Agnes Buder
Eine Volksdichterin aus Lohsa

Die Mehrzahl dieser Gedichte (118) sind so genannte „Gelegenheitsgedichte“, man könnte sie auch Auftragsgedichte nennen: zu Tod und Todestagen (78), Hochzeiten und Geburtstagen (20); dazu kommen die Danksagungen (5) und Berichte über besondere Ereignisse (15). Das sind vielstrophige Gedichte, immer mit den Namen der betreffenden Familien oder Personen versehen. In den berichtenden Gedichten geht es um Feuer in Lohsa und Umgebung, (1880, 1905; 1931), um den vierfachen Mord in Ratzen 1929, um das Jubiläum der Lohsaer Kirche 1928, um den Mord an der siebenjährigen Madlena Paschke (1929) und andere Ereignisse in der Gemeinde. Damit hat Agnes Buder so etwas wie eine „Dorfchronik in Versen“ verfasst. In vielen Gedichten bringt Agnes Buder die Liebe zu ihrem sorbischen Volk und die Sorge um sein Weiterleben zum Ausdruck, zum Beispiel im „Prolog für den sorbischen Abend in Hoyerswerda (1929)“ und in mehreren anderen „Prologen“ für sorbische Vereinsfeste in Lohsa.
In ihrer Jugendzeit verfasste sie viele lustige Gedichte und Lieder, die in der Spinte gesungen wurden; später schrieb sie einige lyrische Gedichte von beeindruckender Dichte und Tiefe, aus denen die aufrichtige Frömmigkeit einer einfachen Frau spricht. „Zernička“ – „Abendstern“ ist sicherlich eins ihrer schönsten Gedichte.
In mehreren Gedichten bringt sie ihre Liebe und Verehrung für den Lohsaer Pfarrer und Dichter Handrij Zejler zum Ausdruck. In ihrem handschriftlich erhaltenen Lebenslauf lesen wir:
„Ich kannte Pfarrer Handrij Zejler gut und habe zu seinem Geburtstag früh am Morgen mit anderen Kindern vor dem Fenster seines Schlafzimmers mitgesungen: 'Erwache aus dem Schlafe, liebe Seele, vergesse Weh und Traurigkeit.' Sein liebes und freundliches Antlitz steht mir noch heute vor Augen. Er besuchte uns oft in der Schule und freute sich, wenn wir seine schönen Lieder vortrugen. Am Tage seiner Beisetzung habe ich ihn als zwölfjährige Schülerin mit anderen Kindern bis zum Grabe begleitet.“
Handrij Zejler hat auf das fröhliche, intelligente und musikalische Kind einen prägenden Einfluss ausgeübt. Schon damals kannte sie alle seine Lieder auswendig. Und sicher ist es vor allem diesem Einfluss zu verdanken, dass die Fünfzehnjährige 1876 ihr erstes Gedicht verfasste, um dann bis zum Ende ihres Lebens mit dem Schreiben nicht mehr aufzuhören.