selten gab es einen so massiven Zuspruch wie damals in Lohsa. Erster Vorsitzender 1911 war Gustav Wirth, Eisenbahnassistent aus Ratzen. Ab 1913 war er Bahnhofsvorsteher in Lohsa. Im Vorstand des Vereins engagierten sich unter anderem Kaufmann Jan Haješ (als Schriftführer), Gutsbesitzer Paul Schneider (Pawoł Krawc) (als Bibliothekar) sowie Schuhmachermeister und Ortsvorsteher Karl Bläsche (Korla Błažij). Zunächst gehörte der Verein als Abteilung zum Wendischen Bauernverein Hoyerswerda. Seit dem 28. Dezember 1913 war er selbständig. Weitere Vorsitzende waren seit 1913 Karl Bläsche, seit 1922 Landwirt Jan Roblik und seit 1931 Jan Haješ. Dieser war Mitgründer der Domowina 1912 in Hoyerswerda. Er wurde später Vorsitzender des Domowina-Kreisverbandes Hoyerswerda. Zu den sehr aktiven Vereinsmitgliedern zählte die Volksschriftstellerin und Dichterin Hańža Budarjowa (Budarka), Ehefrau eines Eisenbahners in Lohsa. Zum Verein gehörten ein Chor und eine Theatergruppe. Vereinslokal war das Gasthaus Šołta in Lohsa. „Mit gemeinsamen Kräften übten die Mitglieder sorbische Theaterstücke ein. Sie gaben auch Gastvorstellungen in den umliegenden Orten“, unterstrich Siegmund Musiat. In seinem 2001 im Domowina-Verlag herausgegeben Buch „Sorbische / Wendische Vereine 1716-1937“ beschrieb er die Entstehung und Entwicklung des Lohsaer Vereins. Dessen Gründung erwies sich als nachhaltiger Erfolg. Es gelang in kurzer Zeit, der sorbischen Umgangssprache wieder öffentliche Geltung zu verschaffen und den sorbischen Gesang im Gottesdienst zu erneuern. 1930 organisierte der Verein das Jahrestreffen des Domowina-Kreisverbandes in Lohsa. 1931 beteiligte er sich an der Spendensammlung für das Handrij-Zejler-Denkmal auf dem Lohsaer Markt. Anfang 1932 waren die Mitglieder auf die Arbeit der Jugendlichen besonders stolz, denn 80 Prozent der Sänger und Laiendarsteller waren Jugendliche. In Bereichen wie Politik, Wirtschaft / Kreditwesen, Bildung, Religion, Musik, Theater, Brauchtum sowie Geselligkeit / Kontakte engagierte sich der Verein.

Doch er hatte auch Feinde. „Die lokale deutsche Öffentlichkeit reagierte gereizt“, schrieb Siegmund Musiat in seinem Buch. „Und zwar umso mehr, als der Pfarrer und der Lehrer sich bald vom Verein distanzierten und die behördlich erwünschte Germanisierungspolitik in Kirche und Schule unterstützten.“ Seit 1933 ließ die Tätigkeit im Verein merklich nach. Wie die Domowina wurde er 1937 von den Nazis verboten. Was bleibt, ist der Stolz auf das Geleistete und auf die sorbischen Wurzeln. „Ich freue mich über das tiefe Verständnis für die sorbische Tracht“, unterstrich der Gast Freitagabend im Zejler-Smoler-Haus. „Ich freue mich, dass die Achtung vor den Traditionen in Lohsa weiterlebt.“









Zum Ausklang sangen alle gemeinsam Handrij Zejlers Lied „Hanka, budź wjesoła“.

Andreas Kirschke



2013 







 
 
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